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8. Dezember 2011

G. F. Händels Oper "Giulio Cesare" begeisterte in Braunschweig

Einen derartigen Beifallssturm nach Ende einer Oper habe ich im Braunschweiger Staatstheater noch nicht erlebt.  Das Publikum "tobte" begeistert, applaudierte stehend und wurde sogar mit einem Dacapo belohnt. Dabei handelte es sich um eine Barock-Oper, von der man diese Reaktion nicht erwartet hätte: Händels Oper "Giulio Cesare", die konzertant im Rahmen des Festivals Soli Deo Gloria aufgeführt wurde.

Lag es daran, dass die Braunschweiger Opernfreunde mit Barock-Opern in der Vergangenheit nicht gerade verwöhnt wurden, lag es an der besonders gelungenen und mit Spitzenkräften besetzten Aufführung oder daran, dass auch auswärtige Opernfans den Weg nach Braunschweig gefunden hatten? Sicherlich spielte alles eine Rolle.

Wir erinnern uns, dass in Braunschweig schon am 15. Mai 2009 die in Vergessenheit geratene Händel-Oper "Arianna in Creta" von einem hochkarätigen Solistenensemble (u.a. Kristina Hammerström, Miah Person, Sonia Prina)  ebenfalls konzertant dargeboten wurde und auch damals beim Publikum begeisterte Aufnahme fand. Für den Rezensenten war das "Händel vom Feinsten" (Mitteloge).

Beide Händel-Opern fanden als Gastspiele im Rahmen des Festivals Soli Deo Gloria statt, das jährlich unter der Verantwortung von Günter Graf von der Schulenburg im Braunschweiger Raum stattfindet (siehe auch Opernnetz).

Die Oper "Giulio Cesare" wurde am 27. November 2011 vom Ensemble Il Complesso Barocco unter Leitung von Alan Curtis aufgeführt. Im Repertoire dieser Barockspezialisten befinden sich derzeit die Händel-Opern Ariodante, Deidamia, Giulio Cesare; ihre Tournee führt sie durch ganz Europa (hier alle Termine und Orte). In Deutschland wird man diese Gruppe also nur in Braunschweig wiederhören können: "Deidamia" am 26. Jan. 2012 und "Ariodante" am 11. März 2012 u.a. mit Joyce DiDonato, die wir gerade in Mailand in der "La Donna del lago" bewundern durften.
Marie Nicole Lemieux als Cesare u. Karina Gauvin als Cleopatra Foto: Greiner-Napp (BZ) 

Im Vergleich zur "Arianna in Creta" war die konzertante Darbietung des “Giulio Cesare” wesentlich gelungener. Ein minimales, aber angenehmes Bühnenbild mit drei Säulen vor einem blauen Hintergrund, das davor agierende Orchester und die an den beiden Seiten platzierten und dort auf ihren Auftritt wartenden Solisten bestimmten den äußeren Rahmen. Das Verständnis für die Handlung wurde nicht nur durch eine gute Übertitelung, sondern vor allem durch die halbszenische Darbietung der Solisten sehr gefördert.

Besonders hervorzuheben ist Marie Nicole Lemieux (Alt) in der Rolle des Caesar. Ihren wunderbar dargebotenen Arien gibt sie starken gestischen Ausdruck. Manchmal zuckt der ganze Körper. Ein Rezensent schrieb treffend “Die Lemieux rockt den Caesar, dass es einen hinreißt”.

Aber auch die anderen Solisten waren herausragend, Karina Gauvin (Sopran) als Cleopatra mit beeindruckenden Koloraturarien, Filippo Mineccia (Countertenor) der Tolemeo, den fiesen Gegenspieler Caesars, auch gestisch sehr gut verkörperte, Romina Basso (Mezzosopran), die die Klage der Cornelia sehr überzeugend zum Ausdruck brachte und Emöke Barath (Sopran), die sich als Sesto, Sohn der Cornelia, für die Ermordung ihres Vaters rächen will. Dass gerade diese Rolle von einer Frau und dazu noch im Abendkleid gesungen wurde, war unerheblich, da der Gesang das Wesentliche überzeugend ausdrückte.

Das folgende Video von der Aufführung in Wien zeigt alle Solisten des Giulio Cesare, da die Besetzung in Wien und Braunschweig gleich war.


Das Orchester Il Complesso Barocco, das von seinem Leiter, dem berühmten Barockspezialisten Alan Curtis souverän geführt wurde, zeigte sein hohes Können. In diesem Video mit der Ouvertüre zu Ariodante werden Alan Curtis und das Orchester präsentiert.

Trotz aller Begeisterung über dieses Fest der schönen Stimmen wird man dem Rezensenten Andreas Berger wohl eher zustimmen müssen, wenn er schreibt: “Von einer Händel-Renaissance wird man aber erst sprechen können, wenn die Stadt- und Staatstheater selbst wieder Händel-Opern spielen, und zwar als inszeniertes Gesamtkunstwerk” (Kritik vom 29. November 2011 in der Braunschweiger Zeitung).
Opern- und Barockliebhaber sollten sich die noch kommenden Highlights in Braunschweig nicht entgehen lassen und sich akustisch und optisch schon auf die Opern Deidamia (26. 1. 2012) und Ariodante (11. 3. 2012) einstimmen.
Karten für die Opern sind telefonisch über Soli Deo Gloria (0531-16606) und online über CmTicket erhältlich. Ein vergünstigtes Abo für beide Opern ist nur telefonisch buchbar (01805 544888). Kontakt: karten@soli-deo-gloria.info 
Reiner Fricke

23. Juli 2011

Opernfreuden mit Joyce DiDonato in Braunschweig

Im Rahmen des Festivals Alter Musik unter dem Motto "Solo Dei Gloria" werden im Winter 2011/2012 drei Händel-Opern konzertant im Staatstheater Braunschweig aufgeführt:

Am 27. November 2011 "Giulio Cesare" u.a. mit Marie-Nicole Lemieux
Am 26. Januar 2011 "Deidamia" u.a. mit Karina Gauvin
Am 11. März 2011 "Ariodante" u.a. mit Joyce DiDonato

Die Einführung zu allen drei Opern gibt die Krimi-Autorin Donna Leon.

Hier die Vorankündigung in der Braunschweiger Zeitung vom 25. Mai 2011:
(Zur Vergrößerung bitte ins Bild klicken)

Weitere Informationen unter Soli Deo Gloria

7. Februar 2011

Das besondere Jubiläum: 333 Jahre Oper in Hamburg – Vorschau und ein kleiner Blick zurück auf das Repertoire der Gänsemarktoper



In Hamburg begeht man zur Zeit gern schräge Jubiläen. So feiern die Hamburger Bücherhallen seit einigen Monaten ihr 111-jähriges Bestehen, und am 18. Januar 2011 gab es im Parkett-Foyer der Hamburgischen Staatsoper die Auftaktveranstaltung „333 Jahre Oper in Hamburg – Das Hamburger Bürgertum und seine Oper in historischer und aktueller Perspektive“ mit Kurzreferaten von Prof. Dr. Dorothea Schröder (Die Gründung der Hamburger Oper – eine „mutige Tat glücklicher Kaufleute“?) und von Prof. Dr. Dr. h. c. Udo Bermbach (Die Situation der Oper im Hamburg der Gegenwart). Nach der Ankündigung im Journal sollte die Auftaktveranstaltung auch den Programmschwerpunkt „333 Jahre Oper in Hamburg“ für die Spielzeit 2011/12 vorstellen, Operndirektor Francis Hüsers verriet in seiner Begrüßung und Einführung aber leider keine Details außer der für Oktober 2011 vorgesehenen Aufführung der Oper „Flavius Bertaridus“ von Georg Philipp Telemann, uraufgeführt in Hamburg am 23. November 1729, aus der Ann-Beth Solvang eine Arie vortrug. Aber jedenfalls was diese Telemann-Oper angeht, weiß das Internet mehr: Es handelt sich um eine Co-Produktion der Innsbrucker Festwochen und der Hamburgischen Staatsoper.


(Zum Vergrößern ins Bild klicken)


Das "Hamburger Abendblatt" (Magazin vom 5./6.2.2011) berichtet, dass im Juli 2012 die Spielzeit mit einer Oper von Johann Mattheson als Produktion des Internationalen Opernstudios enden soll.

Und wenn es denn auch noch die Wiederaufnahme einer Oper von Händel gäbe, der an der Gänsemarktoper von 1703 bis 1705 als Violinist und Cembalist engagiert war und für sie seine ersten Opern geschrieben hat, wäre dieses ungewöhnliche Jubiläum zugleich eine höchst willkommene Wiedergutmachung für die Enttäuschung über ein an der Hamburgischen Staatsoper spurlos vorübergegangenes Händeljahr. Hamburg darf sich auch heute noch als Händel-Stadt rühmen, besitzt die Musiksammlung der Staats- und Universitätsbibliothek doch einen einmaligen Schatz, nämlich Händels Direktionspartituren zu rund 60 Opern und Oratorien Händels, aus denen der Komponist einst selbst dirigierte und zahlreiche aufführungsspezifische Bearbeitungsspuren darin hinterließ, ein Quellenbestand von außerordentlicher Bedeutung für Händel-Forschung und Musikpraxis.

"Händel wurde auch nach seiner Abreise in Hamburg nicht vergessen. Zwei seiner hier noch entstandenen Opern, "Florindo" und "Dafne", wurden 1708 in der Hansestadt uraufgeführt. Ab 1721 hat sich Georg Philipp Telemann in hohem Maße urn die Etablierung von Händels Opern in Hamburg verdient gemacht. Viele von Händels dann in England entstandenen Opern - darunter "Giulio Cesare", "Admeto" und "Pora"- wurden unverzüglich in Hamburg gegeben. 1732 setzte Telemann dann auch erneut „Almira" auf den Spielplan. Carl Philipp Emanuel Bach, Nachfolger Telemanns als Hamburger Musikdirektor, setzt die Händel-­Tradition mit verschiedenen Oratorien-Aufführungen fort. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts erarbeitet dann Friedrich Chrysander, der wohl bis heute wichtigste Händel-Forscher überhaupt, in Hamburg die erste Händel-Werkausgabe und eine bis heute Maßstäbe setzende Händel-Biographie. Chrysanders Bibliothek mit den Dirigierpartituren Händels zählt heute zu den größten Schätzen in der Musiksammlung der Staats- und Universitätsbibliothek. Hamburg darf sich mithin als "Händel- Stadt" begreifen. Diese Tradition zu pflegen und sie weiter zu ent­wickeln sollte heute eine selbstverständliche Aufgabe und Pflicht sein. Die Aufführungen der "Almira" im Bucerius Kunst Forum - 300 Jahre nach ihrer Entstehung - machen hierfür den Anfang."
Philipp Adlung  (Aus dem Programmheft zur Aufführung von Händels "Almira")  

Kurzer Abriss der ersten 100 Jahre

Am 2. Januar 1678 wurde das von Girolomo Sartorio erbaute Opernhaus am Gänsemarkt als erstes öffentliches Opernhaus Deutschlands mit dem Singspiel "Adam und Eva oder Der Erschaffene, Gefallene und Aufgerichtete Mensch" von Johann Theile eröffnet.

Von etwa 1686 bis 1738 war die Hamburger Oper eines der führenden musikalischen Zentren in Europa mit Aufführungen der Opern von Reinhard Keiser, Johann Mattheson, Georg Philip Telemann (ab 1721 Hamburger Stadtmusikdirektor) sowie Georg Friedrich Händel. Als durch finanzielle Misswirtschaft und mangelndes Publikumsinteresse die Oper in ihrer Existenz bedroht war, fühlten sich die pietistisch orientierten Theologen, denen die Sinnlichkeit der Oper schon lange ein Dorn im Auge war, nur bestätigt, und ihre Attacken nahmen zu. Das Haus wurde schließlich 1738 als selbstständiges Unternehmen geschlossen. Bis zum endgültigen Abriss des Gebäudes im Jahr 1763 diente es vor allem durchziehenden Komödiantentruppen als Spielort. Auf diese Weise wurde allerdings auch die italienische Oper in Hamburg bekannt. So trat 1748 der zweiunddreißigjährige Christoph Willibald Gluck mit der Operntruppe Antonio Mingottis in Hamburg auf. Am 31. Juli 1765 wurde auf Initiative Konrad Ernst Ackermanns das „Ackermann'sche Comödiantenhaus" eröffnet. Einen reinen Opernbetrieb nahm man nicht mehr auf, sondern mischte Musiktheater und Schauspiel. Ab 1767 hieß das Theater auf Lessings Einfluss hin „Deutsches Nationaltheater". Lessing war bis 1779 Dramaturg in Hamburg und veröffentlichte während dieser Tätigkeit seine „Hamburger Dramaturgie"...
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Der Hamburger Opernstil

Die meisten der an der Gänsemarktoper gespielten Werke waren von Reinhard Keiser, - in der Dokumentation „Geschichte der Hamburger Oper 1678 – 1978“ von Joachim E. Wenzel sind über 70 Opern von Keiser aufgelistet, die im Zeitraum von 1694 bis 1734 auf dem Spielplan standen. Von Telemann sind 27 Opern für die Zeit von 1721 bis 1736 angegeben und von Mattheson 7 Opern für die Jahre 1699 bis 1723. Von den meisten Werken sind jedoch nur die Texte erhalten, nicht aber auch die Musik. Die Musiksammlung der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg enthält eine Libretto-Sammlung zur Hamburger Gänsemarkt-Oper mit rund 450 gedruckten Libretti zu etwa 310 Opern, die zwischen 1678 und 1738 im Hamburger Opernhaus am Gänsemarkt aufgeführt wurden.

Kennzeichnend für den damaligen Hamburger Opernstil ist eine Mischung von deutsch oder aber auch mit italienischem Originaltext gesungenen Arien mit deutsch gesungenen Rezitativen im italienischen Stil, Ouvertüre und Tänze waren dagegen meist im französischen Stil. Gern wurden aus eigenen Werken, aber auch aus Opern anderer Komponisten Arien übernommen, die beim Publikum besonders beliebt waren. Eingeflochten wurden zudem Anspielungen auf tagesaktuelle Ereignisse des politischen und gesellschaftlichen Lebens.

Reinhard Keiser – "Der lächerliche Prinz Jodelet" (1726)



Bei einer Aufführung in der heutigen Zeit sollten „kabarettistische“ Einlagen zur Wahrung des Hamburger Opernstils m. E. nach Möglichkeit beibehalten bzw. „aktualisiert“ werden. So mit Erfolg geschehen bei der Inszenierung von Keisers „Der lächerliche Prinz Jodelet“ an der Hamburgischen Staatsoper. Die Premiere (22. Februar 2004) fiel – wie der Zufall es so wollte – in die Zeit vorgezogener Neuwahlen in Hamburg, was Anregung für einige Regieeinfälle bot. Aber wer wird bereits heute noch verstehen, wen die Dame darstellen sollte, die plötzlich auf der Bühne herumwuselte und an alle am Bühnengeschehen Beteiligten Exemplare des Buches „Die Entdeckung der Currywurst“ (ein übrigens wirklich lesenswertes Buch von Uwe Timm) verteilte? Seinerzeit war das aufgrund der Aktualität ein großer Heiterkeitserfolg. Das parodierte „Original“ saß bei der Premiere übrigens in der ersten Reihe: die damalige Kultursenatorin, die mit teils skurillen Ideen – beispielsweise ein „Aquadome“ in der Hafencity als eine Kombination aus Konzertsaal und Aquarium (mit Haitunnel als Zugang zum Konzertsaal!) – auch überregional von sich reden machte ("Amok im Aquarium").





Johann Mattheson – „Boris Goudenow oder Der durch Verschlagenheit erlangte Trohn“ (1710)

Diese Oper hatte Mattheson zwar 1710 für die Gänsemarktoper komponiert, zur Aufführung kam sie dort aber nicht. Möglicherweise – so wird spekuliert - befürchteten die Hamburger Kaufleute, dass ihre gut gedeihenden Handelsbeziehungen zu dem gerade erst gegründeten St. Petersburg Schaden nehmen könnten... Und so blieb das Werk vergessen, in den Wirren des Zweiten Weltkriegs gelangte das Notenmaterial nach Armenien, wo es von dem Kirchenmusiker und Musikforscher Johannes Pausch in den sog. „Eriwan-Beständen“ aufgespürt wurde, die dann 1999 an die Hamburger Staatsbibliothek zurück gelangten. Die konzertante Aufführung unter Rudolf Kelber am 29. Januar 2005 im Bucerius Kunst Forum war somit die Uraufführung dieser Hamburger Barockoper! (Details)

Bei dieser Vorgeschichte war man natürlich gespannt auf die komponierte „Verschlagenheit“, - die erschöpft sich allerdings in der List des Boris, Desinteresse am Zarenthron zu heucheln und sich solange in ein Kloster zurückzuziehen, bis alle ihn inständigst bitten, ihr Zar zu werden. 
Ein Mitschnitt der Hamburger Uraufführung ist in der „Edition Musik Landschaften Hamburg“ erschienen (RP 15287 – 3 CDs).



Die erste szenische Aufführung des „Boris Goudenow“ brachte kurze Zeit später das Boston Early Music Festival im Juni 2005. Aber auch in Hamburg gab es schon bald eine szenische Aufführung des „Boris Goudenow“, und zwar am 30. August 2007 im St. Pauli Theater. Anlässlich des 50jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft zwischen Hamburg und St. Petersburg wurde eine „experimentelle Barocktheaterproduktion von EARLYMUSIC RUSSIA“ aus dem Mikhailovsky Teatr St. Petersburg gezeigt, eine Inszenierung in der Regie von Klaus Abromeit, bei der auf - mit Ausnahme von Podesten - fast leeren Bühne die in prächtige Barockkostüme gewandeten Solisten meist statuarisch verharrten und die musikalischen Affekte in stark formalisierte, aber ausdrucksstarke Gesten umsetzten.





Zwei Videos von einer St. Petersburger Aufführung
der in Hamburg gezeigten Produktion: 





Hamburger Aufführungen von weiteren Werken der Gänsemarktoper:

Unter der Leitung von Rudolf Kelber gab es noch weitere Werke der Gänsemarktoper in konzertanten Aufführungen im Bucerius Kunst Forum:


Händel - „Der in Krohnen erlangte Glücks-Wechsel oder
Almira, Königin von Kastilien“ (November 2005)



Mattheson - „
Die betrogene Staats-Liebe oder Die
unglückselige Cleopatra, Königin von Egypten“
(Oktober 2006)





Händel - „
Zenobia“ (Hamburger Fassung 1722 von „Radamisto“
mit deutschen Rezitativen von Mattheson) (April 2009)


Zum Abschluss ein Video von einer Aufführung der Innsbrucker Festwochen 2007. In Hamburg war „Der geduldige Sokrates“ (1721) von Telemann am 29. August 2007 in der Laeiszhalle in der Innsbrucker Besetzung unter René Jacobs halbszenisch – d.h. ohne Kostüme, aber mit viel Aktion auf einem zwischen Orchester und Publikum aufgebauten breiten Steg - aufgeführt worden, in diesem Fall wohl die erfreulichere Variante...




Rückblick auf die Händel-Festspiele 2010 in Halle

Händel-Denkmal auf dem Markt von Halle (alle Fotos: R. Fricke)

Schwerpunkt der Händel-Festspiele 2010 war diesmal das "Orlando-Thema". Für das von Ludovico Ariost 1516 erschienene Versepos "Orlando furioso", das von Rittern, Helden, kämpfenden Damen, Zauberern und Fabeltieren handelt, begeisterten sich auch Komponisten, darunter Georg Friedrich Händel. 

Da wir die Opernfassungen von Vivaldi ("Orlando furioso" in der Oper Frankfurt a.M.) und Haydn ("Orlando paladino" im Staatstheater Braunschweig)  schon gehört und besprochen hatten, waren wir sehr gespannt nicht nur auf die Vertonung von Händel, sondern auch auf einige weitere Veranstaltungen, die den Paladin Orlando behandelten.

Händels Oper "Orlando", die am 27. Januar 1733 im Londoner King´s Theatre ihre Uraufführung erlebte und als "herrlichste aller Händel-Opern" bezeichnet wird, begründete auch 1922 in Halle die Händel-Festspieltradition.

Über die Inszenierung dieser Oper haben wir hier im Belcantoblog schon berichtet, ebenfalls über den Festvortrag von Prof. Dr. Albert Gier mit dem Titel "Damen, Ritter, Waffen und Liebe. Ariosos Orlando furioso auf der Opernbühne".

Erwähnt sei hier noch das "Literarische Konzert" von und mit Uwe Schweikert am 4. Juni im Händel-Haus, bei der verschiedene Genres gemischt wurden: Dichtung und Musik, eingebettet in eine moderierende Einführung durch Uwe Schweikert. Ihm gelang es, die Zeitlosigkeit und fortwährende Faszination des Stoffes, der unzählige Male von Dichtern, Malern und Opernkomponisten aufgegriffen wurde, zu vermitteln. Jörg Lichtenstein trug ausgewählte Verse Ludovico Ariosts aus dem "Rasenden Roland" vor, Luciana Mancini sang mit herrlichem kultiviertem Mezzo Arien aus den Ariosto-Opern Händels Alcina und Ariodante, schließlich das ergreifende "Già l´ebro mio ciglio" aus dem 3. Akt der Oper Orlando begleitet von  Mitgliedern der LAUTTEN COMPAGNEY Berlin.

Der Ausflug ins historische Goethe-Theater in Bad Lauchstädt mit den zum Orlando-Thema passenden Opern "Il Palazzo incantato" und "Il Combattimento" wurde hier im Blog ebenfalls schon behandelt.

Zum "Muss" in Halle zählt natürlich auch ein Besuch des Händel-Hauses, ein Gang über den Marktplatz und der Besuch einer Orgelmusik in der Marktkirche:


Markt und Marktkirche zu Halle
Während der Festspiele war zwischen dem 3. und 12. Juni 2010 täglich bei freiem Eintritt um 12 Uhr eine halbe Stunde Orgelmusik zu hören. Es gab Orgelmusiken zum 300. Geburtsjahr von Wilhelm Friedemann Bach, dem "hallischen Musikdirektor und wohlbestallten Organisten" gespielt von seinem Amtsnachfolger Irénée Peyrot. Am Samstag, den 5. Juni erklang zunächst auf der kleinen Orgel, auf der Georg Friedrich Händel (1685-1759) selbst das Orgelspiel erlernt hatte, Händels Suite F-Dur HWW 427. 

Kleine Orgel in der Marktkirche

Diese Orgel steht auf der Osttempore, sie wurde 1663-1664 von Georg Reichel erbaut; das Werk besitzt sechs Register. 1972 wurde die Orgel umfassend restauriert und erklingt seitdem wieder in der ursprünglichen Stimmung (etwa eine kleine Terz = 1 1/2 Töne - über der heutigen Normalstimmung). "Musik besonders des 16. und 17. Jahrhunderts erklingt dadurch in großer Klarheit und Eindrücklichkeit" (Programmzettel). Diese Einschätzung stimmt, die Orgel "singt" regelrecht, klingt zu Beginn weich und relativ leise, wird dann allmählich volltönender - ein wahrhafter Hörgenuss.

Große Orgel (1713-16) in der Marktkirche
Im Gegensatz dazu dann die große Orgel auf der Westtempore mit 56 Registern und über 4000 Pfeifen, vom Halberstädter Christoph Cuntius  in den Jahren 1713-1716 erbaut und am 3. Mai 1716 in Anwesenheit Johann Sebastian Bachs eingeweiht. Auf ihr erklangen ebenfalls an diesem Samstag Werke von Samuel Scheidt (1587-1654), Wilhelm Friedemann Bach sowie Johann Sebastian Bach (1685-1750). Hier nahm uns nun der mächtigere, kühlere Orgelton gefangen, den wir gewöhnt sind.

Nach diesem Kunstgenuss genossen wir bei herrlichem Sonnenschein im Café Rossini den Ausblick auf den Marktplatz und die Marktkirche.


Im Schatten des wuchtigen Händel-Denkmals freuten wir uns als Rossini-Freunde über die Referenz an Rossini, die das Ristorante italiano "Rossini" dem Sohn aus Pesaro auch auf der Eis- und Getränkekarte erwiesen hatte.



Rossini und Händel auf der Karte des "Rossini" in Halle (Vergrößern: Bitte in das Bild klicken) 
Einige der vielen roten Straßenbahnen rollten mit dem Endziel "Frohe Zukunft" an uns vorbei. Das wünschen wir auch den nächsten Händel-Festspielen 2011, dessen Programm schon vorliegt.

Astrid Fricke

15. Juni 2010

"Damen, Ritter, Waffen und Liebe. Ariosts Orlando furioso auf der Opernbühne"

Dieses war der Titel des Festvortrages, den Prof. Dr. Albert Gier, Otto-Friedrich-Universität Bamberg, am 5. Juni 2010 anlässlich der Händel-Festspiele in Halle im gut besuchten Saal des Stadthauses am Markt hielt.

Halle (Saale): Stadthaus am Markt
Er wandte sich zunächst dem aus 46 nur lose miteinander verbundenen Gesängen bestehenden Versepos des italienischen Renaissance-Dichters Ludovico Ariost zu, das dieser zwischen 1505 und 1521 auch in der Absicht verfasste, seinem Gönner und Förderer, dem mächtigen Kardinal Ippolito d`Este, zu huldigen. In diesem Werk geht es, wie schon der Vortragstitel verrät, um das Rittertum, um den Kampf der Kreuzritter mit den Sarazenen und um Liebes-Verwicklungen. Wie auch im höfischen Roman der Zeit üblich, wird Ariosts märchenhafte Welt außer von Rittern auch von Feen, Magiern und Monstren bevölkert. (Einen schönen Einstieg in Ariosts "Orlando furioso" bietet übrigens das gleichnamige Hörspiel des WDR Köln, erschienen bei Random House Audio, 2004). 

Vortragsraum im Stadthaus am Markt

Gier zeigte auf, dass Ariost zeitlose Themen wie Liebe, Treue, Beharrlichkeit, Flatterhaftigkeit, Eifersucht, Kampfes- und Abenteuerlust in einer zwar unterhaltsamen, gleichzeitig jedoch vorurteilsfreien und relativ wertneutralen Weise dargestellt hat. Seine aufregenden und bildhaften Schilderungen machten ihn rasch berühmt. Zahlreiche Handlungsstränge seines Epos stießen dann später, insbesondere im Barock, auf großes Interesse auch der Librettisten und Komponisten. So gibt es zahllose Bearbeitungen, die aus dem riesigen Fundus an Personen des Ariost schöpften. Unter anderem wurden die Beziehungen zwischen den Geschlechtern von dem Renaissancedichter spannungsvoll abgehandelt. 

Allerdings wurde die quasi wissenschaftliche, vorurteilsfreie und neugierige Herangehensweise Ariosts an den Stoff später verändert: Dem Publikum wird im 17. und besonders im 18. Jahrhundert unmissverständlich klar gemacht, dass Vernunft und Moral siegen müssen, die Verirrung wird rechtzeitig beendet. Es ist ein großes Verdienst Giers, eine Vielzahl dieser Libretti aufgespürt, erkundet und auszugsweise seinem Publikum nahegebracht zu haben. Zu den Komplexen, die bereits bei Ariost vorkommen und von den späteren Komponisten und Librettisten erfolgreich aufgegriffen wurden, gehört unter anderem die Geschichte des vor Eifersucht "rasenden" Ritters Orlando, der aus unerfüllter Liebessehnsucht zeitweise sogar seinen Verstand verliert und schrecklich wütend, ausgestattet mit übermenschlicher Kraft, durch die Lande zieht. Hier bot sich dann die Gelegenheit, eindrucksvolle "Wut-Arien" zu verfassen - auch für Händel.

Astrid Fricke

8. Juni 2010

G. F. Händels Oper "Orlando" in Halle

Das Opernhaus in Halle

Hand aufs Herz: Wie oft haben Sie in der Oper erlebt, dass ein Akteur zusammen mit vier Begleitern "in den Lüften" entschwunden ist? Oder, noch besser, dass gleich zwei Hauptpersonen auf einem Wagen zum Erstaunen des Publikums  davonflogen? Oder, dass ein Vogel mit Genien himmelwärts strebte? 

Händel wollte es so. Das Original-Libretto seiner Oper "Orlando", 1733 in London uraufgeführt, sieht nämlich vor:

2. Akt, 10. Szene, Angelica auf der Flucht verfolgt von Orlando:
"Angelica flieht, Orlando folgt ihr; eine große Wolke legt sich über die Sonne und verbirgt Angelica. Von vier Genien begleitet, entschwebt sie in die Lüfte."

Und weiter: 
2. Akt, 11. Szene:
"Er eilt wütend in die Grotte; sie explodiert, man sieht den Magier auf seinem Wagen in die Lüfte entweichen; er hält Orlando in seinen Armen."

Schließlich in der "Sinfonia" gegen Ende:
"Vier Genien begleiten einen Adler durch die Luft, der eine goldene Vase im Schnabel trägt."

Vielleicht ahnen Sie es: Derlei gab es in Halle nicht zu erleben, auch nicht die vielen stummen Genien, die Liebe in Gestalt eines Knaben auf einem Thron oder Atlas mit dem Himmel auf seinen Schultern. Hätte man es dem Publikum geboten, wäre doch vieles infolge mangelnder Kenntnis der barocken, auf die Antike zurückgehenden Symbolik, dem heutigen Theaterbesucher fremd geblieben. Dennoch ist die Absicht des Theatermannes Händel klar: Deutliche, unvergessliche Tableaus sollen den Eindruck der Musik verstärken. 

Und welche Bilder begleiten den Liebeswahn des rasenden Rolands auf der Hallenser Bühne? Der Titel des Beitrags im Programmheft "Menschen-Bilder und Denk-Landschaften" von Susanne Holfter zeigt es: 


Die Inszenierung Nicola Hümpels verzichtet auf eine eindeutige szenische Umsetzung der Zauberhandlung, sondern betont den Kammerspielcharakter des Geschehens und möchte dem Betrachter gleichzeitig mittels der eingeblendeten Texte von Nietzsche, Kant, den Beatles und anderen sowie anhand von Videoeinblendungen Denkanstöße geben, und auf die Abgründe und Widersprüche in den Seelen der Menschen verweisen, welche  zwischen Liebe und Vernunft, Treue und Verlangen, Flucht und Verblendung schwanken. Die Drehbühne ist karg, weist nach oben eine bogenförmige Begrenzung auf und fällt nach vorn jäh ab. Grau, Silber, Creme und Blau sind die beherrschenden Farbtöne. Angelica trägt ein Gewand, das sich plötzlich entfaltet und ihr das Aussehen eines prächtigen großen Schmetterlings verleiht; für die Kostüme zeichnet Frauke Ritter verantwortlich. 


Hier und da leuchtet es rot - Strümpfe, Krawatte, Wollfäden, ein Fächer, über dem Schmetterlinge zu schweben scheinen, der Schriftzug A + M (Angelica und Medoro) im Hain der Liebenden. Effekte werden durch aufwallende Nebel erzeugt und bedrohlich roten Feuerschein im Hintergrund. Bögen wölben sich aus dem Boden hervor, ziehen sich zusammen, verändern ohne sichtbares Zutun ihre Gestalt und brechen mit Getöse am Ende zusammen. Angelica entschwebt nicht in die Lüfte, sondern verschwindet, von Orlando bereits tot geglaubt, durch das höllische Inferno irrend, in der Unterwelt, bevor sie am Ende durch die Kraft des Magiers belebt, wieder die Bühne betritt.

Die Opernmusik wurde vom Händelfestspielorchester Halle unter der Leitung von Bernhard Forck auf historischen Instrumenten dargeboten. Sie atmet den Geist und den Glanz des Barock und enthält sowohl die berühmten Wut-Arien des liebeskranken Ritters Orlando als auch "Lamento-Arien" wie die der Schäferin Dorinda, in welcher diese Zwiesprache mit einer Nachtigall hält und um den Verlust ihrer Liebe trauert. Hinzu kommen die sonor fließenden Gesänge des Magiers Zoroastro, eines Vorgängers von Mozarts Sarastro, der hier ebenfalls der Vernunft zum Siege verhilft. Am Ende heilt er Orlando von seinem Wahnsinn und erinnert ihn erfolgreich an seine Pflichten als kriegerischer Ritter.

Wie in der literarischen Vorlage, dem Epos "Orlando furioso" von Ludovico Ariost von 1522, tauchen in der Händel-Oper die chinesische Prinzessin Angelica auf sowie ihr heidnischer Liebhaber, der einfache Soldat Medoro, der schon im Libretto als recht tumb gezeichnet wird, ein Eindruck, den die Inszenierung verstärkt: Medoro agiert unbeholfen und scheint das Geschehen um ihn herum nicht so recht zu begreifen. Anders die Schäferin Dorinda: Ihr billigt das Libretto zu, dass sie ganz ohne Zauber zur Vernunft kommt und auf Medoro verzichten will. Aber damit sie am Ende beteuern kann, "jeder Schmerz sei vergessen", lässt die Regie sie sich zuvor ebenfalls mit dem Zaubertrank, der schon Orlando geheilt hat, übergießen.

Das Publikum wurde mit einem homogenen Orchesterklang und herrlichen Stimmen verwöhnt. Der Countertenor Owen Williams überzeugte in der Titelrolle, ihm zur Seite stand Marie Friederike Schöder als Angelica mit hellem, vibratoarmem Sopran. Von berückender Schönheit war die Stimme von Sophie Klußmann als Dorinda, zu Recht wurde sie vom Publikum beim Schlussapplaus gefeiert. Dmitry Egorov, ebenfalls Countertenor, sang gut aufgelegt und sicher den Medoro, in der Rolle als Zoroastro gefiel Christoph Stegemanns warmer Bass.


Besonders zu Beginn überzeugten außerdem die ständig auf der Bühne präsenten "Performer" von "Nico and the Navigators" Miyoko Urayama und Patrick Schott bei ihrer pantomimisch-tänzerischen Darstellung des Konflikts zwischen Mars, dem Kriegsgott und Amor, der Liebe. Sie erinnerten an die Formensprache eines Tomaz Pandur in seiner Inszenierung der Divina Commedia nach Dante bei den Theaterformen in Braunschweig 1995. Die Spannung lässt aber nach, wenn, wie hier durch eine parallel laufende Performance die Oper zeitweilig den Charakter einer Commedia dell`arte erhält. Das ist dem Orlando-Stoff angemessen, der durchaus komische Seiten hat, wird der Händel-Oper in ihrer Eindringlichkeit aber nicht immer gerecht. 

Fazit: Kein Vollblut-Theater ausschließlich mit Ensemble-Kräften, sondern ein Experiment, das in dieser Form allerdings schon früher bei Händel-Festspielen erfolgreich ausprobiert wurde. Eine nachdenklich stimmende zurückhaltende, jedoch stilsichere Inszenierung, die einen neuen Zugang zur alten Zauberoper sucht. Musikalisch ist die herrliche Oper ohne Einschränkungen zu loben und die schöne Stadt Halle verdient auf jeden Fall einen Besuch. 
Besuchte Aufführung am 6. Juni 2010. Weitere Aufführung am 11. Juni 19 Uhr.

Astrid Fricke

30. Mai 2009

"Arianna in Creta" in Braunschweig

Eine Rezension der Aufführung vom 15. Mai 2009 im Staatstheater Braunschweig finden Sie auf der Seite Mittelloge.de

21. April 2009

"Arianna in Creta" u. "Orlando Paladino" in Braunschweig

im Mai zeigt das Staatstheater Braunschweig neben Louis Spohrs Werk "Der Alchymist" zwei weitere außergewöhnliche Opernaufführungen:

"Arianna in Creta" von G. F. Händel (konzertant), nur am 15. Mai 2009, 19 Uhr im Großen Haus und
"Orlando Paladino" von J. Haydn, am 29. Mai, 1. und 6. Juni jeweils 19:30 Uhr im Schloss Wolfenbüttel (Innenhof)

Für weitere Informationen zitiere ich aus dem Newsletter des Staatstheaters Braunschweig:

"Gastspiel Arianna in Creta

Oper von Georg Friedrich Händel

Konzertante Aufführung

Im Rahmen von Soli Deo Gloria, »Feste Alter Musik« im Braunschweiger Land, zeigt das Staatstheater Braunschweig eine konzertante Aufführung der Barockoper "Arianna in Creta" von Georg Friedrich Händel.

Das Werk ist die dritte und letzte Inszenierung in einer Reihe von drei Opern, die Christopher Hogwood – Gründer und Ehrendirigent der Academy of Ancient Music – in den drei Jahren bis zum 250. Todestag Georg Friedrich Händels geleitet hat.

Die Uraufführung von "Arianna in Creta" fand am 26. Januar 1734 im King's Theatre am Londoner Haymarket statt. Die Oper kam auf sechzehn Vorstellungen. Im November wurde sie am Covent Garden Theatre nochmals aufgenommen. Im August 1737 stand "Arianna in Creta" erstmals in Braunschweig auf dem Spielplan.

Das Libretto basiert auf Pietro Pariatis "Arianna e Teseo". Dieses wurde von Francesco Feo für eine Aufführung während der Karnevalszeit 1729 in Turin vertont.

Der mythologische Stoff ist von Plutarch überliefert und wurde auch von Ovid verarbeitet. Es ist die Liebesgeschichte zwischen Ariadne, der Tochter des grausamen kretischen Königs Minos, und dem Athener Königssohn Theseus. Sie rettete ihm und 14 Kindern mit einem magischen Schwert und einem Knäuel Wolle das Leben.

Die Mezzosopranistin Angelika Kirchschlager singt die Partie des Teseo. Sie gehört weltweit zu den führenden Sängerinnen ihres Fachs und ist sowohl im Opern- als auch im Konzertbereich äußerst renommiert. Im Juni 2007 ernannte sie die Wiener Staatsoper zur Kammersängerin.

Die in Wien lebende gebürtige Österreicherin verfügt über ein großes Repertoire, das von Bach, Händel, Brahms, Mahler und Ravel zu Rossini, Schubert, Schumann, Weill und Wolf reicht. Wichtige Dirigenten ihrer Karriere waren und sind: Riccardo Muti, Claudio Abbado, Sir Colin Davis, James Levine, Kurt Masur, Kent Nagano und Sir Simon Rattle. Die Künstlerin gastierte bereits an nahezu allen großen Opernhäusern der Welt, wie der Mailänder Scala, der Met in New York, der Pariser Opéra Bastille, der Wiener Staatsoper und der San Francisco Opera. In den Jahren 2000 und 2005 gewann sie für zwei ihrer CD-Einspielungen den Echo Klassik. Angelika Kirchschlagers erste CD mit Barock-Repertoire erschien 2002. Vier Jahre später folgte ein Album mit Händel-Arien, begleitet vom Kammerorchester Basel unter der Leitung von Laurence Cummings.

Musikalische Leitung: Christopher Hogwood

MIT: Miah Persson (Arianna), Angelika Kirchschlager (Teseo), Sonia Prina (Carilda), Karen Cargill (Tauride), Lisa Milne (Alceste), Antonio Abete (Minos)

Academy of Ancient Music

Am 15. Mai 09, 19:00 Uhr im Großen Haus (Am Theater/Steinweg)

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Orlando Paladino

Ernst-komische Oper in drei Akten von Joseph Haydn

- in deutscher Sprache -

An einen malerischen Ort entführt das Staatstheater Braunschweig sein Publikum mit der Inszenierung der Oper "Orlando Paladino" von Joseph Haydn. Denn erstmals laden Opernensemble und Staatsorchester unter der musikalischen Leitung von Sebastian Beckedorf in den Innenhof des Schlosses Wolfenbüttel ein.

Im Haydn-Jahr 2009 steht mit "Orlando Paladino" eine deutschsprachige Oper des vor 200 Jahren gestorbenen Wiener Klassikers auf dem Spielplan:

Orlando, treuer Gefolgsmann Karls des Großen, verliebt sich in Angelica, die exotische Königin von Kattai. Diese interessiert sich allerdings nur für den schönen Ritter Medoro, der ihre Liebe auch leidenschaftlich erwidert. Die ausbleibende Gegenliebe Angelicas erlebt Orlando als Trauma und verliert seinen Verstand. Von dem rasend eifersüchtigen Orlando bedroht, flieht das Liebespaar. Durch Zauberkräfte und ein Elixier, das den Liebeskranken seine Angelica-Passion vergessen lässt, kommt der Wahnsinnige letztlich zur Ruhe.

So sonderbar wie die Handlung ist auch die Entstehungsgeschichte der Oper. Das Werk ist ein reines Zufallsprodukt. Eigentlich sollte Haydn am 6. Dezember 1782 eine bereits vorhandene Oper von Pietro Allessandro Guglielmi aufführen. Doch dann erhielt er den Auftrag, dessen Libretto als Vorlage für eine neue Oper zu nutzen, weil sich der russische Großfürst Pawel Petrowitsch überraschend angekündigt hatte. Ihm sollte "Ungehörtes" präsentiert werden. Zwar sagte der prominente Besucher kurzfristig ab, doch Haydns Oper war fertig und wurde uraufgeführt.

Aniara Amos inszeniert die selten gespielte Haydn-Oper und entwirft zudem Bühne und Kostüme.

Mit den Solisten: Simone Lichtenstein (Angelica), Henryk Böhm (Rodomonte), Thomas Blondelle (Orlando), Tobias Haaks (Medoro), Kenneth Bannon (Licone), Rebecca Nelsen (Eurilla), Malte Roesner (Pasquale), Sarah Ferede (Alcina) und Selçuk Hakan Tiraşŏglu (Caronte).

Premiere: am 29. Mai 09, 19:30 Uhr im Schloss Wolfenbüttel (Innenhof)

Weitere Vorstellungen: 1. und 6.6. um 19:30 Uhr"