Eine traurige Nachricht für alle Freunde von Astrid Fricke
Astrid, meine geliebte Ehefrau und Mitautorin in diesem Belcantoblog ist am 1. Mai 2011 nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben.
Sie war bis zuletzt auch im Internet sehr präsent, nicht nur hier im Belcantoblog, sondern auch in einem Posterousblog (jetzt bei Wordpress) unter dem Pseudonym Sita und bei Twitter unter dem Namen Picro.
Sie war eine erfolgreiche Juristin, Rechtsanwältin und Professorin für Familien- und Jugendrecht, doch für uns hatte sie eine Künstlerseele.
Sie hat es in hervorragender Weise verstanden, ihre Gedanken und Gefühle mit anderen zu teilen. Ihr wunderschönes Geigenspiel, ihre Begeisterungsfähigkeit und ihr Humor, ihre Kreativität und ihr einzigartiges Schreibtalent, ihre Beobachtungsgabe und ihr großes Herz werden uns allen unendlich fehlen.
Wer diese Seiten von ihr entdecken möchte, ist eingeladen, ihre Texte noch einmal zu lesen: Hier im Belcantoblog ihre Opernrezensionen und im Wordpressblog weitere Texte, wie Krimirezensionen oder vielfältige Alltagsbeobachtungen.
Nach Gründung dieses Opernblog im Herbst 2007 hat meine Frau 30 Berichte zu Opern und zahlreiche Kommentare verfasst, angefangen vom Bericht über die "La scala di seta" in Potsdam bis hin zur "La Lodoiska" in Ingolstadt". Sie hat zusammen mit vielen anderen Autoren dazu beigetragen, dass neue Formen der Internetkommunikation auch für die Oper ausprobiert werden konnten. Wegen des leichten Einsatzes von Bild, Ton und Film und der Möglichkeit der schnellen, unmittelbaren und barrierefreien Rückmeldung sind Blogs aus dem Kanon der Kommunikationsmöglichkeiten nicht mehr wegzudenken.
Astrid Fricke war keine Opernexpertin, aber sie konnte das, was sie gesehen und gehört hatte, sehr anschaulich und überzeugend zu Papier bringen, manchmal auch gegen Expertenmeinungen. Denn sie vertrat das Motto "I believe that it is better to have own imperfect ideas than to copy others" (aus ihrer Profilbeschreibung zum Posterousblog).
Ihr Beitrag "Rossini in Wildbad 2010 ein Rückblick" hat immer noch die höchsten Zugriffszahlen und wurde sogar in eine Rossini-Ausstellung in Bad Wildbad übernommen. Dieser Beitrag ist eigentlich keine Opernrezension, sondern ein Stimmungsbericht zum Festival im Schwarzwald und zeigt, dass das Opernpublikum auch dafür empfänglich ist.
Thematisch hat sie nicht nur die wichtigen Rossini-Opern der Festivals Bad Wildbad 2008 und Pesaro 2008 rezensiert, sondern auch selten gespielte Opern, wie "Il templario" und die Braunschweiger Aufführungen der Opern von Spohr, Gomes und Mayr. Auch das Orlando-Thema hat sie nicht nur literarisch sehr interessiert, was dazu führte, dass wir die entsprechenden Opern von Haydn, Vivaldi und Händel in Braunschweig, Frankfurt und Halle besuchten. Auch folgten wir den Opern des wieder entdeckten Simon Mayr, nachdem wir seine Fedra in Braunschweig hören konnten. Die "La Lodoiska" von Simon Mayr in Ingolstadt, die uns sehr beeindruckt hat, war unser letztes gemeinsames Opernerlebnis.
Reiner Fricke