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26. November 2010

Juan Diego Flórez in der Essener Philharmonie

Groooße Erwartungen - und noch größere Enttäuschung gestern Abend beim Flórez-Konzert in der weitgehend ausverkauften Essener Philharmonie. Die ersten dunklen Ahnungen kamen auf, als der Dirigent launig ankündigte, das Publikum möge seine Programmhefte getrost zur Seite legen, das Programm sei nämlich komplett umgestellt worden. Eine Begründung dafür gab er nicht.

Flórez vermied dann an diesem Abend konsequent alles, was irgendwie schwierig zu singen ist. Keine Rodrigo-Arie aus Rossinis "Otello", kein Qui tollis aus Rossinis "Messa di Gloria", keine Arie des Georges aus "La Dame Blanche" von Boieldieu, die im Programm standen. Dafür brachte er die drei Herzogsarien aus Verdis "Rigoletto", die Arie des Paolino aus Cimarosas "Il Matrimonio segreto", dann "Roméo et Juliette" von Gounod und den Tenorerguss aus "Un Giorno di Regno" von Verdi. Als Zugabe sang er das letzte Drittel aus der Tonio-Arie der "Fille du Régiment" von Donizetti, natürlich nach unten transponiert. Um einigermaßen auf zwei Stunden Konzertzeit zu kommen, wurden seine Auftritte jeweils durch Ouvertüren gestreckt.

Das war's. Für 115 Euro Spitzenpreis. Trotzdem war der Applaus recht gut, da das Vorgetragene achtbar klang und das wahre Können des Tenors erkennen ließ. Eine Gruppe Peruaner schwenkte die Landesfahne und applaudierte besonders herzlich. Bezeichnend war, dass sich nach der Pause ein Sprecher des Hauses an  das Publikum wandte mit der Bitte, Ton- und Videomitschnitte doch zu unterlassen, Herr Flórez bäte darum. Vielleicht wollte Herr Flórez Zeugnisse dieses Konzertes verhindern? Ob er indisponiert war? Wir können es nur vermuten.

Dieter Kalinka (besuchtes Konzert am 25.11.2010)

PS: Soeben erfahren wir von Freunden aus Frankfurt, dass es ihnen im dortigen Flórez-Konzert ähnlich ergangen ist. Hier der Link zu einem entsprechenden Artikel in op-online.de.

16. Oktober 2010

Abschied von Dame Joan Sutherland

Joan Sutherland 1926 - 2010
Foto: © Decca/V. Tony Hauser in Klassikakzente
Eine der größten Sängerinnen des vergangenen Jahrhunderts, Dame Joan Sutherland - La Stupenda, die Fabelhafte -, starb am 10. Oktober in Genf. "Ihr Hauptverdienst bleibt nach Ansicht der Kritiker die Wiederentdeckung der Belcanto-Opern des 18. und 19. Jahrhunderts" (FAZ). 

Joan Sutherland bei der Verleihung des Preises "Echo Klassik 2001"
Foto: dpa
Rossinifreunde und Belcantoliebhaber hatten anläßlich des Belcanto Opera Festivals "Rossini in Wildbad" am 2. Juli 2005 Gelegenheit, Joan Sutherland als Gast zu erleben. Der Intendant des Festivals, Jochen Schönleber, schreibt in seiner Würdigung "Die Sängerin, die wie keine andere den reinen Belcanto wieder zum Leben erweckt hatte, war als freundlicher Gast bei unserem jungen Festival erschienen und hatte in purem Wohlwollen für unsere bescheidene Arbeit die Wiedereröffnung des Kurtheaters als Schirmherrin geadelt". Zum Beitrag von J. Schönleber

Gala-Konzert zur Verleihung des "ECHO Klassik 2010" im ZDF am Sonntag, den 17. 10. 22 Uhr

Aus der ZDF-Programmvorschau:

"Mit dem "ECHO Klassik" ehrt die Deutsche Phono-Akademie, das Kulturinstitut des Bundesverbandes Musikindustrie, herausragende und erfolgreiche CD-Einspielungen.

Der "ECHO Klassik" wird von einer Jury vergeben, die ihr Urteil sowohl nach künstlerischer Qualität als auch nach Verkaufserfolg fällt. Die Vergabe des "ECHO Klassik" spiegelt damit nicht nur die Meinung von Kritikern wider, sondern auch die Wertschätzung durch Musikkäufer. Die "ECHO"-Preisträger wurden Anfang Juli von einer Jury ermittelt, die sich aus Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Medien und dem Arbeitskreis Klassik des Bundesverbandes Musikindustrie zusammensetzte".

Die mitwirkenden Preisträger:

Sängerin des Jahres:
Joyce DiDonato (Mezzosopran)

Operneinspielung des Jahres:

Liedeinspielung des Jahres:

Nachwuchskünstlerin des Jahres:

Sänger des Jahres:

Bestseller des Jahres:

Instrumentalist des Jahres:
Lang Lang (Klavier)

Nachwuchskünstlerin des Jahres:
Alice Sara Ott (Klavier)
Olga Scheps (Klavier)

Würdigung des Lebenswerks:

Klassik ohne Grenzen:
Fauré Quartett (Streichquartett)

Ensemble des Jahres:

Essener Philharmoniker
Musikalische Leitung:
Andrey Boreyko

12. Juli 2010

Herzlichen Glückwunsch! - Nicolai Gedda zum 85. Geburtstag

Vor fast fünfzig Jahren habe ich ihm schon einmal zum Geburtstag gratuliert, - damals noch per Post, und die schwärmerische Schülerin, die gerade das Wunderreich von Oper und Klassik betreten hatte, bekam ein nettes Dankeschön:



Kaum hatte mein “Opernleben” begonnen, das mich auch sehr bald in Konzerte und Liederabende führte, hatte ich das große Glück, am 1. November 1960 zum ersten Mal Nicolai Gedda in der Hamburger Musikhalle zu erleben. Ich glaube, es war auch sein erster Auftritt in Hamburg, und die Presse machte seinerzeit viel Aufhebens. In meinem Tagebuch klebt ein Zeitungsausschnitt mit einem Foto Geddas neben zwei Werftarbeitern: “Konzertprobe vor dem Schneidbrenner - Gedda singt auf der Werft, doch der Schneidbrenner ist stärker - Der Hamburger Sängerkrieg - Nach Mario del Monaco heute Nicolai Gedda“.

Welch ein absurder Vergleich! Ich war sofort fasziniert von diesem innigen Tenorgesang Geddas. Das Taschengeld wurde umgehend in eine teure LP mit Mozartarien investiert, - unzählige Male gespielt (und zum Leidwesen meiner Mutter oft auch mitgesungen, kaum war ich aus der Schule nach Hause gekommen), alle Phrasen noch heute im Ohr und für mich immer noch ein Wunder an beglückendem Mozartgesang.

Mit dem Postillon von Lonjumeau hatte Geddas Karriere begonnen, die ihn kometenhaft schnell von Stockholm an die Scala di Milano und danach an alle großen Opernhäuser der Welt führte.



Französisches, russisches, deutsches und italienisches Opernrepertoire, Lieder und geistliche Werke, auch die Operette - eine immense Diskographie und die Videos bei YouTube bezeugen Geddas stets stilsichere Vielseitigkeit.

Beispielhaft insbesondere auch seine Interpretation der Arie des Lenski aus Eugen Onegin, unvergleichlich bewegend gesungen in der Nachfolge der großen russischen Tenöre - zuletzt Sergej Lemeshev und Ivan Koslovski - unter Einsatz der Stilelemente einer dort lebendig gebliebenen Belcantotradition, wie man diese Szene heutzutage auch nicht annähernd mehr zu hören bekommt (mir fällt da als bemerkenswert stilsichere Ausnahme eigentlich nur der australische Tenor Steve Davislim bei einem Auftritt 2007 in der Hamburgischen Staatsoper ein).


In den folgenden Jahrzehnten hatte ich noch häufiger das Glück, Nicolai Gedda in Hamburg zu hören: mehrere Liederabende, Verdis Messa da Requiem, ein Gala-Konzert mit Opernarien, mit dem Don Kosaken Chor ein wunderbares Galakonzert zur Erinnerung an Serge Jaroff und (in dem akustisch schrecklichen CCH) in einer Tournee-Inszenierung von Lehars Das Land des Lächelns. In einer Opernaufführung auf der Bühne der Hamburgischen Staatsoper hat er meines Wissens nur als Tamino in Mozarts Zauberflöte gastiert; diese Hamburger Inszenierung von 1971 mit Gedda, Mathis, Deutekom, Sotin, Workman, Grundheber unter Horst Stein wurde vom NDR für das Fernsehen im Studio nachproduziert und ist jetzt auf DVD veröffentlicht:




Sein letzter Auftritt in Hamburg war sein Solo-Abend in der Hamburgischen Staatsoper am 19. Januar 1998, bei dem er noch einmal mit seiner großartigen Gesangskultur beglückte.

1998 erschien seine Autobiographie. In der Folgezeit hat er dann als Lehrer sein Wissen weitergegeben...



...und auch jetzt als nunmehr alter Herr ist er noch aktiv, - hier ein Foto aus dem Jahr 2008 mit seinem Schüler Stefan Heibach (der diese Spielzeit in Schwerin als sehr bemerkenswerter Lyonel in Flotows “Martha” zu hören war):


"Heute fühle ich mit meinen fast 75 Jahren ein ungeheures Glück, wenn ich morgens erwache und die Vögel draußen im Garten singen höre, wenn ich aufstehen und immer noch gesund und munter sein kann. Ich bin dankbar für jeden Morgen, an dem ich aufwache und meine Lebensgefährtin singen höre, wenn sie in den Zimmern umhergeht und sich zu schaffen macht. Ich begreife, daß man nicht in gleicher Weise wie früher etwas ersehnen kann, das in der Zukunft geschehen wird, da ich mir bewußt bin, daß die Zukunft dasselbe ist, wie ein Tag näher dem unausweichlichen Ende. Man kann nur demütig auf noch einen sonnigen Tag, vielleicht auf noch einen Frühling hoffen."
Seit diesen Schlussworten Geddas in seiner Autobiographie sind nun bereits über zehn Jahre vergangen. Am 11. Juli 2010 vollendete Nicolai Gedda sein 85. Lebensjahr. Für das neue Lebensjahr die besten Wünsche und Freude an den noch kommenden sonnigen Tagen!

Per sempre addio - Cesare Siepi (1923 - 2010)


Grandezza in Stimme und Erscheinung, das war Cesare Siepi, der am 5. Juli 2010 im Alter von 87 Jahren verstorben ist.

Er war einer der großen Bassisten des 20. Jahrhunderts und der unbestrittene Nachfolger der beiden berühmten Don Giovanni-Interpreten des 20. Jahrhunderts - Francisco d’Andrade (1859 - 1921, von Max Slevogt mehrfach porträtiert) und Ezio Pinza (1892 - 1957). Cesare Siepis Don Giovanni bei den Salzburger Festspielen 1953 unter Furtwängler ist durch die Fernsehaufzeichnung auch den heutigen Opernfreunden gegenwärtig.


Zahlreiche Gesamtaufnahmen und Live-Mitschnitte zeigen die große Spannweite seines Repertoires. Legendär sind seine Mozartaufnahmen: Don Giovanni unter Josef Krips und Le nozze di Figaro unter Erich Kleiber, beide aus dem Jahre 1955.

An der Metropolitan Opera New York sang er vom 6. November 1950 (Debut als König Philipp in Giuseppe Verdis Don Carlo) bis zu seiner dort letzten Vorstellung am 19. April 1973 in rund 490 Vorstellungen: u. a. Modest Mussorgskijs Boris Godunow, den Gurnemanz in Richard Wagners Parsifal, den Grafen Rodolfo in Vincenzo Bellinis La sonnambula und den Mephistopheles in Charles Gounods Oper Faust.

Von Rossinis Mosè gibt es einen Mitschnitt vom 8. Januar 1974 aus Venedig mit Cesare Siepi in der Titelpartie. Komische Partien finden sich kaum im Repertoire dieses eleganten und eher würdevollen Sängers, - aber hier ist er als Rossinis Don Basilio (1952):



Eleganz und Würde - diese Eindrücke prägen auch die Erinnerung an seinen Auftritt an der Hamburgischen Staatsoper im Frühjahr 1981, als er in einer konzertanten Aufführung von Verdis Ernani die Partie des Don Ruy Gomez de Silva, grande di Spagna, sang.

Cesare Siepi, der unvergessliche basso cantante, hier noch einmal in der Rolle seines Lebens (Lugano 1985):


22. Juni 2010

Persönliche Erinnerungen an Giuseppe Taddei


Kurz vor seinem 94. Geburtstag ist Giuseppe Taddei am 2. Juni 2010 verstorben. In den Zeitungen vielfach nur eine kleine Notiz, - wer ihn auf der Bühne hat erleben dürfen, weiß, dass ein ganz Großer seinen Lebensweg vollendet hat. Sechs Jahrzehnte lang hat er seinem Publikum unvergessliche Erinnerungen geschenkt, die Bühne ließ ihn nicht los, und so erklärte er sogar einmal den Rücktritt vom Rücktritt und war wieder da.

Zum Weinen schön - mit Maria Callas in Verdis „La Traviata“,
1951 in Mexico City:



Sein Repertoire umfasste nicht nur alle großen Baritonpartien von Verdi und Puccini, sondern beispielsweise auch Partien wie Mozarts Figaro und Papageno, Rossinis Figaro und Don Magnifico und sogar Wagners Hans Sachs (in italienischer Sprache, 1962 RAI Torino).

Etwa 150 Partien sollen es gewesen sein, bis er 1995 nach einer großen Karriere an allen bedeutenden Opernhäusern der Welt seinen Abschied von der Bühne nahm. 2006 erschienen seine Erinnerungen unter dem Titel „Ich, Falstaff“. Mehr zu Giuseppe Taddeis Leben und Wirken bei Wikipedia und hier. 

Mitreißend fröhlich - Dulcamara in Donizettis „L’elisir d’amore“:



Besonders verbunden war er der Wiener Staatsoper, wo ich ihn 1982 als Michele in Puccinis „Il tabarro“ erleben durfte. In den frühen 1980er Jahren war er aber glücklicherweise auch des Öfteren Gast auf der Bühne der Hamburgischen Staatsoper. Mit großer Bühnenpräsenz und differenzierter stimmlicher Gestaltung gab er jeder Rolle seinen persönlichen Stempel: Unvergesslich sein Porträt des fiesen Barons Scarpia, der Tosca das Leben zur Hölle macht, immer wieder ein Ereignis sein pfiffiger Dulcamara - hinreißend im Zusammenspiel mit Kathleen Battle - in Donizettis „L’elisir d’amore“ und grandios als Rossinis „Guglielmo Tell“.

Besonders denkwürdig wurde eine der (konzertanten) Tell-Aufführungen aber nicht nur wegen der herausragenden musikalischen Darbietungen, sondern auch wegen eines besonderen Vorfalls, und ich bin sicher, dass nur der beruhigende Einfluss Taddeis den vorzeitigen Abbruch der Vorstellung verhindert hat. Was war geschehen? Gleich im ersten Akt im Duett Tell – Arnold verpasste Franco Bonisolli einen Einsatz und verließ schnurstracks die Bühne, als der Dirigent trotz heftigen Winkens weiter spielen ließ. Taddei sang das Duett alleine weiter, der Dirigent nahm die Tenorpassagen extrem schnell und sang auch mal einige Takte, - und dann folgten Dirigent und Solisten eiligst dem verschwundenen Tenor. Ratlos zurück blieben Publikum, Orchester und Chor, - es war die Zeit der Intendanz „Dochnieda“ ( v. Dóhnanyi), und als nichts geschah, machte sich schließlich der Konzertmeister auf den Weg und verkündete nach einigen Minuten, dass jetzt erst mal Pause wäre. Die zog sich hin. Als dann alle wieder Platz genommen hatten (und erleichtert auf der Bühne Orchester und Chor sitzen sahen), verkündete ein junger Mann, dass Herr Bonisolli sich aufgrund des Temperaturunterschiedes zwischen Garderobe und Bühne indisponiert gefühlt habe, man möge ihn freundlich empfangen. Dann der wohl durchdachte Einzug der Solisten, allen voran Giuseppe Taddei – mit Bravorufen begrüßt - wie ein Schutzschild vor Bonisolli, dessen Erscheinen allerdings einen Buh-Orkan insbesondere von den oberen Rängen auslöste, was wiederum zu lautstarken Auseinandersetzungen und gegenseitigen Beschimpfungen innerhalb des Publikums führte. Giuseppe Taddei stand da wie der Fels in der Brandung, von allen Seiten besorgte Blicke auf Bonisolli, ob er die Nerven behält, - bis dann vom vierten Rang mit Donnerstimme der Ruf „Ruhe“ ertönte, die auch sofort eintrat. Es wurde dann eine der besten Tell-Aufführungen, das Duett wurde allerdings nicht wiederholt.

Giuseppe Taddei – ein großer Sänger und eine große Persönlichkeit – bleibt unvergessen.

There used to be a saying in Italy: “We gave the rest of the world Tito Gobbi, but we kept Giuseppe Taddei for ourselves.” s. Times 5.6.2010


Giuseppe Taddei 2006 bei der Vorstellung seines Buches 

14. Dezember 2009

Montserrat Caballé in Bremen


Dieter berichtet über den Liederabend von Montserrat Caballé am 12. Dezember 2009 in Bremen

„Ich bin keine Primadonna…………….“ Mit diesem viel zitierten Ausspruch leitete die Diva vor etlichen Jahren - angesichts unüberhörbarer, altersgemäßer Vokalprobleme - die Restvermarktung ihrer Persönlichkeit ein. Es folgten unsägliche ,,cross over"- Ausflüge (z. B. mit Freddie Mercury), die ihr gewisse Popularität bei der breiten Masse der Nicht-Opernfans bescherte; der letzte ,,Coup" war die peinliche Einlage in einer Inszenierung von Donizettis „Regimentstochter" in Wien.

Nun also dieses Recital im „Theater am Goetheplatz" mit nostalgischen Anklängen an ihr erstes (deutsches) Engagement vor 50 Jahren. Auf dem Programm standen Lieder von Puccini, Leoncavallo, Niedermeyer, Catalani und Gounod sowie anschließend Ausschnitte aus Zarzuelas. Als einzige Opernarie stand im Programmheft Puccinis als klassische Zugabe-Arie berüchtigtes Stück „O mio babbino caro'. Diesen Programmteil ließ sie jedoch ausfallen. Im Gegensatz zu dem weitgehend unbekannten Liedgut ist die eingängige, schlichte (und vokal relativ anspruchslose) Melodik so populär, dass selbst dem anspruchslosesten Publikum der disaströse Zustand ihrer Stimme aufgefallen wäre. Da blieb keine Note auf der anderen. Farblose, falsche Töne, die einfach nur wehtaten. Nein, eine Primadonna war das nicht (mehr)!

Natürlich erwartet niemand von einer 76jährigen Sopranistin stimmliche Wunder. Aber mit gelegentlichen Anklängen an frühere Stimmschönheit, Gesangs- und Interpretationstechnik hatte ich zumindest gerechnet. Ich habe da die grandiose Magda Olivero im Ohr, die sich mit 83 Jahren noch auf eine (live) Einspielung von ,Adriana Lecouvreur' einließ, bei der immer noch Spuren ihrer einstigen Größe und Gestaltungskunst aufflackerten. Nicht so hier. Das ging einfach nicht mehr, jede Kritik ist überflüssig. Am ehesten fällt mir der Vergleich zu Florence Foster Jenkins ein. Aber die war wenigstens zum Lachen. Über Frau Caballé kann man nur betroffen sein - was veranlasst eine ehemals große Künstlerin zu solchen Auftritten? Materielle Probleme?

Ein wohltuend höfliches Publikum erbrachte Auftritts- und Abgangs-Ovationen und applaudierte jede Nummer herzlich. „Brava"-Rufe oder Bitten um Zugaben blieben wohlweislich aus.

Ein Tipp für hartgesottene Fans: laut Terminplan setzt Frau Caballé diese Konzertreihe 2O10 in verschiedenen deutschen Städten fort.

Dieter (Frankfurt a. M.)

3. Dezember 2009

Von „Carmen Jones“ bis „General Horne“ - Dokumentation über Marilyn Horne


Endlich auf DVD erschienen ist die 1994 entstandene TV-Dokumentation „Marilyn Horne – A Profile“, ein liebevolles Porträt dieser großen Künstlerin, deren 75. Geburtstag eigentlich ein guter Anlass gewesen wäre, diese Dokumentation im deutschen Fernsehen zu zeigen. Leider ist dieser Geburtstag in der deutschen Fachpresse und bei den Rundfunk- und Fernsehanstalten aber so gut wie unbeachtet geblieben – als rühmliche Ausnahme ist mir persönlich jedenfalls nur die Sendung auf OE1 in Erinnerung -, und das, obwohl am Anfang ihrer Bühnenlaufbahn ein Engagement am Gelsenkirchener Musiktheater im Revier stand, damals noch als Sopran. Auch hierüber erzählt Marilyn Horne in dieser Dokumentation, die chronologisch und mit vielen privaten Bild- und Tondokumenten den familiären Hintergrund und den Karriereverlauf nachzeichnet, auch ihre Partner – wie Joan Sutherland und Henry Lewis - kommen zu Wort.

Für die ungekürzte Wiedergabe von Arien und Szenen ist allerdings leider kein Raum, - mit Ausnahme einer Szene aus dem Spielfilm „Carmen Jones“, bei dem Marilyn Horne ihre Stimme der Carmen Jones von Dorothy Dandridge lieh, muss man sich mit sehr kurzen Ausschnitten begnügen. Wer aber einen Eindruck von der Persönlichkeit von „General Horne“ (so genannt wegen der vielen militärischen Anführer, die sie in den Opern von Rossini und Händel verkörperte) gewinnen möchte, dem sei diese DVD wärmstens empfohlen, und bei denjenigen, die das große Glück hatten, Marilyn Horne live zu erleben, werden sicherlich wieder Erinnerungen wach, und zwar eben nicht nur an großartige gesangliche Darbietungen, sondern auch an ihren gar nicht primadonnenhaften Umgang mit ihrem Publikum, worüber auch einige Leser dieses Blogs in Kommentaren zu meinem Beitrag Dank an Marilyn Horne - Zu ihrem 75. Geburtstag! berichtet haben.

Hier nun auch mit Bild und Ton:
Von "Carmen Jones"...

... bis "General Horne"!

6. August 2009

Glückwünsche an Alexey Kudrya!

Als wir anlässlich der diesjährigen Jahreshauptversammlung der Deutschen Rossinigesellschaft in Metz in der dortigen Oper eine Aufführung von Rossinis „Il viaggio a Reims“ besuchten, waren wir uns einig: Der Sänger des Libenskof, Alexey Kudrya aus Russland, ist ein Tenor mit Zukunft und hat das Potential für eine bedeutende Karriere.

Jetzt hat er bei Domingos Operalia den ersten Preis gewonnen, herzlichen Glückwunsch!

Hier die Namen aller Preisträger 2009. Wenn man sich die Liste der bisherigen Gewinner ansieht, findet man in großer Zahl die Namen von Sängern und Sängerinnen, die inzwischen eine internationale Karriere gemacht haben. So waren allein im Jahr 1999 Rolando Villazon, Giuseppe Filianoti und Joseph Calleja unter den Preisträgern. Und die Sieger des 1998 in Hamburg ausgetragenen Finales, das ich live miterleben konnte, waren Erwin Schrott, Joyce DiDonato und Ludovic Tézier!

Hier die Biographie und eine Zusammenstellung der Videos mit Alexey Kudrya bei YouTube. Als Tamino singt er nicht nur, sondern spielt auch die Flöte selbst!

19. Januar 2009

Dank an Marilyn Horne - Zu ihrem 75. Geburtstag!

Aktualisiert am 1. Februar 2009 (s. Nachtrag am Ende des Beitrags)
Im „Opernleben“ eines jeden Fans gibt es zwar viele Höhepunkte, aber nur selten das große Glück, bei einem ganz besonderen Ereignis dabei gewesen sein zu dürfen.

Für mich war der 8. März 1980 einer dieser beglückenden Tage: die Premiere von Rossinis L’italiana in Algeri an der Hamburgischen Staatsoper mit Marilyn Horne in der Titelpartie. Darauf hatte ich mich schon monatelang gefreut, hatte aber zu meinem Erstaunen auch feststellen müssen, dass kaum jemand meine Vorfreude teilte, - kaum jemand im Stammpublikum des 4. Rangs wusste überhaupt, wer Marilyn Horne war! Die Premiere der Italiana war auch nicht ausverkauft, danach war dann allerdings der Ansturm umso heftiger, und Marilyn Horne wurde auch in Hamburg zum großen Publikumsliebling.

Gespielt wurde die Ponnelle-Inszenierung der Mailänder Scala. Von der New Yorker Aufführungsserie dieser Produktion ist kürzlich eine DVD erschienen, bei YouTube sind diverse Ausschnitte (und auch sonst eine ganze Menge Videos mit Marilyn Horne) im Netz.

Hier der wohl etwas missglückte Versuch des Rezensenten der „Welt“, das Ereignis Marilyn Horne irgendwie in Worte zu fassen:

“Der Auftritt der Horne läßt zunächst vermuten, es sei der Intendanz gelungen, die Zarah Leander der mittleren Jahre für ‚Hallo Dolly’ zu gewinnen. Den Inhalt vor Augen, aber der ist ohnehin sinnlos, muß man befürchten, Lindoro, der Geliebte der ‚Italienerin’ habe sich beim Umzug von Mailand nach Hamburg einen echt italienischen Mama-Komplex zugezogen. Doch sehr bald wird man eines Besseren belehrt – und geht in die Knie vor Entzücken. Die Horne singt die Glanzpartie der Koloratur-Altistinnen mit einem geradezu luxuriösem Belcanto. Ihre Perlenketten des Ziergesangs funkeln wie Juwelen – the must of Marilyn Horne! -, und ihre darstellerische Pfiffigkeit, ihr echter ‚Mutterwitz’, übertrumpften die angestrengtesten Bemühungen ihrer Umgebung mit einem Fingerschnalzen. Ein ganz unglaubliches Ereignis: eine Primadonna, über die man nach Herzenslust lachen kann.“
Ich fasse mich kürzer: Es war sensationell! Technische Perfektion und Brillanz, die glücklicherweise auch heute noch anhand der zahlreichen Tondokumente bewundert werden können, verbunden mit einer entwaffnenden szenischen Präsenz!

Seinerzeit steckte die Rossini-Renaissance noch in den Kinderschuhen – insbesondere was die opera seria anbelangte. Und so war im Staatsopern-Magazin zum Hamburger Debüt von Marilyn Horne zu lesen, dass – neben der Isabella und der Rosina – „die Arsace aus Semiramis“ zu ihren besonders glänzenden Partien zählte. Terra incognita also auch für die Mitarbeiter der Dramaturgie der Hamburgischen Staatsoper! Mit Semiramide stand dann aber im Frühjahr 1983 endlich auch eine opera seria von Rossini auf dem Spielplan der Hamburgischen Staatsoper, natürlich mit Marilyn Horne in der Rolle des Arsace und einer auch ansonsten fulminanten Besetzung: Montserrat Caballé, Samuel Ramey und Francisco Araiza. Die konzertanten Aufführungen im Frühjahr 1983 waren ein derart sensationeller Erfolg, dass es im Frühjahr 1985 nochmals eine Serie gab, bei der in einer Vorstellung Chris Merritt den Idreno sang, – nach seiner Arie (er hatte in der gekürzten Fassung leider nur eine zu singen) trampelte sogar der Chor vor Begeisterung!

Unvergesslich auch die Hamburger Konzertauftritte von Marilyn Horne! Ich hatte das Glück, bei drei Konzerten dabei zu sein: Solo-Abend in der Hamburgischen Staatsoper am 28. April 1983, Festkonzert des NDR zum Europäischen Jahr der Musik in der Musikhalle am 7. Februar 1985 und Solo-Abend in der Musikhalle am 15. Mai 1986.

Marilyn Horne verstand es, ihr Publikum – mit Charme und mit direkter Ansprache – quasi um den kleinen Finger zu wickeln, und für die Ovationen bedankte sie sich mit einem Füllhorn voller Zugaben. Bei dem Solo-Abend in der Hamburgischen Staatsoper schien das Publikum überhaupt nicht gehen zu wollen, sogar die „Garderoben-Flitzer“ hielt es auf ihren Sitzen, und nach der fünften (oder gar schon sechsten?) Zugabe sagte Marilyn Horne: „Nun müssen Sie aber wirklich nach Hause gehen“ und sang noch das Wiegenlied „Guten Abend, gute Nacht…“. Und danach waren auch noch die zahlreichen Autogrammwünsche zu erfüllen!

Marilyn Horne und ihre Mitstreiter und Mitstreiterinnen haben erfolgreich bewiesen, wie schön und aufregend Belcantogesang sein kann, wenn er nach den Regeln der (Belcanto-)Kunst ausgeführt wird, und dass ihre Pionierarbeit auf fruchtbaren Boden gefallen ist, zeigt die Entwicklung der letzten Jahre, in denen zunehmend vergessene Belcanto-Opern wieder auf die Spielpläne gesetzt werden und junge Sängerinnen und Sänger das technische Rüstzeug erworben haben, um auch im Belcantofach erfolgreich Karriere machen zu können.

Auch nach Beendigung ihrer aktiven Bühnenlaufbahn ist Marilyn Horne über die von ihr vor 15 Jahren gegründete Marilyn Horne Foundation weiterhin in Sachen Belcanto aktiv. Am 18. Januar 2009 wurde der „doppelte“ Geburtstag mit einem Festkonzert in der Carnegie Hall begangen, von dem hoffentlich ein Mitschnitt veröffentlicht werden wird.

Danke, liebe Marilyn Horne, für die vielen schönen Stunden und für den großartigen Einsatz zur Wiederbelebung der Kunst des Belcanto!

Nachtrag: Bericht über die Gala "Celebrating Marilyn Horne" am 18. Januar 2009

10. September 2008

Siegmund aus der Masterclass

Ein Blick zurück auf das Festival „Rossini in Wildbad“ 2002. Wer damals beim Abschlusskonzert der Masterclass von William Matteuzzi dabei war, wird sich erinnern: etwas im Rahmen des Festivals „Unerhörtes“ stand auf dem Programm – Richard Wagner! Ein junger Tenor aus Neuseeland sang Winterstürme wichen dem Wonnemond aus der „Walküre“ und gewann damit einen Förderpreis. Nun gab Andrew Sritheran am 7. September 2008 bei der – zu Recht - umjubelten Walküren-Premiere in Lübeck sein Rollen-Debüt und sang einen höchst bemerkenswerten Siegmund.

Die Masterclass 2002 scheint ein guter Jahrgang gewesen zu sein: Der Tenor Roberto De Biasio singt jetzt an diversen italienischen Opernhäusern.

Weitere Infos zu den beiden Sängern im Beitrag Junge-Karrieren-Karrierestart

3. September 2008

Von Bad Wildbad an die Scala!


Bad Wildbad scheint ein guter Ort für einen Start in eine internationale Karriere zu sein - insbesondere für Tenöre.

Nachdem Pavol Breslik (s. Junge-Karrieren-Karrierestart) den Sprung auf die großen Bühnen der Opernwelt geschafft hat und demnächst sein Debüt an der Met geben wird, ist auch Michael Spyres – in Bad Wildbad dieses Jahr Rossinis Otello und letztes Jahr Alberto in Rossinis „La gazzetta“ – auf dem Weg zu einer internationalen Karriere: ab der kommenden Spielzeit ist er nicht nur – wie bereits berichtet – Ensemblemitglied der Deutschen Oper Berlin, sondern wird im April 2009 auch sein Debüt als Belfiore in Rossinis „Il viaggio a Reims“ an der Mailänder Scala geben. Weitere Einzelheiten auf der Internetseite Michael Spyres – Biographie mit diversen Videos und Audioaufnahmen.

Video: Michael Spyres - Otello

Junge Karrieren - Karrierestart in Bad Wildbad und Pesaro

Masterclass Raul Giménez (Bad Wildbad 2007)

Aktualisiert am 10. September 2008

Bei Rossini in Wildbad haben wir schon einige vielversprechende junge Sänger und Sängerinnen kennen gelernt, - was ist aus ihnen geworden? Hier einige aktuelle Biographien aus dem Internet, zeitlich geordnet nach dem Jahr des ersten Auftritts:
ROF Pesaro (Accademia Rossiniana)
"Il viaggio a Reims" 2001 - 2007

25. Februar 2008

Vorfreude auf Bad Wildbad 2008...


... und auf Michael Spyres als Otello!




Der junge Tenor startet nach seinem Erfolg in "La gazzetta" 2007 in Bad Wildbad - hier noch einmal das Video - eine vielversprechende Karriere:

"For the 2008/2009 season Michael Spyres will be member of the Deutsche Oper Berlin, where he will be making his debut as Tamino in Die Zauberflöte and also appear as Steuermann in Der fliegende Holländer, Arturo in Lucia di Lammermoor...." mehr im Beitrag "Bad Wildbad und Pesaro junge-karrieren.html"
Von Händel bis Offenbach: Videos_bei_youtube.com/

Rätselhafte Sesamstraße - Kekse in Aidas Ägypten?




Die Dame etwa nicht erkannt? Hier die Lösung (und ein weiterer Spaß): Sesame_Street_Sing_after_me

24. Februar 2008

Vorfreude auf Pesaro 2008...

... und Rückschau auf Pesaro 1987: Ermione



Lust auf mehr? Hier zwei ausführliche Duette:
Caballé und Merritt und Blake und Morino

23. Januar 2008

Rossini in Wildbad - Videos

Die Vorstellungen von "La gazzetta" in Bad Wildbad waren für viele das Highlight 2007. Es gab da auch einen Tenor zu entdecken: Michael Spyres - hier das Video:



Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=bP3i40fwxm0

Auch von der "Matilde di Shabran" 1998 gibt es ein Video:
Amou, Colin und Zarrelli in Matilde Di Shabran 1998

22. Januar 2008

Tenorale Höhenflüge

Bellini – I Puritani - „Credeasi misera“

Man kann auch Töne sammeln:

Neun_mal_das_hohe_F
1. William Matteuzzi
2. Nicolai Gedda
3. Gregory Kunde 1996
4. Gregory Kunde 2004
5. Luciano Pavarotti
6. Javier Cortes
7. Albert da Costa
8. Benvenuto Finelli
9. Paul Groves

...und noch einmal: Lawrence_Brownlee

… und hier die ganze Szene im Vergleich:
Florez_und_Cantarero (Las Palmas 2004)
Kunde_und_Serra (Montreal 1987)

14. Oktober 2007

Spiel den Flórez

♫ Spiel den Flórez! Das erste Online-Game für Klassik-Surfer. Und natürlich geht es hier um andere Dinge als beim Moorhuhn-Schießen. Denn diesmal müssen Töne gehört und rechtzeitig angeklickt werden. Es handelt sich um die berühmten hohen "C"s, die üblicherweise Tenören die Stimmbänder ramponieren, im Fall von des peruanischen Meistersängers Juan Diego Flórez aber mühelos und souverän auf der Bühne präsentiert werden.Zu gewinnen gibt es Konzertkarten, an deren Verlosung man im Anschluss an den musikalisch interaktiven Ausflug teilnehmen kann.

Starten Sie hier das Online Game mit Startenor Juan Diego Flórez