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30. November 2010

‘L’italiana in Algeri’ in Lausanne

Nachdem sich Anna Bonitatibus mit einer CD als rossinische Liedsängerin empfohlen hat, war es reizend, sie auch in einer Opernproduktion zu erleben. Gelegenheit dazu bot eine Italiana in Algeri in Lausanne, und es zeigte sich, dass ihr die Rolle der Isabella perfekt in der Kehle liegt – nicht nur von der Tessitur her, sondern auch hinsichtlich der Koloraturen, die die Sängerin hier mit viel Aplomb und Verve zur Geltung bringen konnte. Ihr Lindoro, Lawrence Brownlee, forcierte zunächst in beiden Arien (im 2. Akt übrigens die anspruchsvollere Alternativarie „Concedi amor pietoso“) ein bisschen, löste sich dann aber jeweils in der Cabaletta, wo er seinem Koloraturgesang freien Lauf lassen konnte. Der Mustafà von Luciano Di Pasquale verfügt über eine eher farblose Stimme, die er gut führte und die ebenfalls koloraturgewandt ist. Dem stand Riccardo Novaro als Taddeo in nichts nach. Bei den drei Nebenrollen fiel das schöne Stimmmaterial von Alexandre Diakoff als Haly auf, während sich Elizabeth Bailey als Elvira und Antoinette Dennefeld als Zulma ideal in dieses hochstehende Ensemble einfügten.


Bild: Opéra de Lausanne / Marc Vanappelghem

Die Inszenierung von Emilio Sagi (eine Koproduktion mit Santiago de Chile und Bilbao) bot die glamouröse Eleganz einer Modeschau, vermischt mit orientalischen Motiven, und verzichtete weitgehend auf eine zeitliche Festlegung des Handlungszeitraums. Im ersten Akt herrschten grelle rote Farben vor, im zweiten weichere blaue. Die Szenen am Strand wurden in ein augenschmerzendes Hintergrundlicht getaucht, das von den Sängern nicht viel mehr als ihre Schatten übrig ließ. Ein Spiel mit roten Luftballons mit vertikalen Auf- und Abbewegungen bebilderte das organisierte Chaos im ersten Finale, während blaue Ballons mit horizontalen Hin- und Herbewegungen das Meer im Schlussbild symbolisierten. Mustafà war als verspielter Tollpatsch gezeichnet, der sich einmal ganz situationsgerecht mit Modellen von italienischen Symbolen wie dem schiefen Turm von Pisa oder dem Kolosseum beschäftigte, einmal aber auch mit einer Dampflok auftrat und seine erwartungsvolle Arie sang, während um ihn herum die Modelleisenbahn, Spur H0, ihre Runden drehte – ein richtiger Petit train de plaisir, der aber als weit hergeholte Idee eher ein Déraillement des Regisseurs bedeutete. Vor allem die Ensembles wurden von Sagi als Tableaus angelegt, vor deren statischem Verharren sich die Magie der Musik entfesselte und den Zuhörer mit sich fortriss. Diesen Effekt erzielte die brillante Leitung von Ottavio Dantone, die sich nicht nur in diesen Crescendowalzen voll entfaltete, sondern auch sonst durch tolle agogische und dynamische Akzentsetzungen auffiel. Das Orchestre de Chambre de Lausanne folgte ihm tadellos und trumpfte mit sauberen Bläsersoli auf. Erwähnenswert auch die Herren des Chœur de l’Opéra de Lausanne, die meist als Eunuchen mit BH auftraten.
         Bemerkenswert waren die französischen Übertitel (deren Übersetzer sich aus unerfindlichen Gründen hinter einem anonymisierenden „R.V.“ versteckte), die nicht nur präzise der Wortfolge des gesungenen Textes folgten, sondern in dialogisierenden Passagen auch die Standorte der Sänger abbildeten und mithin die Dynamik des Bühnengeschehens mittrugen.
         Wer es noch schafft, dem können die zwei letzten Aufführungen vom 1. und 3. Dezember durchaus empfohlen werden.

Reto Müller (Besuchte Aufführung: 28. November 2010)

Vorabdruck aus «Mitteilungsblatt der Deutschen Rossini Gesellschaft»

19. Januar 2009

Dank an Marilyn Horne - Zu ihrem 75. Geburtstag!

Aktualisiert am 1. Februar 2009 (s. Nachtrag am Ende des Beitrags)
Im „Opernleben“ eines jeden Fans gibt es zwar viele Höhepunkte, aber nur selten das große Glück, bei einem ganz besonderen Ereignis dabei gewesen sein zu dürfen.

Für mich war der 8. März 1980 einer dieser beglückenden Tage: die Premiere von Rossinis L’italiana in Algeri an der Hamburgischen Staatsoper mit Marilyn Horne in der Titelpartie. Darauf hatte ich mich schon monatelang gefreut, hatte aber zu meinem Erstaunen auch feststellen müssen, dass kaum jemand meine Vorfreude teilte, - kaum jemand im Stammpublikum des 4. Rangs wusste überhaupt, wer Marilyn Horne war! Die Premiere der Italiana war auch nicht ausverkauft, danach war dann allerdings der Ansturm umso heftiger, und Marilyn Horne wurde auch in Hamburg zum großen Publikumsliebling.

Gespielt wurde die Ponnelle-Inszenierung der Mailänder Scala. Von der New Yorker Aufführungsserie dieser Produktion ist kürzlich eine DVD erschienen, bei YouTube sind diverse Ausschnitte (und auch sonst eine ganze Menge Videos mit Marilyn Horne) im Netz.

Hier der wohl etwas missglückte Versuch des Rezensenten der „Welt“, das Ereignis Marilyn Horne irgendwie in Worte zu fassen:

“Der Auftritt der Horne läßt zunächst vermuten, es sei der Intendanz gelungen, die Zarah Leander der mittleren Jahre für ‚Hallo Dolly’ zu gewinnen. Den Inhalt vor Augen, aber der ist ohnehin sinnlos, muß man befürchten, Lindoro, der Geliebte der ‚Italienerin’ habe sich beim Umzug von Mailand nach Hamburg einen echt italienischen Mama-Komplex zugezogen. Doch sehr bald wird man eines Besseren belehrt – und geht in die Knie vor Entzücken. Die Horne singt die Glanzpartie der Koloratur-Altistinnen mit einem geradezu luxuriösem Belcanto. Ihre Perlenketten des Ziergesangs funkeln wie Juwelen – the must of Marilyn Horne! -, und ihre darstellerische Pfiffigkeit, ihr echter ‚Mutterwitz’, übertrumpften die angestrengtesten Bemühungen ihrer Umgebung mit einem Fingerschnalzen. Ein ganz unglaubliches Ereignis: eine Primadonna, über die man nach Herzenslust lachen kann.“
Ich fasse mich kürzer: Es war sensationell! Technische Perfektion und Brillanz, die glücklicherweise auch heute noch anhand der zahlreichen Tondokumente bewundert werden können, verbunden mit einer entwaffnenden szenischen Präsenz!

Seinerzeit steckte die Rossini-Renaissance noch in den Kinderschuhen – insbesondere was die opera seria anbelangte. Und so war im Staatsopern-Magazin zum Hamburger Debüt von Marilyn Horne zu lesen, dass – neben der Isabella und der Rosina – „die Arsace aus Semiramis“ zu ihren besonders glänzenden Partien zählte. Terra incognita also auch für die Mitarbeiter der Dramaturgie der Hamburgischen Staatsoper! Mit Semiramide stand dann aber im Frühjahr 1983 endlich auch eine opera seria von Rossini auf dem Spielplan der Hamburgischen Staatsoper, natürlich mit Marilyn Horne in der Rolle des Arsace und einer auch ansonsten fulminanten Besetzung: Montserrat Caballé, Samuel Ramey und Francisco Araiza. Die konzertanten Aufführungen im Frühjahr 1983 waren ein derart sensationeller Erfolg, dass es im Frühjahr 1985 nochmals eine Serie gab, bei der in einer Vorstellung Chris Merritt den Idreno sang, – nach seiner Arie (er hatte in der gekürzten Fassung leider nur eine zu singen) trampelte sogar der Chor vor Begeisterung!

Unvergesslich auch die Hamburger Konzertauftritte von Marilyn Horne! Ich hatte das Glück, bei drei Konzerten dabei zu sein: Solo-Abend in der Hamburgischen Staatsoper am 28. April 1983, Festkonzert des NDR zum Europäischen Jahr der Musik in der Musikhalle am 7. Februar 1985 und Solo-Abend in der Musikhalle am 15. Mai 1986.

Marilyn Horne verstand es, ihr Publikum – mit Charme und mit direkter Ansprache – quasi um den kleinen Finger zu wickeln, und für die Ovationen bedankte sie sich mit einem Füllhorn voller Zugaben. Bei dem Solo-Abend in der Hamburgischen Staatsoper schien das Publikum überhaupt nicht gehen zu wollen, sogar die „Garderoben-Flitzer“ hielt es auf ihren Sitzen, und nach der fünften (oder gar schon sechsten?) Zugabe sagte Marilyn Horne: „Nun müssen Sie aber wirklich nach Hause gehen“ und sang noch das Wiegenlied „Guten Abend, gute Nacht…“. Und danach waren auch noch die zahlreichen Autogrammwünsche zu erfüllen!

Marilyn Horne und ihre Mitstreiter und Mitstreiterinnen haben erfolgreich bewiesen, wie schön und aufregend Belcantogesang sein kann, wenn er nach den Regeln der (Belcanto-)Kunst ausgeführt wird, und dass ihre Pionierarbeit auf fruchtbaren Boden gefallen ist, zeigt die Entwicklung der letzten Jahre, in denen zunehmend vergessene Belcanto-Opern wieder auf die Spielpläne gesetzt werden und junge Sängerinnen und Sänger das technische Rüstzeug erworben haben, um auch im Belcantofach erfolgreich Karriere machen zu können.

Auch nach Beendigung ihrer aktiven Bühnenlaufbahn ist Marilyn Horne über die von ihr vor 15 Jahren gegründete Marilyn Horne Foundation weiterhin in Sachen Belcanto aktiv. Am 18. Januar 2009 wurde der „doppelte“ Geburtstag mit einem Festkonzert in der Carnegie Hall begangen, von dem hoffentlich ein Mitschnitt veröffentlicht werden wird.

Danke, liebe Marilyn Horne, für die vielen schönen Stunden und für den großartigen Einsatz zur Wiederbelebung der Kunst des Belcanto!

Nachtrag: Bericht über die Gala "Celebrating Marilyn Horne" am 18. Januar 2009

6. November 2008

Neu auf CD und DVD (Teil 1)


CD Joyce DiDonato
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Händel-Arien aus Xerxes, Teseo, Giulio Cesare, Admeto, Hercules, Imeneo, Ariodante und Amadigi
Ausführliches Video zur CD „Furore“ bei
http://www.youtube.com/watch?v=T_KAnTzIRNE
CD Robert Crowe
Growe-CD

Der Amerikaner Robert Crowe gehört zu den ganz wenigen "Male Sopranos", die an die Aufführungspraxis des Barock anknüpfen, als es Frauen gänzlich untersagt war, in Kirchenräumen singend ihre Stimme zu erheben…..

http://www.br-online.de/bayern4klassik/cd-tipps/klassik-cd-carissimi-motetten-robert-crowe-ID1208268327709.xml
s. auch http://www.robertcrowe.com/

Gluck - Orphée et Euridice - Radio Canada 1961
Gluck - Orphée et Euridice - Radio Canada 1961
Mayr - David in spelunca Engaddi
Mayr - David in spelunca Engaddi
Pacini - Alessandro nell'Indie
Pacini - Alessandro nell'Indie
Florez CD
Arien & Duette von Bellini, Donizetti, Rossini
Juan Diego Florez, Anna Netrebko, Mariusz Kwiecien, Patricia Ciofi
Comunitat Valenciana Orchestra, Daniel Oren


kermes

Der Mozart-Zeitgenosse Joseph Martin Kraus wird längst nicht mehr als »Kleinmeister« gehandelt. Dass seine faszinierenden Solodramen en miniature aber bislang kaum beachtet wurden, dürfte seinen Grund in den halsbrecherischen Schwierigkeiten haben, mit denen Kraus diese Werke nur so gespickt hat. Er komponierte sie nämlich in seiner Eigenschaft als schwedischer Hofkomponist für die dortige Primadonna Fru Augusti, deren Stärke atemberaubende Koloraturen in Schwindel erregender Höhe waren. Simone Kermes steht ihrer berühmten Vorgängerin dabei in nichts nach. Ihre Virtuosität und Musikalität machen aus diesen vergessenen Kantaten musikalische Juwelen. (Textübernahme von jpc)

Turco Pesaro

CD: Rossini "Il turco in Italia"
(Pesaro 2007)

tell




italiana

DVD: Rossini
"L'italiana in Algeri"
(Aix-en-Provence 2006)

opera fanatic


DVD: OPERA FANATIC - A film by Jan Schmidt-Garre Featuring: Anita Cerquetti, Iris Adami Corradetti, Leyla Gencer, Fedora Barbieri, Marcella Pobbe, Giulietta Simionato, Magda Olivero, Carla Gavazzi, Gina Cigna, Gigliola Frazzoni, - Stefan Zucker

"We are living in an era of Barbie doll opera singers who look good and move well but lack expressiveness. What we need are singers with hair under their arms." (Stefan Zucker)


Bianca e Fernando

CD: Bellini "Bianca e Fernando"
Live-Mitschnitt vom Bellini-Festival
Catania 1991 - mit Gregory Kunde



inganno

CD: Rossini "L'inganno felice"
(Bad Wildbad 1. Juli 2005)




donna

CD: Rossini "La donna del lago"
(Bad Wildbad, November 2006)


gazza

DVD: Rossini "La gazza ladra"
(Pesaro 2007)




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"La Cenerentola" von den
Salzburger Festspielen 1988

Nicht neu, aber eine schöne Erinnerung an die
"Cenerentola" in Bremen in der Inszenierung von Michael Hampe





camb Cambiale CD

DVD / CD: Rossini
"La cambiale di matrimonio"
(
Pesaro 2006)

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CD: Max Emanuel Cencic singt Rossini-Arien
Mehr zur CD im Forum Opéra

Angriff der Unkastrierten
Von Kai Luehrs-Kaiser
Die Stimme des Countertenors Max Emanuel Cencic wird selbst von Stimmkennern für die einer Frau gehalten. Auf seinem neuen Solo-Album mit Rossini-Arien versucht er, Männerrollen zurückzuerobern, die sonst wirklich mit Damen besetzt werden…
... mehr unter www.spiegel.de/kultur

Hier ein Videolink zu Youtube:
Max Emanuel Cencic singt die Arie des Arsace aus “Semiramide”



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DVD: Rossini, La pietra del paragone (Paris 2007)
mehr in MusicWeb INTERNATIONAL





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Madrid 2007:
Dirigiert von Alberto Zedda -
Inszenierung von Pizzi aus Pesaro

Sämtliche CD/DVD-Tipps sind unter der Rubrik CD/DVD zu finden

Ein umfassendes Angebot an Opern auf CD und DVD - auch mit Hörproben - gibt es bei http://www.jpc.de/

24. Juli 2008

Rossinis "L´Italiana in Algeri" in Bad Wildbad, 2008

Wir erlebten eine Aufführung im Kurtheater Bad Wildbad mit einem überragenden Savio Sperandío als Mustafa. Mit seinem wohl tönenden Bass bewältigt er die schwierigsten Koloraturen und im Schnellgesang geht ihm keine Silbe verloren, wie man auch in der Pappataci-Aufführung am 19. Juli feststellen konnte. Auch darstellerisch war er ein Ereignis. Mit großer Delikatesse zeigte er, dass Mustafa nicht nur ein eitler und letztlich unsicherer Macho ist, sondern auch ein großherziger Verlierer, dem man schließlich sogar abnimmt, dass er die stolze Italienerin Isabella ziehen lassen kann und sein Herz für die ebenfalls gewandelt aus allen Verwicklungen hervorgehende orientalische Ehefrau Elvira wieder entdeckt. Neben allen „Verrückheiten“ dieses „albernen“ Stoffes steckt also mehr dahinter, nämlich eine allgemein gültige Analyse festgefahrener Beziehungen und „exotischer“ Versuchung. Nur Klamauk? Nein, damit wird man diesem Feuerwerk an Situationskomik und witzigen Einfällen nicht gerecht.

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Elsa Giannoulidou war eine dem Mustafa ebenbürtige Isabella, ihr Mezzosopran ließ keine Wünsche offen. Im roten Reisekostüm und später in ebenso rotem Kleid, entworfen von Claudia Möbius, beherrschte sie auch optisch mit koketter Noblesse die Bühne. Als strahlender Tenor mit ausdrucksvollem Liebesschmachten und perlenden Koloraturen glänzte an ihrer Seite Pablo Antonio Martín Reyes in der Rolle des Lindoro, des "Lieblingssklaven des Beys" Mustafa. Er ist Finalist bei Domingos im September stattfindender "Operalia" und war "Cover" für Florez beim letztjährigen Otello in Pesaro, gehört also bereits zu den Arrivierten. Isabellas Erziehungsversuchen auf dem Weg zur selbstbewussten Ehefrau fügte sich letztlich Ruth Gonzalez als bemitleidenswerte Elvira, die Gattin des Beys. Ihr heller Sopran ließ sogleich aufhorchen. Ihre hohen Töne erschienen mir zuweilen schrill. Dennoch war ich insgesamt mit der Wahl dieser flinken kleinen Sängerin zufrieden, weil sie stimmlich Jammer und Leid der verstoßenen Ehefrau des Mustafa auch in den Ensembleszenen unüberhörbar machte. Loriana Castellano in der Nebenrolle der Zulma gefiel mir außerordentlich, ich war jedes Mal betrübt, wenn ihr Auftritt vorbei war. Stefan Hagendorn als Haly, Kapitän der algerischen Korsaren (in der Inszenierung „Chef der Security“), war mir bereits aus Braunschweig bekannt, wo er in einer Cenerentola für Kinder sein Können bewies. Taddeo wurde tadellos von David Mc Ferrin gesungen. Ihn verschlug es als Isabellas Begleiter in das Reich des Bey Mustafa; er überzeugte mit flüssig perlenden Läufen und viel Spielwitz.

Das Dirigat des jungen Japaners Ryuichiro Sonoda, äußerlich ein ähnlicher Dirigententyp wie Fogliani (Otello), war sicher und überzeugend. Mit großer Sensibilität hatte er seine Leute im Orchester im Griff. Die Tempi waren zu Beginn behutsam, aber nicht lahm, Spannung wurde dann unaufhaltsam aufgebaut und nicht mehr fallen gelassen.

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Während die Personenregie die Verunsicherung der Protagonisten durch das teils unfreiwillige Aufeinanderprallen zweier Welten glaubhaft machte und den Sängern auch darstellerisch Differenzierungen abverlangte, gefielen mir Ausstattung und Bühnenbild nicht. Die Handlung spielte im ach so exotischen Dubai. Eine Damen-Putzkolonne war am Werk, im Hintergrund lief immer jemand herum und störte bei der Darbietung der schönsten Arien. Der Security-Chef prüfte und konfiszierte, und Männer in Pilotenanzügen trugen kleine Flugzeuge an Stecken über die Bühne, denn nach Dubai fliegt man bekanntlich und kommt nicht mit dem Schiff. Spätestens an dieser Stelle fühlte ich mich an Schülertheater erinnert. Schreiende unharmonische Farben, riesige rote Kissen, die umherfliegen, gebastelte Hüte, die nicht sitzen wollen und mit der Hand festgehalten werden müssen, viel Gerümpel auf der Bühne. Das störte einige mehr, andere weniger. Ich weiß allerdings von Besuchern, die auch an dem viel Vergnügen hatten, was zu sehen war.

Autorin: Astrid Fricke unter Mitwirkung von esg; besuchte Vorstellung am 16. Juli 2008

15. Juli 2008

Bad Wildbad aktuell


Quelle: http://www.der-neue-merker.eu/mod,content/id_content,1/id_menuitem,1


ROSSINI IN BAD WILDBAD: Otello ist weiss

Die dritte Jubiläums-Premiere des Festivals, Rossinis „Otello“, unter der musikalischen Leitung von Antonino Fogliani und in der Regie von Annette Hornbacher verspricht viele Überraschungen.Neben den Rollendebuts der beiden Hauptdarsteller Michael Spyres als Otello und Jessica Pratt als Desdemona ist es vor allem das Regiekonzept von Annette Hornbacher, das Spannung verspricht. In ihrer nunmehr sechsten Inszenierung einer Rossini-Oper beschäftigt sie sich mit dem Thema der Ausgrenzung. Sie versteht diese in vielfältiger Hinsicht und keineswegs an Rassismus und einen farbigen Otello gebunden.In ihrer Inszenierung lässt Hornbacher bewusst offen, in welcher Welt sich Otello bewegt. Sind die Venezianer eine reiche und kultivierte Patriziergesellschaft? Oder handelt es sich eher um eine mafiöse Halbwelt? Letzteres liegt nahe, da alle Figuren in der Oper in Machtintrigen verstrickt sind. Ist Otello also Befehlshaber eines idealen Staatengebildes – oder eher ein Söldner zwielichtiger Bosse?Eine Besonderheit der Rossini Oper besteht darin, dass Otello musikdramaturgisch schwächer gewichtet ist als Desdemona, deren differenzierte Gefühle und Leiden im Mittelpunkt von Rossinis Interesse stehen. Um Desdemonas Liebe ebenso wie den plötzlichen Hass Otellos plausibel zu machen, betont die Inszenierung daher, dass Otello wie Desdemona unter der systematischen Ausgrenzung aus der venezianischen Machtwelt leidet. Wie Desdemona, die von ihrem Vater für eine politisch einträgliche Heirat mit dem Sohn des Dogen vorgesehen ist, wird Otello zum Spielball der Mächtigen. Beide, Otello und Desdemona, sind Opfer einer von Intrigen und Machtspielen beherrschten Welt, in der Otello nur einen Trumpf hat: seine Überlegenheit als Kämpfer.Die Ausstattung liegt wie bei der „Italienerin in Dubai“ in den Händen der langjährigen Festival-Mitarbeiterin Claudia Möbius. Die Berliner Kostüm- und Modedesignerin hat seit 2002 mehr als 20 Produktionen in Wildbad verantwortlich betreut und gestaltet in ihrer vierten gemeinsamen Arbeit mit Annette Hornbacher die prägnanten Kostüme. Der junge Berliner Bühnenbildner Anton Lukas zeichnet für den in seiner Kargheit überzeugenden Unterweltsraum verantwortlich, der Hannoveraner Lichtdesigner Markus Knoblich sorgt für die bewusst spärliche, stimmungsvolle Beleuchtung.Zitate zu „Otello“ aus Rossinis BriefenAzione interessantissima // Spannende Handlung (21. Mai 1816)Sto travagliando nell’Otello, cosa difficile ma sicuro d’effetto (08. Okt 1816)Ich schlage mich mit ‘Otello’ herum, ein schwieriger aber effektvoller Stoffca capo d’opera – una cosa tanto classica (09. Dez 1816, über die Uraufführung)Ein Meisterwerk – eine klassische Sache.


Festival „Rossini in Wildbad“ mit Pacini-Rarität: “DON GIOVANNI" von Giovanni Pacini (Vorstellung am 12. 7. 2008)

Das 20. Belcanto Opera Festival „Rossini in Wildbad“ brachte auch heuer wieder eine bemerkenswerte Rarität: „Don Giovanni ossia Il convitato di pietra“ von Giovanni Pacini (1796 – 1867), dessen Uraufführung im Jahr 1832 in privatem Rahmen in der Casa Belluomini in Viareggio erfolgte. Wohl auch deshalb, weil Pacinis Schwester Claudia seit 1823 mit Antonio Belluomini verheiratet war, der später der Arzt der legendären Sängerin Maria Malibran wurde. Da nicht bekannt ist, ob es seither jemals eine Aufführung dieser Oper gab, könnte die Premieren-Vorstellung im Kurtheater von Bad Wildbad am 4. Juli die erste öffentliche Aufführung gewesen sein. Allein unter diesem Aspekt muss die Idee der Festspielleitung – die künstlerische Leitung liegt in den Händen von Jochen Schönleber –, dieses außerhalb Italiens völlig unbekannte Werk szenisch aufzuführen, gewürdigt werden. Wenn dann noch die musikalische Qualität stimmt, wie in Bad Wildbad, darf von einer kleinen Opernsensation gesprochen werden.

Pacini, der von seinen Zeitgenossen sehr geschätzt wurde – seine reiche Erfindungsgabe und melodische Kraft brachten ihm den Beinamen „maestro della cabaletta“ ein –, schrieb anfangs im Stil der Opera buffa Rossinis, später im Stil Bellinis. Und beide Komponisten sind aus der Partitur des „Don Giovanni“, die virtuosen Belcanto-Gesang höchster Güte erfordert, herauszuhören. Der Librettist dieses Werks ist unbekannt, der Inhalt der Oper mit jener von Mozart fast identisch. Nur dass Don Giovannis Diener nicht Leporello, sondern Ficcanaso heißt, keine Donna Elvira vorkommt und die Stimmlagen mancher Personen anders sind. So ist beispielsweise Don Giovanni ein Tenor und Donna Anna ein Mezzosopran.

Die Inszenierung von Anke Rauthmann lässt die Oper in der Sommerresidenz einer italienischen Familie spielen, wobei fast alle Darsteller Mitglieder dieser Familie sind: der Vater als Oberhaupt spielt den Diener Ficcanaso, der Sohn den Don Giovanni, seine Ehefrau Donna Anna. Ein Freund der Familie wird als Duca Ottavio ins Spiel geholt, dessen Schwester ist die junge Braut Zerlina, ihr Freund Masetto. Im Verlauf der Vorstellung vermischen sich Spiel und Realität, die Grenze zwischen Theaterrollen und dem Familienleben verschwimmen, alle Beteiligten erfahren etwas über sich selbst …

Für die Bühne des ehemals Königlichen Kurtheaters Bad Wildbad (ein bauliches Kleinod) zeichnete Britta Blanke verantwortlich. Es gelang ihr mit einfachen Mitteln, die Atmosphäre einer Sommerresidenz einer italienischen Familie einzufangen, die modernen Kostüme entwarf Claudia Möbius.

Leonardo Cortellazzi in der Titelrolle überzeugte durch südländische Verführungskünste, wobei ihm sein einschmeichelnder, angenehm klingender Tenor sehr zustatten kam. Als sein Diener forcierte Giulio Mastrototaro seinen kräftigen Bassbariton zu stark, was sich in dem kleinen Haus eher ungünstig auswirkte. Bravourös die junge schmächtige Zinovia-Maria Zafeiriadou als Zerlina, die nicht nur bezaubernd aussah, sondern ihre Rolle schauspielerisch und gesanglich hervorragend meisterte. Ihr heller Sopran perlte höhensicher, ohne je schrill zu werden und übertraf in den Ensembleszenen alle anderen Protagonisten. Mit Recht erhielt sie einige „Brava-Rufe“. Hier reift eine Sängerin heran, der man eine Karriere auch an größeren Häusern voraussagen kann. Geraldine Chauvet als Donna Anna hatte es da nicht leicht, bewältigte aber ihre Rolle und ihre Arien gut. Überzeugend Ugo Guagliardo, der den eifersüchtigen Masetto blendend spielte und mit tiefem, wohlklingendem Bass sang. Dazu gab er noch die in dieser Inszenierung veränderte Rolle des Commendatore, der von Don Giovanni nicht getötet, sondern „bloß“ verletzt wird, ihn aber dennoch zur Hölle wünscht. Giorgio Trucco als Duca Ottavio blieb trotz guter Stimme ein wenig farblos. Köstlich hingegen Kornelia Gocalek als Hausmädchen und Krankenschwester, die bei einem Wettbewerb für Theaterschulen in Moskau den Preis für die „beste körperliche Performance“ erhielt. Eine mit Sicherheit verdiente Auszeichnung. In einer Opernvorstellung zwei stumme Rollen so überzeugend und witzig zu spielen, hat Seltenheitswert! Der Philharmonische Chor Transilvania Cluj (Leiter: Cornel Groza) rundete die guten Leistungen des gesamten Ensembles ab.

Die Leitung des Südwestdeutschen Kammerorchesters Pforzheim hatte Daniele Ferrari inne, der dieses musikalische Kammerwerk wie große Oper spielen ließ. Oftmaliger Szenenapplaus und viele Bravi-Rufe für die Sängerinnen und Sänger sowie den Dirigenten zeigten, wie sehr das Publikum von der Vorstellung begeistert war. Vom Rezensenten ein „Bravo!“ für die Festspielleitung, diese musikalische Kostbarkeit ausgegraben zu haben.

Udo Pacolt, Wien – München


Rossini in Wildbad : „L’ITALIANA IN ALGERI“ in konzertanter Vollendung 5.7.2008

Im 20. Jahr seines Bestehens startete das Festival im Nordschwarzwald mit einem wahren Paukenschlag. Maestro Alberto Zedda (in der Februar-Ausgabe anlässlich seines 80. Geburtstags ausführlich gewürdigt) trat neben einigen halbszenischen Produktionen nach „La Cenerentola“ und „La donna del lago“ zum dritten Mal ans Pult für eine konzertante Aufführung, die nur durch den Aufhänger für einen CD-Mitschnitt mit einer hochkarätigen und den Etat des Festivals sprengen würdenden Besetzung möglich ist und landete damit wieder einen Triumph des moussierenden Rossini-Witzes. Bei einem solchen Vollblut-Musiker wird kein Bühnenbild und kein Kostümaufwand benötigt, um eine Handlung und ihre Situationen zu verorten. Zumal wenn es sich um eine Buffa dreht, bei der entsprechende Sänger auch hinter ihren Notenpulten dem Drang zum Spielen oder zumindest zum mimischen Kontakt kaum widerstehen können. Was sich an diesem Abend auf der kleinen Bühne an vis comica, an gegenseitigem Bälle-Zuwerfen abspielte, steigerte die ohnehin schon jubelnswerte musikalische Komponente zum vollendeten Musiktheater. Übertitel wären somit selbst für kein Wort Italienisch verstehende Besucher überflüssig gewesen, die Deutlichkeit der körpersprachlichen Details überbrückte jede Verständnis-Barriere.
An der Spitze der Solisten stand Marianna Pizzolato in der Titelrolle mit einer Stimme, die vom Kontraalt über den sinnlich dunklen Mezzo bis zur fast hell sopranigen Höhe gleich mehrere Stimmfächer in sich vereinigt und damit der Partie der Isabella in jeglicher Lage voll gewachsen ist. Weit gespanntes Legato, flexibles Parlando, locker attackierende Koloratur – alles scheint dieser dazuhin mit aparter fraulicher Ausstrahlung, Charme und Witz gesegneten Künstlerin spielerisch ohne störende Gangschaltungen zu entströmen. Daß sie alle diese Vorzüge nicht nur für ihr eigenes Wirken nutzt, sondern sich bei der ersten Begegnung mit Mustafa ihrerseits geschmeichelt fühlt, zeigt ihre gestalterische Fähigkeit, dürfte aber auch an der humorvoll sympathischen Präsenz von Lorenzo Regazzo als Bey von Algier liegen. Der schon mehrfach in Bad Wildbad zu Gast gewesene Koloratur-Baßbariton mit einer ausgeglichen runden und fülligen Tongebung vom Keller bis zum Dach lebt die Rolle in jeder Phase seines pointenreichen Mienenspiels und seiner spontanen Reaktionen auf die Partner. Kaum zu glauben, dass sich dieser so großsprecherisch aufplusternde Renegat letztlich als Pappataci außer Gefecht setzen läßt. Eine ebenso prall lebendige Charakterstudie gibt der hauptsächlich auf die Opera buffa spezialisierte Neapolitaner Bruno De Simone als Taddeo. Kein Jammerlappen, kein Trottel, sondern ein feinsinniger, gewitzter Mann, wenn auch verzweifelnd doch Herr der Lage, steht da auf der Bühne und erschließt dieser gerne lächerlich gezeichneten Figur eine ganz neue Dimension. Die Durchsetzungskraft seines kernigen und akkurat aussingenden Organs unterstützt dies noch in vokaler Hinsicht.
Der ziemlich schnell bekannt gewordene amerikanische Tenor Lawrence Brownlee rechtfertigte den ihm vorausgeeilten Ruf durch seine außergewöhnlich dunkel grundierte, präzise geführte Stimme, für die schnelle Fiorituren und die berüchtigt exaltierten Höhen kein Problem darstellen und die fähig ist, alles Extreme natürlich in die Melodielinie miteinzubinden. Sein Lindoro klebte zwar gelegentlich etwas mehr an den Noten, ließ sich aber durch die Ausgelassenheit seiner Mitstreiter schließlich auf ein freieres und den Spaß mittragendes Agieren ein.
Giulio Mastrototaro umreißt den algerischen Korsarenkapitän Haly in der Kürze seiner Rezitative und seiner über die Frauen Italiens Ressumée ziehenden Kavatine auf ebenso prägnante wie trocken komische Weise.
Ruth Gonzalez kleiner, aber durchsetzungsfähiger und das Stretta-Finale des 1.Aktes gar so volltönend übersingender Sopran, dass sich der neben ihr stehende Regazzo (Mustafa) bei der als Zugabe erfolgten Wiederholung erschrocken die Ohren zuhält, ist als Elvira ein kleines Temperamentsbündel, das es dem Bey bestimmt nicht leicht gemacht haben dürfte, andererseits diesen letztlich doch glücklich stimmen sollte, zu einer solch lebenslustigen Frau wieder zurückzukehren. Elsa Giannoulidou stand ihr mit angenehm klingendem Mezzo als Zulma hilfreich zur Seite.
Mit dem Philharmonischen Chor Transilvania Cluj hatten die Veranstalter diesmal eine besonders klangvolle Sängervereinigung engagiert, deren dynamische Flexibilität an lauter erfahrene Solisten denken ließ.
Noch einmal zurück zu Alberto Zedda: diesmal profitierten die sich ganz schnell frei spielenden Virtuosi Brunensis von seinem pfiffigen Zugriff, dem Auskosten kleiner solistischer Akzente, dem mit einem überraschend plötzlichen Kick angetriebenen Rädchen des An- und Abschwellens, des bei aller Ausgelassenheit kontrollierten Ineinandergreifens von Rhythmus und Melodie.
Allen trübsinnigen, depressiven oder schwarzsehenden Zeitgenossen kann diese Medizin nur empfohlen werden. Denjenigen, die nach der Aufführung noch Gaumenfreuden von Sternekoch Harald Wohlfahrt bei einem Rossini-Diner genossen haben, dürften die Köstlichkeiten wie Champagner durch den Magen gegangen sein.
Alles in allem: ein Freudenfest dies- und jenseits des Podiums.

Udo Klebes

9. Mai 2008

Vorschau auf Rossini in Wildbad 2008 - L'italiana in Algeri

Isabellas Abflug nach Dubai

Thorsten Kreissig freut sich, auf seine nächste Produktion hinweisen zu dürfen: Am Freitag, den 11. Juli 08 wird sich der Vorhang für seine Inszenierung von Rossinis „Italienerin in Algier“ beim Rossini-Festival in Bad Wildbad öffnen. Die Jubiläumsspielzeit des seit 20 Jahren erfolgreichen Rossini-Festivals im Schwarzwald steht 2008 unter dem Thema „Wahrnehmung des Fremden“. Angesiedelt in der arabischen Metropole Dubai mit ihren grandiosen Architekturprojekten wird aus Rossinis erster abendfüllender Buffa so ein brandaktuelles Stück, das eine durchaus kritisch-humorvolle Reflektion nicht nur über die westliche Perspektive auf den Orient ermöglicht.
Weitere Informationen finden Sie auf www.kreissig.net oder www.rossini-in-wildbad.de

Quelle: http://www.der-neue-merker.eu/ - Aktuelles

14. Februar 2008

Ein superbes Opern-Wochenende


Es berichten Ira und Dieter:

Liebe Rossini-Freunde,

Sonne satt, Oper satt - so könnte man das frühlingshafte und heitere letzte Wochenende bei uns betiteln.

Freitag, 8.2., sind wir nach Köln gedüst zur Italienerin in Algier. In erster Linie der Ponnelle-Inszenierung wegen, die uns denn auch nicht enttäuscht hat. Sie war wirklich faszinierend, wunderschön, sehr differenziert auf den Text abgestimmt, ästhetisch, stringent. Dabei zwar realistisch, aber artifiziell in der Darstellungsweise. Die Sängerin der Isabella (Viola Zimmermann) war leider "blass, dünn, mickrig" bei Stimme, dies umso deutlicher, als Lindoro (Javier Camarena) einfach toll sang, glänzte und kontrastierte. Die Personenregie war absolut modern, alle psychologischen Momente wurden ausgespielt. Chor gut, Gürzenich-Orchester (Enrico Delamboye) gut, Stimmung gut. Fotogalerie zur Italiana in Köln

Samstag, 9.2., dann auf nach Lüttich, Heimliche Ehe von Cimarosa. Die Inszenierung war im Stil naturalistisch, hatte aber durchaus Anklänge an Ponnelle, allerdings ästhetisch nicht so stilisiert, sondern bodenständiger. Die szenischen Andeutungen interpretierten präzise und phantasievoll den Inhalt, so dass man vieles mühelos verstehen konnte, ohne die italienische Sprache zu können (es gab aber, wie immer, deutsche Untertitel). Überhaupt harmonierte die Inszenierung hervorragend mit dem Ambiente des Lütticher Opernhauses. Alle Sänger waren sehr, sehr gut, wirklich ausnahmslos. Es gab am Ende einen absolut ungewöhnlich langen Applaus mit rhythmischem Klatschen des begeisterten Publikums.

Sonntag, 10.2., ging es zum Abschluss nach Gelsenkirchen ins MiR zu Donizettis "Belagerung von Calais". Auch dieser Abend wurde ein Highlight, genau wie die erste Aufführung vor einer Woche. Da haben die Gelsenkirchener wirklich eine musikalische Perle ausgegraben. Die Aufführung war konzertant und wurde nur zweimal präsentiert. Donizetti hatte diese Oper 1836 für Neapel geschrieben und dort auch uraufgeführt. Als er dann nach Paris übersiedeln wollte, hat er sie sich des Themas wegen als Einstand dort ausgesucht und insbesondere in der Orchestrierung sorgfältig überarbeitet. Das MiR hatte seine besten Sänger an die Front geschickt. Insbesondere schlug sich unser Mitglied Anna Agathonos bravurös und lieferte zusammen mit Claudia Braun faszinierende Duette ab. Auch die beiden Bass-Baritone, Christian Helmer als Bürgermeister von Calais und Melith Tepretmez als König Eduard, waren hervorragend. Chor und Orchester unter dem Dirigat von Bernhard Stengel liefen zur Höchstform auf. Mit dieser Aufführung konnte das MiR den dürftigen Comte Ory im November 2007 mehr als wettmachen.