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3. Juli 2011

YouTube-Kanal für "Rossini in Wildbad"

Wer schon bei den Probenarbeiten für die Premieren in Bad Wildbad zuhören möchte, hat jetzt die Gelegenheit, entsprechende Videos im neuen YouTube-Kanal "ROSSINIWILDBAD" aufzurufen.

Hier ein Bildschirmfoto vom neuen YouTube-Kanal. 
Den Videokanal "ROSSINIWILDBAD" hier starten.
oder Sie klicken in das Bildschirmfoto



2. Juli 2011

Erste Informationen aus Bad Wildbad zum Belcanto Festival

"Es wuselt im Königlichen Kurtheater"
So übertitelt der Schwarzwälder-Bote am 1. Juli 2011 einen Stimmungsbericht zu den Festival-Vorbereitungen. 


"Schatzgräber in Sachen Belcanto"
Die Badische Neueste Nachrichten berichtet am 2. Juli über den Leiter von "Rossini in Wildbad", Herrn Jochen Schönleber.

(zum Vergrößern bitte in das Bild klicken) 

"Rossini in Wildbad 2011" startet am 7. Juli


Im Zentrum des Belcanto-Festes stehen diesmal neben acht weiteren Veranstaltungen gleich drei komische Opern auf dem Programm:

Il turco in Italia (Der Türke in Italien) von Gioachino Rossini
Ser Marcantonio (Don Pasquale) von Stefano Pavesi
Il noce di Benevento (Der Hexenbaum von Benevent) von Giuseppe Balducci

Das Gesamtprogramm mit Bestellformular zum Download hier

8. Dezember 2010

Vorschau auf "Rossini in Wildbad 2011"

Aus Newsletter von "Rossini in Wildbad" 
Jochen Schönleber, Intendant des Belcanto Opera Festivals "Rossini in Wildbad" gibt im Newsletter vom 3. Dezember eine interessante Vorschau auf das 23. Festival im Juli 2011:

Im Zentrum des Belcanto-Festes stehen diesmal gleich drei komische Opern auf dem Programm:

Il turco in Italia (Der Türke in Italien) von Gioachino Rossini
Ser Marcantonio (Don Pasquale) von Stefano Pavesi
Il noce di Benevento (Der Hexenbaum von Benevent) von Giuseppe Balducci

Doch lesen Sie selbst den Newsletter und das gesamte Programm in der ausführlichen Programmvorschau incl. Bestellzettel.

16. Oktober 2010

Abschied von Dame Joan Sutherland

Joan Sutherland 1926 - 2010
Foto: © Decca/V. Tony Hauser in Klassikakzente
Eine der größten Sängerinnen des vergangenen Jahrhunderts, Dame Joan Sutherland - La Stupenda, die Fabelhafte -, starb am 10. Oktober in Genf. "Ihr Hauptverdienst bleibt nach Ansicht der Kritiker die Wiederentdeckung der Belcanto-Opern des 18. und 19. Jahrhunderts" (FAZ). 

Joan Sutherland bei der Verleihung des Preises "Echo Klassik 2001"
Foto: dpa
Rossinifreunde und Belcantoliebhaber hatten anläßlich des Belcanto Opera Festivals "Rossini in Wildbad" am 2. Juli 2005 Gelegenheit, Joan Sutherland als Gast zu erleben. Der Intendant des Festivals, Jochen Schönleber, schreibt in seiner Würdigung "Die Sängerin, die wie keine andere den reinen Belcanto wieder zum Leben erweckt hatte, war als freundlicher Gast bei unserem jungen Festival erschienen und hatte in purem Wohlwollen für unsere bescheidene Arbeit die Wiedereröffnung des Kurtheaters als Schirmherrin geadelt". Zum Beitrag von J. Schönleber

13. August 2010

"Le Siège de Corinthe" in Bad Wildbad 2010



Wenn man - wie in unserem Fall - Rossinis erste französische Oper Le siège de Corinthe, die 1826 an der Pariser Oper Premiere feierte, noch nie live erlebt hat, möchte man sich auf diese Erstbegegnung entsprechend vorbereiten - im Zeitalter des Internets natürlich kein großes Problem. Hierbei macht man sehr bald aufschlussreiche Entdeckungen: Man erfährt zuallererst - für Rossini-Kenner und -Liebhaber sicherlich Basiswissen! - , dass die Belagerung Korinths eine für Paris und die dortigen Gegebenheiten bzw. Erwartungen umgearbeitete Fassung des 1820 für das Teatro San Carlo in Neapel geschriebenen Maometto II ist. (Dieses “dramma per  musica“ haben wir im Kreise von Mitgliedern der DRG bereits viermal in den letzten 10 Jahren auf Bühnen in Straßburg, Bad Wildbad [Fassung für Venedig 1822 mit lieto fine], Amsterdam und Bremen genießen können).

Sucht man dann nach akustischen “Hilfsmitteln“ - sprich CD/DVD-Aufnahmen dieser tragedie-lyrique in 3 Akten -, gibt es die erste Überraschung: Legal ist eine einzige Gesamtaufnahme auf dem Markt, die 1992 als Mitschnitt von zwei Aufführungen in Genua von Nuova Era publiziert wurde (unter Paolo Olmi sangen u.a. Luciana Serra und Dano Raffanti). Bei YouTube kann man außerdem ausführliche Szenenausschnitte der Inszenierung anschauen, die die Opéra Lyon 2001 auf die Bühne brachte (u.a. mit Darina Takova, Marc Lahó und Michele Pertusi). Von der Produktion des ROF 2000 in Pesaro, die offiziell auf keinen Tonträgern vorliegt, habe ich nur gelesen, dass sie musikalisch durchaus gelungen, szenisch aber ein Fiasko gewesen sein soll. Der Vollständigkeit halber - und um die Sache noch komplizierter zu machen - muss natürlich erwähnt werden, dass es Live-Mitschnitte von L’Assedio di Corinto aus der Scala di Milano von 1969 (unter Thomas Schippers sangen u.a. B. Sills, M. Horne und F. Bonisolli) und aus der New Yorker Met von 1976 (wieder mit B. Sills und diesmal Sh. Verrett) gibt.

Doch - und dies ist die zweite Überraschung - ist diese Oper nicht einfach eine Art Rückübersetzung der französischen Originalversion ins Italienische, sondern eine Kompilation aller Fassungen. Die eklatanteste Abweichung dürfte sicherlich sein, dass in der Siège der Néocles eine Tenorpartie ist, während in dem fast schon pasticcio-artigen L’Assedio diese Rolle von einem Mezzosopran gesungen wird. Welche anderen gravierenden Änderungen es in dieser musikalisch durchaus fesselnden Schippers-Aufnahme gab, kann man sehr detailliert in Ph. Gossetts  faszinierendem Buch „Divas and Scholars“ nachlesen (vgl. Ch. Jernigans Rezension dieses Buches in “La Gazzetta“ 2007, pp. 64 ff.).

Eine zuverlässige Edition oder gar edizione critica dieser Oper, die man in ihrer Mischung aus italienischen Wurzeln und französischem “Ambiente“ (Sprache, Ballett etc.) als Vorläufer der grand opéra bezeichnen könnte, existiert bis heute noch nicht. So kam das Werk in einer Neuausgabe des Wildbader Festivals als “Revision nach der Originalausgabe und nach den Aufführungsquellen von Jean-Luc Tingaud“ zur Aufführung, in der der junge französische Dirigent auch die musikalische Einstudierung und Leitung innehatte. Er entfachte in dieser konzertanten Aufführung vor allem bei den martialischen Szenen das nötige orchestrale Feuer, das allerdings gelegentlich in (zu) großer Lautstärke loderte. (Der Fairness halber muss ich einräumen, dass dieser Eindruck durch unsere Plätze in der 1. Reihe bedingt entstanden sein kann.)

Die in den 2. Akt passend zu den begonnenen Hochzeitsfeierlichkeiten eingefügte Ballettmusik - den Regeln der Pariser Oper entsprechend - gelang hingegen den Virtuosi Brunensis, dem Stammorchester des Festivals, in bezaubernder Weise. Der erstmals in Bad Wildbad eingesetzte Chor Camerata Bach aus Posen überzeugte mit Wohlklang und Fülle, ließ aber einen engagierteren Bezug zur Opernhandlung vermissen. Dieses Eingehen auf das dramatische Geschehen zwischen und in den Charakteren ist auch und gerade bei konzertanten Aufführungen notwendig, damit diese nicht zu einem oratorienhaften Stehkonzert “verkommen“ (wer einmal Edita Gruberova als konzertante Norma erlebt hat, weiß, was da möglich ist, wenn man seine Rolle beherrscht!).

Majella Cullagh Lorenzo Regazzo Michael Spyres
Majella Cullagh, Heroine in zahlreichen Belcanto-Aufnahmen bei OperaRara, gelang es mit ihrer in allen Registern wohlklingenden Sopranstimme in Koloraturen und dramatischen Ausbrüchen ihrer Pamyra Leben einzuhauchen und deren Konflikt zwischen Liebe und vaterländischer Pflicht spürbar zu machen. Ihr ebenbürtig in stimmlicher Präsenz und dramatischer Gestaltung war der Bass von Lorenzo Regazzo als Mahomet II. Stimmlich am meisten beeindruckte mich trotzdem Michael Spyres, seit La Gazzetta (2007), aber vor allem seit seinem Otello (2008) ein Liebling des Wildbader Publikums. Er meisterte die teilweise hoch notierte Rolle des jungen griechischen  Offiziers Neocles (in der Premiere von Adolphe Nourrit gesungen!) mit seinem berückenden Timbre, aber auch - wo nötig - mit baritonaler Tiefe souverän und begeisternd.



Der englische Tenor Justin Lavender hat dessen große Arie aus dem 3. Akt “Grand Dieu faut-il qu’un peuple qui t’adore“ in seinem  hörenswerten Recital “Rossini und Donizetti- Arias“ (1995 bei Carlton Classics erschienen) ähnlich glanzvoll gesungen. Wir freuen uns schon auf ein Wiederhören mit M. Spyres als Tamino in der ORW in Liège im Oktober dieses Jahres und auf seinen Alamiro in Donizettis Belisario im Februar 2011 in London. Alle anderen, darunter zwei weitere Tenöre (vorrangig  Marc Sala als Cléomène aber auch Gustavo Quaresma Ramos als dessen Vertrauter Adraste) sowie Silvia Beltrami als Ismène und die beiden tiefen Männerstimmen (der französische Bass Matthieu Lécroart als der Grabwächter Hiéros und der italienische Bariton  Marco Filippo Romano als Mahomets Vertrauter Omar) rundeten das Bild einer Aufführung ab, die das Publikum in der ausverkauften Neuen Trinkhalle, deren Akustik und Fluidum trotz sicherlich großem Bemühen verbesserungswürdig sind, danach begeistert in das Wildbader Nachtleben eintauchen ließ.

Und ich bezweifle, dass ein Kritiker dieses letzten Wildbader Wochenendes Recht hat, wenn er über die Akzeptanz der vier Aufführungen beim Publikum abschließend meinte, der große Beifall und Jubel seien “typisch für ein unkritisches Festivalpublikum“. Stellvertretend für viele mag die Aussage eines in europäischen Opernhäusern wohl bewanderten Opernfreundes aus Belgien stehen, der mit einem kleinen Bus von 20 Opernbegeisterten aus Liège und Brüssel zum ersten Mal in Bad Wildbad war: Sie alle waren vom musikalischen Niveau weitgehend begeistert, von der Spielstätte des Hauptgeschehens aber weniger angetan.
Aber darüber sprachen wir ja schon …

Walter Wiertz (Besuchte Vorstellung: 23. Juli 2010)

8. August 2010

Solisten von "Rossini in Wildbad" 2010 in Bild und Ton

Auch dieses Jahr gab es beim Festival „Rossini in Wildbad“ eine interessante Mischung von bekannten und neuen Stimmen zu hören.




An erster Stelle ist Michael Spyres zu nennen, ein Tenor mit fulminanter Höhe und baritonaler Tiefe und mit einem vorbildlichen Legato, der eine viel versprechende internationale Karriere gestartet hat (aktuelle Informationen auf seiner Homepage und hier). Dieses Jahr sang er in Bad Wildbad den Néoclès in den konzertanten Aufführungen von Rossinis „Le Siège de Corinthe“:





(leider stellenweise sehr leise)

Es lohnt sich immer wieder, auch die Videos (in guter Tonqualität!) von seinen früheren (szenischen) Auftritten in Bad Wildbad zu bestaunen:
Rossini "La gazzetta" 2007
Rossini "Otello" 2008


Auch mit Lorenzo Regazzo gab es in „Le Siège de Corinthe“ (und bei den Duetti buffi mit Bruno Praticò) ein sehr erfreuliches Wiedersehen und Wiederhören in Bad Wildbad, leider aber (noch) kein Video davon. Aber ansehen sollte man sich dieses Video hier, - da ist er mal nicht auf Anhieb zu erkennen.

Videos von weiteren Solisten dieser Produktion, die auf CD erscheinen soll:
Majella Cullagh (Pamyra)
Marc Sala (Cléomène) (auch zu erleben im Wildbad-Video hier im Blog)
Silvia Beltrami (Ismène)

Auch von der diesjährigen „Cenerentola“ gibt es bei YouTube ein Video:


Wie man sieht und hört, war auch dieses Jahr Bruno Praticò wieder in Bad Wildbad dabei, diesmal als Don Magnifico. Von dessen Arie gibt es ein wunderbares Video von einem Konzert in St. Petersburg, interessanterweise dirigiert von dem international als Tenor bekannten Giuseppe Sabbatini:




Mir hat besonders der erst 22 Jahre alte Bernhard Hansky als Dandini gefallen: klangvolle Stimme, koloratursicher und von erstaunlicher Bühnenpräsenz. Auf seiner Homepage gibt es ein Audio von seiner Auftrittsarie, aufgenommen in Bad Wildbad:
Arie des Dandini



Die Cenerentola sang die bereits für Wien und Zürich engagierte Serena Malfi (Videos) - Auch von dem Sänger des Ramiro, Edgar Ernesto Ramirez, gibt es Videos bei YouTube.


Szenen-Fotos von "Rossini in Wildbad" 2010:


Insbesondere wegen der zahlreichen Fotos und für diejenigen, die des Niederländischen bzw. des Französischen mächtig sind (oder die die oft bizarren Google-Übersetzungen enträtseln mögen) hier als Ergänzung zur Presseschau die Rezensionen von „Opera gazet“ und „Forum Opéra“

Opera Gazet: alle drei Opernrezensionen hier

Forum Opéra:
Le Siège de Corinthe
La Cenerentola
Adelina
Duetti buffi

Neugierig geworden, wer in früheren Jahren bei "Rossini in Wildbad" gesungen und wer von dort aus eine internationale Karriere gestartet hat? Das steht im Einzelnen hier im Belcantoblog im Beitrag Junge Karrieren - Karrierestart in Bad Wildbad und Pesaro und in der Diskographie im Beitrag "Rossini in Wildbad" 2008 - Das Jubiläum. Weitere Beiträge finden Sie über die Rubriken in der rechten Spalte  "Rossini in Wildbad" und "Junge Karrieren".

1. August 2010

"Rossini in Wildbad" 2010 - ein Rückblick

Wieder ist ein Rossini-Festival in Bad Wildbad vorüber, aber in der Erinnerung lebt es fort.


Umschalten in den Vollbildmodus ist möglich

Rossinis Oper „Cenerentola“ machte in der neuen Spielstätte, der umgebauten Trinkhalle im Kurpark, den Anfang. Hier wurde auch „Le Siège de Corinthe“, Rossinis erste große französische Oper, konzertant mit großem Erfolg aufgeführt und vom SWR aufgezeichnet. Das Königliche Kurtheater im Kurpark wiederum bildete den schmucken Rahmen für kleinere Inszenierungen wie die „Malibran-Kadenzen“, Klavierstücke unter anderem von Ignaz Moscheles mit den „Gems à la Malibran.“ Außerdem wurde hier die modern und ironisch inszenierte kleine Oper „Adelina“ von Pietro Generali gegeben. Letzterer war ein Zeitgenosse Rossinis, daher lag es nahe, einen Prolog „Rossini erobert die Oper“ mit Auszügen aus Gioachino Rossinis frühen Opern zu entwerfen, szenisch einzurichten und der „Adelina“ voranzustellen. So wurde Rossinis Eroberung der italienischen Opernwelt und seine Auseinandersetzung mit damaligen Erfolgskomponisten wie Generali deutlich. Die Veranstaltung wurde am gleichen Tage zeitversetzt im Radio übertragen.


Alle Aufführungen wurden freundlich aufgenommen, zum Teil enthusiastisch vom Publikum gefeiert. Weitere Programmpunkte des unter dem Motto „200 Jahre im Rampenlicht – Gioachino Rossini“ stehenden Festivals waren „Duetti Buffi: Unsterbliche Buffoszenen“ und ein „Chopin-Zyklus III“. Über die einzelnen Produktionen soll noch in diesem Blog berichtet werden. (Wir freuen uns über weitere Beiträge, die an die Adresse rf@belcantoblog gesendet werden können. Auch Kommentare zu diesem Festival sind sehr willkommen).


Aber das Festival lebt nicht nur von seinen Aufführungen, sondern auch durch die Mitwirkenden und treuen Besucher. Einige Sänger waren sehr jung, wenn auch schon bei Gesangswettbewerben ausgezeichnet, mit Bühnenerfahrung und bei Intendanten europaweit, teils weltweit, begehrt. Auf der anderen Seite standen erfahrene und berühmte Solisten wie Bruno Praticò, Lorenzo Regazzo und Michael Spyres, deren Unterstützung für die Jüngeren wichtig ist. Eine „Masterclass“, diesmal wieder unter der Leitung von Raúl Giménez, und andere Formen der Zusammenarbeit zwischen den Künstler-Generationen haben Tradition in Bad Wildbad, ein Verdienst des langjährigen Festival-Chefs Jochen Schönleber, dem man auf Schritt und Tritt begegnete, oft in Eile, mit dem Fahrrad unterwegs und stets im Einsatz, auch wenn es darum ging, sich persönlich um einzelne Mitglieder des künstlerischen Stabes zu kümmern. Die Mannschaft besteht ja nicht nur aus den im Rampenlicht stehenden Sängern, sondern es gehören Chor- und Orchestermitglieder, technische Mitarbeiter, Kameramänner auf wackligen Tischen balancierend, Beleuchter und andere Theaterschaffende dazu – vor und hinter der Bühne.

Staunt ein Gast über das herrliche, 1864 erbaute und in den letzten Jahren restaurierte Kurtheater, kann er sich hilfesuchend an den Vorsitzenden des „Fördervereins Kurtheater Bad Wildbad e. V.“ Herrn Dr. Peterson wenden, der alles über die Geschichte dieses Kleinods weiß.


Mittendrin und überall präsent: die Besucher. Sie kommen aus Deutschland, England, Frankreich, den Niederlanden, Italien und sonst woher. Viele kennen sich seit Jahren. Es gibt herzliche Begrüßungen, wenn man sich im Theater, im Kurpark, auf dem Sommerberg oder im Wildbader Hof begegnet, wo der Wirt sich umsichtig um seine Gäste kümmert, gelegentlich auch ein uriges Gewölbe für die fröhliche Schar öffnet und ungemein heiße Teller mit wahlweise sehr großen oder großen Portionen auf den Tischen ablädt. Technisch ist das Publikum bestens ausgestattet und meist mit kleinen Digitalkameras ausgerüstet, die hochgereckt werden und um die Wette zu blinken scheinen - natürlich nicht während der Aufführungen.


Fast bilden die Künstler und ihr Publikum eine Einheit in Bad Wildbad. Jedenfalls kann diese Illusion entstehen, begegnen sie sich doch auch – zufällig - in gemeinsamen Hotelunterkünften oder – geplant – bei gastronomischen „Events“, wenn beispielsweise nach der Opern-Vorstellung im schmucklosen Pausenraum der Neuen Trinkhalle flugs ein Büffet aufgebaut wird, nach dem Essen dann plötzlich das Piano erklingt und ein Sänger nach dem anderen eine kleine improvisierte Gala-Einlage gibt: Da erklingt schon mal ein im Finale mehrstimmig geschmettertes „O sole mio“. Aber das ist noch nicht alles: Animiert von diesen Klängen wollen die Besucher nicht nachstehen und versuchen sich an deutschem Volksliedgut, was noch am nächsten Tag für viel Spaß sorgt – ein Beweis dafür, dass das „Festival“ zu Bad Wildbad gehört und sich eigentlich um seine Zukunft keine Sorgen machen müsste, jedenfalls was das Interesse der Belcanto-Liebhaber angeht. Der Kreis dieser Opernfreunde wird ständig erweitert, man informiert „Neue“ über Aufführungen und Komponisten, weckt deren Interesse und darf manchmal sogar damit rechnen, dass der eine oder andere Kunstsinnige aus Baden-Baden, Rastatt oder einem nördlichen Bundesland nach dem ersten Kennenlernen nicht genug hat, sondern im nächsten Jahr mit seinen Freunden oder seiner Belegschaft wiederkommen möchte.


Der große Einsatz auch der Deutschen Rossini Gesellschaft, insbesondere durch deren kompetenten Geschäftsführer und anerkannten Rossini-Spezialisten Reto Müller darf nicht unerwähnt bleiben, besonders was das diesjährige Festival angeht. Er hielt den „Festvortrag“ über den Namensgeber des Festivals, schrieb oder übersetzte viele Beiträge in den Programmheften, besorgte die Auswahl der Musikstücke in „Rossini erobert die Oper“ und schuf nicht zuletzt mit einer zweisprachigen Übertitelung der Opern etwas vollkommen Neues. Hier fand der Opernfreund nicht nur eine spannende wörtliche Übersetzung des Librettos vor, sondern konnte sich auch in den Urtext einlesen – das war selbst für diejenigen lohnend, die zwar häufig italienischen oder französischen Arien lauschen, diese Sprachen aber nicht beherrschen.


Vor dem Palais Thermal steht jetzt die Bronzestatue des alternden, in Bad Wildbad Heilung suchenden Rossini. Viele Gäste lassen sich mit Rossini fotografieren, einer der „Beweise“, dass der Italiener in Bad Wildbad „angekommen“ ist. Andere schlemmen Eis oder genießen die Schwarzwälder Kirschtorte, die es besonders köstlich im Café Winkler gibt. Bei den beliebten Damen- und Herren-Ausstattern gibt es ein Wiedersehen, im Thermalbad oder oben auf dem Sommerberg. Regelmäßig kommt die Stadtbahn aus Karlsruhe oder Pforzheim auf lärmgedämmten Schienen „eingeschwebt“ und spült einen Besucherschwarm in das verträumte Städtchen, das während des Festivals aufzublühen scheint, trotz unübersehbarer Leerstände in einigen Geschäften, wohl bedingt durch die Wirtschaftskrise. Morgens läuten sanft die Kirchenglocken, langsam ziehen die Dunstschleier himmelwärts und geben die Sicht auf die Berge frei. Dem Genuss konnte das diesjährige Regenwetter nichts anhaben. Bis zum nächsten Mal!


Astrid Fricke (Text); Reiner Fricke (Video)

29. Juli 2010

Presseschau "Rossini in Wildbad" 2010 - aktualisiert am 31. Juli

Zehn gute Gründe, „Rossini in Wildbad“ zu besuchen
In knapp drei Wochen hebt sich der Vorhang: Das Festival Rossini in Wildbad zeigt im 22. Jahr seines Bestehens zum ersten Mal eine der populärsten Opern Rossinis, La Cenerentola. Pressereferentin Ulrike Albrecht nennt zehn triftige Gründe, warum man die Veranstaltungen in Bad Wildbad keinesfalls verpassen sollte:... mehr


Rossini in Wildbad: Anspruchsvolle Pläne trotz Finanznot
Trotz Finanznot hat Jochen Schönleber, Intendant von „Rossini in Wildbad“, anspruchsvolle Pläne für das Festival ... mehr


Klein aber fein: Rossini in Wildbad
Nicht nur in Bayreuth, sondern auch anderswo in Deutschland gibt es spannende Opern-Festivals. So wie in Wildbad, wo auch seltene Rossini-Stücke aufgeführt werden.... mehr


 

Bad Wildbader Trinkhalle wird zum Opernhaus
90 Meter lang und 16 Meter breit: Die Trinkhalle in Bad Wildbad ist ein Raum mit ungewöhnlichen Proportionen. Ein langer Schlauch, schlicht und streng im Stil der Neuen Sachlichkeit gehalten; Nüchtern, weiß und vor allem licht durch die elf raumhohen Fenster rechts und links. All das prädestiniert das denkmalgeschützte Gebäude von 1933/34 nicht unbedingt zum Theatersaal: Denn ein Theater muss dunkel sein – und irgendwie auch überschaubar. Doch Bühnenbildner Anton Lukas ist es gelungen, die historische Trinkhalle in ein Festspielhaus zu verwandeln....mehr

s. auch hier im Blog den Beitrag zu
Rossini und die Freude am Leben


Ein Bericht über alle drei Opern:

Rossini in Wildbad 2010 - 23.-25.7.2010:

Auch im 22. Jahr des Bestehens ist das nach Pesaro bedeutendste Rossini-Festival im Nordschwarzwald noch nicht auf Werk-Wiederholungen angewiesen, bietet das Oeuvre des Bonvivants doch immer noch neue Anreize, vor allem auch von kritisch revidierten Neuausgaben und Original-Rekonstruktionen....mehr


Rossini - La Cenerentola:




«Rossini in Wildbad» überzeugt mit Neuentdeckungen
Bad Wildbad (dpa) Eine Aufführung von Gioacchino Rossinis komischer Oper «La Cenerentola» (Aschenputtel) sollte am Sonntag die 22. Auflage des Belcanto-Festivals «Rossini in Wildbad» beschließen. Stürmischer Beifall der aus ganz Europa angereisten Fan-Gemeinde begleitete die 18 musikalischen Veranstaltungen. ...mehr

Aschenputtel ohne Fee in Bad Wildbad
Aufregende Musik, eine stimmige, unaufwendige Inszenierung, Festspiel-Stimmung ohne Stars: „Rossini in Wildbad“, das unter Kennern hoch gehandelte Belcanto-Festival, startete am Donnerstagabend mit einem der gelungensten Werke des Meisters der Opera Buffa....mehr

Kündet vom Glück wahrer Liebe: "La Cenerentola" bei "Rossini in Wildbad"
Der tief gestaffelte Zuschauerraum der Neuen Trinkhalle in Bad Wildbad war gut gefüllt, als diese bislang ungenutzte Spielstätte jetzt für das Belcanto-Festival „Rossini in Wildbad“ mit einer Inszenierung der komischen Oper „La Cenerentola“ eingeweiht wurde. Um das (gegenüber dem Kurhaus) deutlich erhöhte Fassungsvermögen des Raumes auslasten zu können, wählten die Veranstalter ein „sicheres“ Stück....mehr

Mit Rossini auf du und du
Wildbad: "La Cenerentola" und "Die Belagerung von Korinth".
Wieder also bei "Rossini in Wildbad", dem kleinen, aber feinen Festival im Nordschwarzwald. Wieder also auch unter den vielen beschlagenen Rossinianern, die jede seiner Noten zu kennen scheinen, die mit Gioachino Rossini sozusagen auf du und du sind.....mehr


Rossini - Le Siège de Corinthe



Unbändiger Freiheitswille: Rossinis französische Oper "Le Siège de Corinthe"
Eines selten gespielten Werkes Giacchino Rossinis widmete man sich bei „Rossini in Bad Wildbad“ in der kaum zu hörenden Pariser Originalfassung: „Le Siège de Corinthe“ – „Die Belagerung von Korinth“– in Bad Wildbad konzertant aufgeführt, ist eine Tragische Oper von beachtlichen Dimensionen, welche eine wechselvolle Aufführungsgeschichte erfuhr.....mehr

Belcanto Opera Festival in Bad Wildbad: “Le siège de Corinthe” von Gioacchino Rossini (Aufführung: 23. 7. 2010)
Das 22. Rossini-Festival in Bad Wildbad vom 9. – 25. Juli 2010 hatte auch in diesem Jahr eine Rarität des großen Belcanto-Komponisten auf dem Spielplan: „Le siège de Corinthe“ („Die Belagerung von Korinth“)....mehr

Ein "Meilenstein im Schaffen Rossinis"
Das diesjährige BelCanto Festival "Rossini in Wildbad" hat mit der konzertanten Aufführung von Gioachino Rossinis Oper "Le Siège de Corinthe" –– die Belagerung von Korinth –– ein umfangreiches und schwieriges Werk gemeistert. ....mehr
 

Generali - Adelina:
   


Pforzheimer Regisseur Kay Link inszeniert bei "Rossini in Wildbad"
 „Als ich den Text von Generalis Oper ,Adelina’ gelesen hab, war ich mir anfangs etwas unsicher, ob die Geschichte für den heutigen Zuschauer von großem Interesse ist“. Kay Link, der die Opernrarität bei „Rossini in Wildbad“ inszeniert, hat aber schnell erkannt, dass neben dem historischen Interesse an dieser Oper auch die Handlung die Besucher ansprechen kann. „Die schweizerische Idylle, die im Libretto beschworen wird, hat mich von Anfang an stutzig gemacht. ....mehr

Generalis unbekannte Oper "Adelina" in Bad Wildbad
Dem Tragischen können – Aristophanes wusste das bereits und hat das vor zweieinhalbtausend Jahren virtuos in die Tat umgesetzt – durchaus auch komische Seiten abgewonnen werden. Dass durch Veralberung, ja durch puren Klamauk vieles überdeckt wird, manche Regung des Herzens völlig unverdient der Lächerlichkeit preisgegeben, das gehört manchmal zu den Schattenseiten unserer auf Comedy-Flachheiten abonnierten Zeit. Keine geschliffene und durchaus angemessene Ironie war es, sondern reichlich überdrehte „Lustigkeit“, die der Aufführung der Oper „Adelina“ im restaurierten Königlichen Kurtheater Bad Wildbad ihr Gepräge gab....mehr


Duetti buffi - Bruno Praticò und Lorenzo Regazzo:




Übersprudelnde Sangesfreude Minutenlanger Jubel um Bruno Praticò und Lorenzo Regazzo zum Abschluss des Rossini-Festivals in Bad Wildbad ....mehr

Bestechende Mimen Sie sind nicht nur die großartigen Komödianten, sondern auch außergewöhnliche Sänger, denn beide haben einen wunderbaren Bass. Und die Kenner wissen: Bruno Praticò und Lorenzo Regazzo im Doppelpack auf der Bühne sind nicht zu überbieten....mehr

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Rossini verleiht Belcanto-Preis

Mit einem überfüllten Abschlusskonzert im Kurtheater endete beim Festival „Rossini in Wildbad“ die Arbeit der diesjährigen Akademie Belcanto unter Leitung des Startenors Raúl Giménez....mehr



Fotos: "Rossini in Wildbad"

13. Juli 2010

Rossini und Bad Wildbad - Stoff für einen neuen Film?

Die Filmregisseurin Helma Sanders-Brahms (Biographie) hat in einem Artikel für die Welt liebevoll und berührend über Rossini und Bad Wildbad geschrieben:


Rossini und die Freude am Leben

Helma Sanders-Brahms trifft in Wildbad den alten und maladen italienischen Komponisten. Ein geeigneter Stoff für ihren nächsten Film...mehr

"Rossini in Wildbad" - Das Belcanto Opera Festival – Rückschau und Vorschau

Auch in diesem Juli 2010 findet das Rossini-Belcanto-Fest in Bad Wildbad (Schwarzwald) statt, diesmal zum 22. Male. Ein Muss für alle Rossini-Freunde und Belcanto-Liebhaber.

Zur Einstimmung auf dieses Ereignis hier Fotos vom schönen Bad Wildbad und zwei Filmausschnitte aus meinem Belcanto-Archiv. Abschließend Veranstaltungshinweise zum diesjährigen Festival.

Das wiedereröffnete Kurtheater
Das Thermalbad (Panoramaansichten vom Palais Thermal)
Im Kurpark

 Aus dem Belcantoarchiv (TU Braunschweig): 
Tatjana Korovina als Zenobia in G. Rossini "Aureliano in Palmira",
Bad Wildbad 1996



Aus dem Belcantoarchiv (TU Braunschweig): 
Filmtrailer von 1996
(u.a. mit Statements von Jochen Schönleber und Reto Müller) 

Das Programm für "Rossini-in-Wildbad" startet in diesem Jahr am 15. Juli mit der Rossini-Oper "La Cenerentola" (Aschenputtel). Weitere Opern: G. Rossini "La Siège de Corinthe" (Die Belagerung von Korinth), sowie P. Generali "Adelina". Das Festival wird durch weitere hochkarätige Veranstaltungen ergänzt, z.B. durch "Duetti buffi: Unsterbliche Buffoszenen" mit Lorenzo Regazzo und Bruno Praticó, "Malibran-Kadenzen" und einen Festvortrag von Reto Müller "Rossini - 200 Jahre im Rampenlicht".

Der genaue Programmablauf, sowie die Besetzungslisten sind auf der Homepage des Festivals einsehbar. Ein Flyer mit einer Kurzübersicht incl. Kartenbestellschein ist ebenfalls dort vorhanden.

Übrigens überträgt Deutschland Radio Kultur jährlich eine Aufführung live, dieses Jahr am 24. Juli.

9. Dezember 2009

Rossini in Wildbad - Das Programm 2010

Das XXII. Festival ROSSINI IN WILDBAD findet vom 15. bis 25. Juli 2010 statt. Dabei stehen zahlreiche Opern auf dem Programm. Zahlreiche Opern? Na ja, ein bisschen übertrieben ist das ja, aber es sind doch etliche Titel aufgelistet. Zweifellos spielen wir nur drei Opern ganz, davon zwei von Rossini, aber daneben sind – zur Feier seines 200-jährigen Bühnenjubiläums! - auch noch Ausschnitte aus vier frühen Farsen Gioachino Rossinis zu hören, ja selbst Verdi und Donizetti stehen mit Weltklasse-Komikern wie Bruno Praticò und Lorenzo Regazzo auf dem Programm.

Mit La Cenerentola - Aschenputtel spielen wir eine der großen und populären Opern aus Rossinis Römisch-Napolitanischen Meisterjahren erstmals szenisch. Und wir haben dafür eine tolle Besetzung und schöne Ideen. Le Siège de Corinthe - Die Belagerung von Korinth hingegen ist das erste Meisterwerk Rossinis in französischer Sprache. Adelina von Pietro Generali gehört zur Vorgeschichte des kometenhaften Aufstiegs unseres jungen Komponisten. Diese Farsa wurde direkt vor Rossinis Bühnendebüt 1810 am selben Teatro San Moisè in Venedig uraufgeführt.

Und noch eine Premiere: Wir spielen erstmals die Opern in der endlich renovierten Trinkhalle. Dort ist alles ganz anders, als sich das selbst Besucher vorstellen können, die den Saal bei früheren Gelegenheiten schon gesehen haben. Jedenfalls gibt es mehr Platz, bessere Bühnen- und Sichtverhältnisse und dazu noch eine komfortablere Foyer-Situation. Dasselbe gilt ungefähr auch für das Kurtheater, das endlich wieder zur Verfügung steht.

Der nächste Newsletter mit Details folgt demnächst. Aber hier ist schon einmal das Programm, das dieser Tage allen ROSSINI-Interessenten zugestellt wird.

Jochen Schönleber
Intendant

Programm "Rossini in Wildbad" 2010

22. November 2009

Auf DVD erschienen: „I due Figaro“ von Michele Carafa vom Festival „Rossini in Wildbad“ 2006


Die Aufführungen beim Festival „Rossini in Wildbad“ 2006 sind mir in bester Erinnerung, sowohl in musikalischer Hinsicht als auch wegen der spritzigen Inszenierung von Stefano Vizioli.

Die Handlung dieser 1820 an der Mailänder Scala uraufgeführten Oper zeigt, wie es nach Mozarts „Le nozze di Figaro“ weitergeht, - aber ganz anders als in Giselher Klebes Oper von 1937 „Figaro lässt sich scheiden“. Zerrüttet ist die Ehe von Figaro und Susanna allerdings auch bei Carafa.

Graf und Gräfin Almaviva haben eine Tochter im heiratsfähigen Alter, Ines. Auch Cherubino ist inzwischen erwachsen geworden, singt jetzt Bass und ist in Ines verliebt (und sie natürlich in ihn). Ines soll nach dem Willen ihres Vaters aber einen angeblich wohlsituierten Don Alvaro heiraten. Das hat Figaro eingefädelt, der ein unsympathischer Intrigant geworden ist und sich mit dem Bräutigam die Mitgift teilen will. Da erscheint Cherubino, den Graf und Figaro nach so vielen Jahren nicht wiedererkennen, behauptet, er heiße ebenfalls Figaro, und tritt als Diener in die Dienste des Grafen… und schließlich werden - nach einigen Turbulenzen - mit Unterstützung von Gräfin und Susanna Figaros Machenschaften aufgedeckt, und für die jungen Liebenden gibt es natürlich ein Happy End.

Protest!!! - Ist "Rossini in Wildbad" in Gefahr?

Dem Kunstbeirat des Landes Baden-Württemberg ist das Festival „Rossini in Wildbad“ keine Erwähnung wert!

Die jetzt veröffentlichten „Empfehlungen des Kunstbeirats der Landesregierung Baden-Württemberg“ befassen sich u. a. mit der Festivallandschaft des Landes. Zu den Aufgaben des Kunstbeirats gehören insbesondere
- Bewertung der bestehenden Kunst- und Kulturförderung
- Beratung der Landesregierung bei der Gestaltung der Kunst-
und Kulturförderung bei einer Fortschreibung des Etats auf gleicher Höhe
- Unterstützung beim Finden von Spielräumen für neue Förderungen

Für die Festivalförderung wird eine Konzentration auf vier „Leuchttürme“ empfohlen. Da das Festival „Rossini in Wildbad“ (RiW) mit keinem Wort erwähnt wird, muss man sich fragen, ob dem Kunstbeirat entgangen ist,

- dass RiW seit nunmehr 20 Jahren Pionierarbeit bei der Wiederentdeckung zu Unrecht vergessener Opern von Rossini und anderer Komponisten der Belcanto-Zeit leistet,
- dass für diese Arbeit namhafte Sängerinnen und Sänger und Dirigenten - neben Alberto Zedda auch Alessandro De Marchi, Richard Bonynge und Antonino Fogliani - nach Bad Wildbad kamen und kommen und dass hier auch einige inzwischen internationale Karrieren ihren Anfang genommen haben (siehe hierzu den Beitrag Junge Karrieren - Karrierestart in Bad Wildbad und Pesaro)
- dass diese Arbeit international anerkannt und von der Peter Moores Foundation (London) unterstützt wird,
- dass von zahlreichen Produktionen des Festivals insbes. bei Bongiovanni und Naxos Mitschnitte auf CD erschienen sind (siehe hierzu die Aufstellung im Beitrag "Rossini in Wildbad" 2008 - Das Jubiläum) ,
- dass Deutschlandradio Kultur Jahr für Jahr eine Produktion live aus Bad Wildbad überträgt und der SWR Aufzeichnungen sendet.

Hier Auszüge aus den Empfehlungen:

Die Empfehlungen im Überblick
Die Ludwigsburger Schlossfestspiele und das Festspielhaus Baden-Baden, das Freiburger Barockorchester und das Balthasar-Neumann-Ensemble, die international renommierte Württembergische Staatsoper in Stuttgart, die Filmakademie Ludwigsburg, die Popakademie Mannheim, die 2008 eröffnete Akademie für Darstellende Kunst in Ludwigsburg und die erfolgreiche Arbeit einer einmaligen Institution wie das Zentrum für Kunst- und Medientechnologie in Karlsruhe sind Zeugnisse einer innovativen Kunstpolitik und tragen zur kulturellen Ausstrahlung Baden-Württembergs in der nationalen und internationalen Kulturszene bei. (Seite 10)

…..Eine ähnliche Konzentration empfiehlt der Landeskunstbeirat für die Festivallandschaft.
Nach Auffassung des Landeskunstbeirats soll die Vielzahl der Festivals im Lande nach zehn Jahren – 1998 wurden Empfehlungen zur künftigen Struktur der Theater- und Musikfestspiele veröffentlicht – einer erneuten Überprüfung unterzogen werden. Wenn das Land mitfinanziert, muss überprüft werden, ob die Festivals folgende Bedingungen erfüllen:
- Erarbeitung von Eigenproduktionen
- künstlerische Relevanz
- finanzielle Beteiligung der Kommunen oder vergleichbarer Träger an einer Mindestzahl von Veranstaltungen
- eine für auswärtige Besucher erkennbare Attraktivität
- überregionale und nationale, im besten Fall internationale Ausstrahlung
- angemessener Anteil der Eigenfinanzierung
Zeitlich notwendigerweise befristete Festivalereignisse in kulturell unterversorgten Regionen können nachhaltige Eigeninitiative und regionale Kulturstrukturpolitik nicht ersetzen. Sie dürfen nicht Ersatz, sondern sie können nur Ergänzung einer kontinuierlichen regionalen Kunst- und Kulturpolitik sein. (Seite 15)

8. Musik- und Theater-Festivallandschaft in Baden-Württemberg
Das Land Baden-Württemberg zeichnet sich durch eine vielfältige Festivallandschaft in den Sparten Musik und Theater aus. Die Festivals werden weitgehend durch eine gemeinsame Förderung von Kommunen, Gebietskörperschaften und dem Land finanziert. Im März 1998 hat die Kulturstrukturkommission Baden-Württemberg „Empfehlungen zur künftigen Struktur der Theater- und Musikfestspiele in Baden-Württemberg“ veröffentlicht. Der Kunstbeirat empfiehlt für das Jahr 2008 eine Überprüfung der damaligen Empfehlungen und ihrer Umsetzung. Dabei soll systematisch ermittelt werden, ob die von der Kulturstrukturkommission vorgegebenen Kriterien eingehalten wurden und ob die vom Land mitfinanzierten Festivals den damals formulierten Ansprüchen weiterhin gerecht werden.
Der Kunstbeirat hält die 1998 erarbeiteten Kriterien weiterhin für relevant. Die Förderung des Landes hat sich demnach an der Erarbeitung von Eigenproduktionen durch die jeweiligen Festivals, an der finanziellen Beteiligung der Kommunen, an einer Mindestzahl von Veranstaltungen, an einer auch für auswärtige Besucher erkennbaren Attraktivität, an ihrer überregionalen und nationalen, im besten Fall internationalen Ausstrahlung und an der inhaltlichen Schwerpunktsetzung zu orientieren. Angesichts der Entwicklung ist zu überprüfen, ob die Bedeutung von Festivals für eine kulturell unterversorgte Region eine Landesfinanzierung rechtfertigt. Zeitlich notwendigerweise befristete Festival-Ereignisse können eine nachhaltige Eigeninitiative herausfordernde Kulturstrukturpolitik nicht ersetzen. Für die Bestandsaufnahme und Evaluation empfiehlt der Kunstbeirat die zeitlich befristete Einsetzung einer Expertengruppe, die die aktuelle künstlerische Wertigkeit der jeweiligen Festivals und deren kulturelle Alleinstellungsmerkmale einerseits im Land andererseits national überprüft. Für die Förderung durch das Land sind darüber hinaus die öffentliche Resonanz der Veranstaltungen und der Anteil der Eigenfinanzierung beachtenswert. Hier können aus einem Benchmarking der Festivals Richtwerte erarbeitet werden. Ausschlaggebend ist in jedem Fall die künstlerische Relevanz der Festivals.
Als Leuchttürme der baden-württembergischen Festivallandschaft betrachtet der Kunstbeirat – ohne einer Beurteilung durch die Expertengruppe vorgreifen zu wollen – die Musik der Jahrhunderte (Stuttgart), die Donaueschinger Musiktage, die Schwetzinger Festspiele und die Ludwigsburger Schlossfestspiele. Diese Festivals stellen mit ihrer überregionalen künstlerischen Ausstrahlung zugleich einen hohen Identifikationswert für die jeweiligen Regionen dar. Neben Stiftungen, Kommunen, Gebietskörperschaften und der Landesregierung hat die Landesrundfunkanstalt SWR - ergänzt durch das nationale Deutschlandradio und das ZDF - als öffentlich-rechtlicher Rundfunkanbieter den Auftrag zu einer nachhaltigen Kulturförderung, die sich im Bereich der Musikfestivals direkt mit dem programmlichen Bedarf an hochwertigen Musikproduktionen verbindet. Die Klangkörper des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sind
in die Programmgestaltung der Festivals einzubeziehen. Ihre Existenz darf aus übergeordneten regional- und kulturpolitischen Erwägungen im Rahmen der Gebührenfinanzierung nicht in Frage gestellt werden. Der Kunstbeirat empfiehlt, Vertreter der Rundfunkanstalten in die Expertenkommission zu berufen und die Rundfunk- und Fernsehanstalten in die langfristige Festivalstrategie des Landes einzubeziehen. ( Seiten 42 und 43)

Empfehlungen des Kunstbeirats der Landesregierung Baden-Württemberg

18. November 2009

"Rossini in Wildbad" 2010

Die Überraschung war groß, als im Sommer in Bad Wildbad zu vernehmen war, dass für das nächstjährige Festival Rossinis „Guillaume Tell“ geplant sei. Und die Vorfreude wurde noch größer, als bekannt wurde, dass Michael Spyres als Arnold vorgesehen war. Das steht nun aber nicht mehr im Internet (Link), und jetzt ist es leider bedauerliche Gewissheit, dass es 2010 nichts wird, denn mit dem ROSSINI IN WILDBAD NEWSLETTER 17.11.2009 hat der Intendant Jochen Schönleber Folgendes mitgeteilt:

„Im Sommer habe ich allen Interessenten für die Saison 2010 angedeutet, dass der ungekürzte Guillaume Tell auf dem Spielplan stehen soll. Seither haben sich die Schwierigkeiten für dieses riesige Projekt so gehäuft, dass es um mindestens ein Jahr verschoben werden muss. Es hätte in der augenblicklichen Situation die Existenz des Festivals gefährdet. Wir arbeiten derzeit eine neue Programmstruktur für das Festival 2010 aus, in der auch die neue Akademie Concertante Barcelona von Raúl Giménez eine Rolle spielen wird. Wir bitten Sie noch um einige Tage Geduld, bis dieser neue Programmvorschlag greifbar ist.“

Lassen wir uns also überraschen! Und natürlich freuen wir Rossinianer uns weiterhin auf „Rossini in Wildbad“ 2010!

11. September 2009

Rossini in Wildbad 2009

Elke Heidenreich hat in der FAZ einen höchstpersönlichen, amüsanten Bericht über „ihren“ Festspielsommer geschrieben: „Mein Gott, was machen wir… es festspielt landauf, landab mit ungeahnter Wucht“. In Bad Wildbad war sie nicht, dort müsste es ihr aber eigentlich gut gefallen. Denn dort gibt es keine Massen und nichts, was vom Entspannen ablenkt, nichts außer eben diesem kleinen liebenswerten Festival „Rossini in Wildbad“. Ich war dieses Jahr dort zum neunten Mal in Folge und habe mir vom 2. bis 12. Juli zehn Tage Entspannung mit Festspielen gegönnt.

Schlechte Nachrichten gab es leider vorab: Das Konzert von Marianna Pizzolato wurde wegen Erkrankung abgesagt. Es war auch einiges anders als sonst: Eine Masterclass, wie sie in den Vorjahren Raúl Giménez durchgeführt hatte, gab es aus finanziellen Gründen dieses Jahr leider nicht mehr.

Und noch etwas hat sich geändert: Ungewohnt und für mich ziemlich gewöhnungsbedürftig ist der neue Standort des Rossini-Denkmals. Nun steht es nicht mehr im Schutz der grünenden und blühenden Vegetation des Kurparks, sondern an dem von Anfang an vorgesehenen Platz, nämlich auf dem Rand eines kleinen Thermalbeckens gegenüber dem Palais Thermal, und Rossini könnte also nun seinen Fuß in echtes Thermalwasser setzen, - aber etwas verloren wirkt er dort, so fast nackert und nur mit einem Handtuch um die Hüften. Aber als Mittelpunkt von Gruppenfotos ist er begehrt, und vielleicht werden nächstes Jahr – jedenfalls zur Festspielzeit – auch noch ein paar Blumenkübel das spartanisch-kahle Ambiente etwas freundlicher gestalten.

Das Festival begann mit einer von Alberto Zedda geleiteten und als CD-Einspielung vorgesehenen konzertanten Festaufführung. Dem SWR und der Firma Naxos ist erneut herzlichst dafür zu danken, dass endlich Zeddas maßstäbliche Interpretationen von Rossinis Meisterwerken auf CD dokumentiert werden, und für den Maestro kommen auch Spitzensänger nach Bad Wildbad, die man andernorts nicht so „hautnah“ erleben kann. Für die auf CD bereits erschienenen Projekte der vergangenen Jahre sei auf die Übersicht in meinem Blog-Beitrag zum letztjährigen 20. Festival "Rossini in Wildbad" 2008 - Das Jubiläum verwiesen.

Dieses Jahr stand „La gazza ladra“ („Die diebische Elster“) auf dem Programm, eine Oper, die Alberto Zedda bereits 1979 nach der von ihm erstellten kritischen Ausgabe der „Fondazione Rossini di Pesaro“ eingespielt hat, und gerade was die sängerischen Leistungen anbelangt, zeigt der Vergleich mit dieser Aufnahme aus einer Zeit ganz zu Beginn der Rossini-Renaissance – das erste Rossini Opera Festival in Pesaro fand 1980 statt - doch deutlich die immense Entwicklung der letzten Jahrzehnte. Für den 2. Juli war an sich für den Abend eine (eingeschränkt) öffentliche Generalprobe vorgesehen, und dafür hatte ich mir eine Eintrittskarte gekauft, hatte aber schon vor meiner Abreise erfahren müssen, dass stattdessen über den ganzen Tag verteilt Aufnahmen für die CD-Veröffentlichung stattfänden. Somit führte mein erster Weg nach meiner Ankunft am Nachmittag zum Touristik-Büro, wo ich meine Eintrittskarte zurück gab und mich zum Trost für das (kostenlose) Zuhören bei den Aufnahmen anmelden durfte, so dass ich abends dann immerhin noch die Arbeit an Ouvertüre und erstem Akt verfolgen konnte. Diese Reihenfolge – zunächst der zweite, und danach der erste Akt – kannte ich schon von der ebenfalls beschränkt öffentlichen Generalprobe der „Italiana in Algeri“ im Vorjahr; dies wird so gehandhabt, damit man auch für die Aufnahme des zweiten Aktes frische Stimmen hat. Anders als im Vorjahr wurde dieses Mal aber häufiger unterbrochen und mit dem Orchester (Virtuosi Brunensis) diskutiert und dann anschließend noch eine Stunde mit Nachaufnahmen verbracht, - zufrieden schien der Maestro noch nicht zu sein, wovon dann aber bei der Aufführung am Sonnabend, 4. Juli, nichts mehr zu merken war. Diese wurde wieder ein großer persönlicher Erfolg für Alberto Zedda, - es ist immer wieder faszinierend zu erleben, wie der so gebrechlich wirkende und nun schon 81-Jährige mit dem Erheben desTaktstocks Energie aufzuladen scheint und mit welcher Leidenschaft und Liebe er dirigiert und Orchester, Chor und Sänger mitreißt. Auf die Sendung des Mitschnitts beim SWR und auf die anschließend hoffentlich auch bald erscheinende CD-Aufnahme darf man sich freuen, denn alle gaben für Zedda ihr Bestes: Maria José Moreno – zurück aus der Babypause – als schönstimmige und anrührende Ninetta, Kenneth Tarver als höhensicherer Giannetto, Lorenzo Regazzo – auch konzertant mimisch und gestisch ständig in Aktion – als koloraturschleudernder komisch-böser Gottardo, Giulio Mastrototaro und Luisa Islam-Ali-Zade als Eltern von Giannetto, Mariana Rewerski - Einspringerin für die erkrankte Marianna Pizzolato - als Pippo und – das war die Überraschung dieser Produktion – Bruno Praticò einmal nicht in einer Buffopartie, sondern als Fernando, schön auf Linie singend, mutig in den Koloraturen und sehr konzentriert ob des doch wohl eher ungewohnten Terrains. Auch die kleineren Partien waren gut besetzt, und zwar durchweg mit Sängern, die dann in der späteren szenischen „Gazza ladra“ Hauptpartien sangen: Stefan Cifolelli (Tenor, Isacco), Pablo Cameselle (Tenor, Antonio) und Maurizio Lo Piccolo (Bass, Giorgio), ferner Damian Whiteley (Pretore).

Am Sonntag, 5. Juli, stand dann am Vormittag die Premiere der szenischen Schiller-Belcanto-Matinee „Die Axt im Haus erspart den Zimmermann“ auf dem Programm (Regie: Christof Küster). Eine der deutschen Sprache unkundige Sängerin (Luisa Islam-Ali-Zade) und ein überschwänglicher Schauspieler (Boris Rosenberger) erscheinen zum Vorsingen bzw. zum Vorsprechen für „Wilhelm Tell“ und geraten nichtsahnend an die Putzfrau – hinreißend gespielt von der Schauspielerin Gundi-Anna Schick; diese findet Gefallen an der Sache und „inszeniert“ die Tell-Handlung, die sie nur in groben Zügen vom Hörensagen kennt, mit den ihr eigenen Mitteln und Ideen. Eingebaut in den Ablauf waren sieben Arien (von einer Canzonetta von Haydn und Mozarts Cherubino über Rossinis Italiana und Tancredi bis zu Tschaikowskis Jungfrau von Orléans), mit denen Luisa Islam-Ali-Zade – wie immer souverän am Flügel begleitet von Marco Bellei - brillieren konnte. Für diese vergnügliche Stunde Unterhaltung gab es viel Beifall.

Danach wurde es bis zum Donnerstag ohne Festivalgäste sehr ruhig in Bad Wildbad, aber für mich keineswegs langweilig. Zum einen gibt es im Umkreis von Bad Wildbad nicht nur Wanderwege und lohnende kulturelle Ausflugsziele mit Museen, Ruinen, Fachwerkhäusern etc., sondern auch drei Städte mit Opernhäusern – Karlsruhe, Stuttgart und Pforzheim - , von denen man auch nach einer Abendvorstellung noch mit der Stadtbahn bequem nach Bad Wildbad zurückkehren kann, zum anderen wird vor Ort ja für die bevorstehenden Premieren geprobt. So erlebte ich in Pforzheim, (wohin ich mich schon am Freitag vor aufziehenden Gewitterstürmen ins Schmuckmuseum geflüchtet hatte) am Sonntagabend eine sehr fantasievoll inszenierte und erfreulich gut gesungene Aufführung der Barockoper „La Calisto“ von Cavalli, und auch Stuttgart bot am Mittwoch mit Händels „Teseo“ Barockes. Dazwischen erlebte ich die Proben zur szenischen „Gazza ladra“ und zu Rossinis „Il signor Bruschino“, den ich – da nun einmal leider überhaupt kein Kurparkwetter war - dreimal komplett sah und hörte und so auch die szenische und musikalische Detailarbeit gut verfolgen konnte.

Für Donnerstag, 9. Juli, hatte eigentlich ein Belcanto-Festkonzert mit Marianna Pizzolato auf dem Programm gestanden, das aber leider wegen ihrer Erkrankung hatte abgesetzt werden müssen. Wer wollte, konnte stattdessen in eine sog. Voraufführung der szenischen „Gazza ladra“ gehen, in Wirklichkeit – und so auch in dem außerhalb der Vorstellungen im Kurhaus aushängenden Probenplan ausgewiesen – war es die Generalprobe, und zur Enttäuschung einiger Besucher hörten sie von Ugo Guagliardo in der Rolle des Fernando weitgehend nur Markiertes und konnten erst in der Schlussszene, in der er voll aussang, erahnen, was ihnen entgangen war. Ich meine, man hätte das Publikum darauf vorbereiten sollen, die Leute wären trotzdem gekommen und hätten Verständnis gehabt (und sich vielleicht auch mit den im Vergleich zu den normalen Vorstellungen niedrigeren Kartenpreisen etwas getröstet); denn dass es ohne ernstliche Stimmgefährdung nicht anders ging, war völlig einzusehen, da dieser junge und wirklich vielversprechende Koloraturbass sowohl in der „Gazza ladra“ als auch im „Signor Bruschino“ Hauptpartien sang.

Das 20-jährige Bestehen der Deutschen Rossini Gesellschaft wurde am Freitag, 10. Juli, nachmittags im König-Karls-Bad mit einem vom Vorsitzenden Bernd-Rüdiger Kern gehaltenen Vortrag „Rossini in Wien oder Die Bekenntnisse von Melanie von Metternich“ und mit Kammermusik von Rossini für Harfe, Streicher und Bläser gefeiert. Die Ausführenden dieser sonst leider wenig zu hörenden Kammermusikraritäten waren – mit Ausnahme der Harfenistin – Mitglieder des Festivalorchesters Virtuosi Brunensis und machten mit ihrem virtuosen Spiel dem Namen ihres Orchesters alle Ehre. Anschließend gab es einen Empfang im Hotel Rossini (vormals Hotel Bären).

Am Freitagabend war dann die Premiere der Farsa „Il signor Bruschino ossia Il figlio per azzardo“ und wurde ein voller Erfolg. Die Produktion soll auch als DVD erscheinen. Die Inszenierung von Jochen Schönleber im Bühnenbild von Anton Lukas und in den Kostümen von Claudia Möbius wurde zu Recht einhellig bejubelt, - spritzig, witzig und nie klamottig.


Dem entsprach auch das Dirigat von Antonino Fogliani, der zunächst im Bademantel antrat, denn Ouvertüre und erste Szene spielten in den „Bagni Gioachino“: das Orchester saß auf blauer Folie sozusagen im Schwimmbecken und alle setzten zur Ouvertüre passenderweise Badehäubchen auf. Auch Stefania Bonfadelli zeigte sich hübsch anzusehen in Bikini und Badeanzug. Weniger wohlgeformt, aber umso lustiger präsentierte sich dann am Schluss Bruno Praticò im quergestreiften Badekostüm und positionierte sich an der Leiter ins imaginäre Orchester-Schwimmbassin in der gleichen Pose wie der bronzene Rossini auf seinem Denkmal. Dazwischen gab es jede Menge liebenswerte Gags in temporeich abspulenden Aktionen zu belachen, genau passend zu den Crescendi in Rossinis Musik und von den Akteuren auf der Bühne mit Spaß an der Freud ausgeführt. Jetzt klappte alles, ich hatte ja die gelegentlich durchaus hindernisreiche Entwicklung der einen oder anderen Szene bei den Proben miterlebt.


Bruno Praticò war in dieser Bufforolle des Signor Bruschino natürlich voll in seinem Element, die an Koloraturen reiche Basspartie des Gaudenzio Strappapuppole, fürsorglicher Vormund von Sofia, wurde von Ugo Guagliardo hinreißend gesungen und gespielt. Stefania Bonfadelli kehrte nach längerer Krankheit, kurzem Comeback (s. Interview in der Zeitschrift „Das Opernglas“, Oktober 2006) und anschließender Babypause auf die Bühne zurück, - da bleibt wohl erst einmal abzuwarten, ob sie auch wieder an den großen Häusern reüssieren kann. Filippo Adami gefiel mit seinem höhensicheren, klaren Tenor als Florville. In den kleineren Partien sangen Pablo Cameselle, Stefan Cifolelli, Armando Ariostini und Wakako Ono, am Fortepiano begleitete Michele d’Elia die Rezitative.


Am Sonnabend, 11. Juli, gab es ein dichtgedrängtes Programm. Bei dem Empfang am Vortag war spontan für den Vormittag eine Besichtigung des in dieser Saison geschlossenen Kurtheaters angesetzt worden, zu der sich mehr als zwei Dutzend Interessenten einfanden. Unter der engagierten Führung durch Herrn Dr. Eckhard Peterson, Vorsitzender des Fördervereins Kurtheater Wildbad e.V., konnten wir sehen, wieweit die aktuellen Baumaßnahmen gediehen waren: links ein Anbau für Garderobe, Toiletten etc., rechts der Anbau der Cafeteria, und im Zuschauerraum sind auch bereits die ersten Reihen der aufwendig restaurierten Originalbestuhlung zu bewundern. Herr Dr. Peterson führte uns auch in das Bühnenhaus mit den noch original erhaltenen Kulissenzügen, von denen ein Teil wieder in Benutzung genommen werden soll, und unter die Bühne. Wenn man an den bei der ersten Besichtigung 2001 vorhandenen katastrophalen Zustand des jahrelang als Abstellraum für Gartengeräte genutzten Theaters zurückdenkt, kann man nur staunen, was dank des unermüdlichen Einsatzes des Fördervereins und seines Vorsitzenden erreicht worden ist.

Am Sonnabend-Nachmittag stand dann ein von Solistinnen und Solisten des Festivals bestrittenes Konzert „Hommage an Schiller“ auf dem Programm. Mit der Klavierbegleitung von Michele d’Elia gab es Arien und Szenen aus „Don Carlo“ und „I masnadieri“ von Verdi, aus „I briganti“ von Mercadante, aus Donizettis „Roberto Devereux“ (nicht von Schiller) sowie vier Szenen bzw. Arien aus Rossinis „Guglielmo Tell“ bzw. „Guillaume Tell“. Da der Festivalintendant Jochen Schönleber in seiner Moderation ankündigte, dass es den Tell in Bad Wildbad geben werde, wurde natürlich anschließend eifrig diskutiert, ob man da vielleicht schon einen Teil der geplanten Besetzung zu hören bekommen hatte, - es sangen Ines Merseburg, Pablo Cameselle (anstelle des angekündigten Filippo Adami), Wakako Ono, Elsa Giannoulidou und – das war die Überraschung des Nachmittags – Bruno Praticò. Sein „Sois immobile“ war schönstimmig und stilvoll, eine Wohltat insbesondere im Vergleich zu den sehr lautstark vorgetragenen Verdi- Stücken des ersten Teils des Konzerts, - auf die daran beteiligten Solisten möchte ich nicht näher eingehen.


















Am Sonnabend-Abend war dann die offizielle Premiere der szenischen Produktion der „Gazza ladra“. Das etwas pauschale Dirigat von Ryuichiro Sonoda konnte sich mit dem von Zedda nicht messen, immerhin spielten die Virtuosi Brunensis - jedenfalls bis zur Pause – nicht so unangenehm laut wie in der sog. Voraufführung. Die Inszenierung von Anke Rauthmann nutzte mit einer schrägen Rampe (Bühne: Anton Lukas) geschickt die – besonders bei Einsatz eines größeren Chores (Classica Kammerchor Brno) - beengten räumlichen Verhältnisse der Kurhaus-Bühne, das Hauptaugenmerk lag auf einer detailreichen und überzeugenden Personenführung. Giulio Mastrototaro sang wieder ausgezeichnet gut den Fabrizio, seine Frau war diesmal Elsa Giannoulidou, und die Rolle des Sohnes Giannetto sang Stefan Cifolelli mit großem persönlichen Erfolg. Ebenfalls erfreulich war die Ninetta von Sandra Pastrana, bei den Bässen bot Ugo Guagliardo als Fernando ein atemberaubendes Koloraturfeuerwerk, während Maurizio Lo Piccolo als Gottardo zwar eine weniger geläufige Gurgel hatte, aber durch stilvolles Legato punkten konnte. Luisa Islam-Ali-Zade war diesmal Pippo und – sicherlich auch und gerade wegen ihrer natürlichen Gestaltung dieser Hosenrolle – wieder ein Publikumsliebling. In den kleineren Partien gefielen Pablo Camaselle (Isacco und Antonio) und Stefan Hagendorn (Giorgio und Amtsrichter) sowie als Gazza (Elster) die Schauspielerin Kornelia Gocalek.


Nach zehn Tagen in Bad Wildbad freue ich mich nun auf das nächstjährige Festival. Ein Ereignis habe ich dieses Jahr verpasst, aber dank der Liveübertragung von Deutschlandradio Kultur immerhin im Radio hören können: die konzertante Aufführung von „La sposa di Messina“ von Nicola Vaccaj (nach Schillers „Braut von Messina“) am 18. Juli mit einer herausragenden Jessica Pratt.

Fotos: D. Kalinka (Rossini-Denkmal) und "Rossini in Wildbad" (Szenenfotos)

3. November 2008

Rossini ist umgezogen!

Nun ist es also passiert: Rossini musste sein lauschiges Plätzchen im Kurpark von Bad Wildbad mit Blick auf das Kurtheater verlassen und steht nun zentral auf dem eingefassten Quelltopf gegenüber dem Palais Thermal. Dagmar hat das "Ereignis" im Bild links festgehalten.

Und die lokale Presse berichtet:

Denkmal-an-einst-geplanten-Standort-versetzt

Feierliche Einweihung - Gruppenbild mit Rossini






Nächsten Sommer werden wir ihm dann also weniger diskret zur Begrüßung und zum Abschied das nackte Bäuchlein tätscheln können…


(Foto: PZ)

Erbauliches-am-Kurtheater-_ :
Es tut sich wieder etwas am Wildbader Kurtheater. Nach längerer Pause gehen die Arbeiten nun in die nächste Runde: Die beiden Anbauten für Wintergarten und Sanitär-Räume werden in Angriff genommen…

10. September 2008

Siegmund aus der Masterclass

Ein Blick zurück auf das Festival „Rossini in Wildbad“ 2002. Wer damals beim Abschlusskonzert der Masterclass von William Matteuzzi dabei war, wird sich erinnern: etwas im Rahmen des Festivals „Unerhörtes“ stand auf dem Programm – Richard Wagner! Ein junger Tenor aus Neuseeland sang Winterstürme wichen dem Wonnemond aus der „Walküre“ und gewann damit einen Förderpreis. Nun gab Andrew Sritheran am 7. September 2008 bei der – zu Recht - umjubelten Walküren-Premiere in Lübeck sein Rollen-Debüt und sang einen höchst bemerkenswerten Siegmund.

Die Masterclass 2002 scheint ein guter Jahrgang gewesen zu sein: Der Tenor Roberto De Biasio singt jetzt an diversen italienischen Opernhäusern.

Weitere Infos zu den beiden Sängern im Beitrag Junge-Karrieren-Karrierestart

3. September 2008

Von Bad Wildbad an die Scala!


Bad Wildbad scheint ein guter Ort für einen Start in eine internationale Karriere zu sein - insbesondere für Tenöre.

Nachdem Pavol Breslik (s. Junge-Karrieren-Karrierestart) den Sprung auf die großen Bühnen der Opernwelt geschafft hat und demnächst sein Debüt an der Met geben wird, ist auch Michael Spyres – in Bad Wildbad dieses Jahr Rossinis Otello und letztes Jahr Alberto in Rossinis „La gazzetta“ – auf dem Weg zu einer internationalen Karriere: ab der kommenden Spielzeit ist er nicht nur – wie bereits berichtet – Ensemblemitglied der Deutschen Oper Berlin, sondern wird im April 2009 auch sein Debüt als Belfiore in Rossinis „Il viaggio a Reims“ an der Mailänder Scala geben. Weitere Einzelheiten auf der Internetseite Michael Spyres – Biographie mit diversen Videos und Audioaufnahmen.

Video: Michael Spyres - Otello