7. Februar 2011

"Il Palazzo incantato" et "Il Combattimento" in Bad Lauchstädt

Goethe-Theater in Bad Lauchstädt (Alle Fotos: R. Fricke)
Das Goethe-Theater in Bad Lauchstedt bot anlässlich der Händel-Festspiele 2010 am 5. und 6. Juni 2010 zwei bemerkenswerte Stücke, einmal in Auszügen und halb szenisch Luigi Rossis bereits 1642 komponierte und auf Ariosts "Orlando furioso" zurückgehende  Oper "Il Palazzo incantato", zum anderen Claudio Monteverdis berühmtes  "Il Combattimento di Tancredi e Clorinda", den "Liebeskampf", welcher auf Torquato Tassos "Gerusalemme liberata" beruht. Ausführende waren Christina Pluhar (musikalische Leitung und Theorbe) und ihr Ensemble L´Arpeggiata, welches auf historischen Instrumenten musizierte (Echo-Klassik-Preisträger 2009).

In der Rossi-Oper geht es um den Wettstreit zwischen Malerei, Poesie und Musik, der nur unter Zuhilfenahme von Magie entschieden werden kann. Die Handlung spielt im Palast des Zauberers Atalante, in dem sich unter anderem der Ritter Orlando, die von Atalante entführte Prinzessin Angelica sowie Ruggiero und dessen Verlobte Bradamante befinden. Es gibt zahlreiche Liebesverwicklungen bis am Ende die getrennten Paare wieder vereinigt werden und das Reich des alten Zauberers versinkt.

In ihrer Rolle als Bradamante begeisterte die Mezzosopronistin Luciana Mancini, die bereits das literarische Konzert mit Uwe Schweikert am Vortag bereichert hatte. Bei den Tänzern gefiel mir besonders der sprunggewaltige blonde Vincenzo Capezzuto, den ich später im Park des Bad Lauchstädter Theaters inmitten seiner Truppe entdeckte: Er war der Hauptsänger (!) beim spontanten A-capella-Gesang der Ensemble-Künstler und wurde nicht nur durch Hände-Klatschen der Umstehenden angefeuert, sondern auch von einem Musiker begleitet, der  kunstvoll das Krummhorn blies.

Nach der Pause dann Monteverdis Vertonung eines tödlich endenden Streits, der lange, erbittert und - schließlich widerwillig - bis zur Erschöpfung zwischen dem Kreuzritter Tancredi und der Sarazenin Clorinda geführt wird. Mitreißend waren die wunderbar choreographierten Tanzszenen der mit Schild und Degen - beides nur pantomimisch dargestellt - aufeinander treffenden Kontrahenten. Erst nach der tödlichen Verwundung der als Kämpferin verkleideten Clorinda entdeckt Tancredi, das Visier der Gegnerin abnehmend, dass er nichtsahnend mit seiner Geliebten so erbittert gefochten hatte. 



Bad Lauchstädt darf bei einem Halle-Besuch nicht vergessen werden. Die kleine Anschluss-Reise mit Bus oder Auto lohnt sich wegen des Parks und der restaurierten Gebäude notfalls auch ohne Theaterbesuch. Noch schöner ist es aber, anlässlich der Händel-Festspiele eine quasi historische Aufführung mit Original-Instrumenten der Zeit und unter Einsatz der alten Kulissen zu erleben. Das kleine Theater konnte diesmal mit seinen gemalten barocken Bühnenbildern prunken, eine Parklandschaft und einen Palast darstellend. Anfang Juni war es nachmittags sommerlich warm, der kleine See glitzerte im Sonnenlicht. Fast konnte man sich als Kurgast von "damals" fühlen, als Fürsten und Berühmtheiten zur Trinkkur anreisten und hier lustwandelten.





Kurpark von Bad Lauchstädt (Fotos: R. Fricke)
Astrid Fricke (Besuchte Vorstellung am 5. Juni 2010)

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