11. Oktober 2011

MEYERBEER - RENAISSANCE !?

"Robert le diable" in Erfurt - "L’Africaine" in Würzburg
Meyerbeer Lives! prangt auf dem T-Shirt für Mitglieder des “Meyerbeer Fan Club“, dessen Website trotz vieler weiterhin verfügbarer Beiträge und Informationen leider nicht mehr aktiv ist. Und in der Tat: Wann hatte man schon Gelegenheit, innerhalb eines knappen halben Jahres drei seiner Grand Opéras in hiesigen Regionen zu erleben, noch dazu in bemerkenswerten Inszenierungen und musikalisch guten bis herausragenden Interpretationen?!
Warum Meyerbeer, der mit seinen spektakulären Musikdramen von Robert le diable bis L’Africaine Europas Musiktheater im zweiten Drittel des Ottocento dominierte, zwar nie vergessen, aber einfach nicht mehr gespielt worden ist, hat mehrere Gründe. Sie sind auch im Rahmen musikhistorischer Abhandlungen ausführlich dargelegt worden und müssen an dieser Stelle nicht wiederholt werden.
Nachdem La Monnaie in Brüssel, das frisch gekürte “Opernhaus des Jahres“, mit Les Huguenots, der “Operninszenierung des Jahres“(!), in diesem Sommer für Furore sorgte, eröffneten nun zwei Theater aus der sogenannten “Provinz“ ihre Spielzeit mit zweien seiner Meisterwerke: Erfurt mit Robert le diable und Würzburg mit L’Africaine. Es war ein glücklicher Zufall, dass wir beide an einem Wochenende sehen und hören konnten, und es ist sicher naheliegend, ja unvermeidlich, dass diese Konstellation (auch unbewusst ) zu Vergleichen herausforderte.


"Robert le diable" im Theater Erfurt
Bildschirmfoto vom Film, Quelle: Theater Erfurt
Der Videofilm ist auf Vimeo in bester Qualität zu sehen 

Jean-Louis Grinda, langjähriger Chef der Opéra Royal de Wallonie in Lüttich und seit 2007 Intendant der koproduzierenden Opéra de Monte Carlo, lässt Robert le diable in einem Hospital für Geisteskranke im 19. Jahrhundert spielen, das von Bertram geleitet wird. Dieses Konzept wurde zwar bis zum Schlussbild durchgehalten, hat sich mir aber nicht in allen Details und Konsequenzen erschlossen. Eine gute Lösung fand Grinda für das in den Handlungsverlauf stringent integrierte berühmte Nonnenballett, in dem drei Tänzerinnen aus ihren Katakombengräbern stiegen und Robert umgarnten. Ebenso sind das Bühnenbild von Hank Irwin Kittel (3. Akt !) und die Personenführung (auch der Chormitglieder!) Pluspunkte dieser Inszenierung, aber was dem Abend seine Geschlossenheit und bleibende Wirkung verlieh, war die musikalische Gestaltung, an der es kaum etwas auszusetzen gab. 
An erster Stelle möchte ich den amerikanischen Tenor Erik Fenton nennen, der trotz relativ kurzer Einarbeitungszeit die Titelfigur, einen typischen Meyerbeer-Helden, auch in den Extremhöhen bravourös sang und spielte. Ihm durchaus ebenbürtige Leistungen boten die beiden Sopranistinnen Claudia Sorokina als die umworbene Isabelle und Ilia Papandreou als Alice, die Verkörperung des Guten. Der armenische Bass Vazgen Ghazaryan brillierte stimmlich auch im tiefsten Register, blieb aber als  teuflischer Gegenpol mit väterlichen Gefühlen etwas blass und wirkte zu wenig dämonisch. Auch  Richard Carlucci glänzte mit schön timbriertem Tenor in der dankbaren Rolle des Raimbaut. 
Die Sänger und Sängerinnen des Opernchores , denen man ihre Freude über die individuellen Entfaltungsmöglichkeiten anmerkte, überzeugten ebenso wie das Philharmonische Orchester Erfurt, mit dem Samuel Bächli einen Klangteppich ausbreitete, der Meyerbeers Herkunft aus dem Musikdrama des 18. Jahrhunderts verriet, gelegentlich aber etwas mehr Drive vertragen hätte. Dass es dieses frühe Meisterwerk (1831) nicht strichlos geben würde, hatten  Grinda (Interview im Opernglas) und der verantwortliche Dramaturg Berthold Warnecke schon im Vorhinein angekündigt, und ich denke, dass trotz der nicht gehörten Musik (so fehlte verständlicherweise die nachkomponierte “Mario-Arie“ des Titelhelden) die präsentierte Fassung schlüssig war und dem Handlungsablauf gerecht wurde. Und immerhin hörten wir wohl zum ersten Male das Finale II nach der neuen kritischen Ricordi-Ausgabe!


"L’Africaine" im Mainfranken-Theater Würzburg
Knapp vier Stunden dauerte tags darauf die vom Mainfranken-Theater in Würzburg erarbeitete Fassung der letzten und nicht ganz vollendeten Meyerbeer-Oper L’Africaine (1865), und es sei vorweg festgestellt: Es wurde hervorragend gesungen und musiziert! Enrico Calesso, neuer GMD in Würzburg, gestaltete fesselnd mit seinem Philharmonischen Orchester spannungsreiche Sequenzen, evozierte gefühlvoll Stimmungen und ließ die Stimmen wunderbar zur Entfaltung kommen (Arien der Sélika und der Inès). 
Quelle: Mainfranken Theater Würzburg 
Von dem nicht nur zahlenmäßig beeindruckenden Chor (Einstudierung Markus Popp) in den entsprechenden Szenen wirkungsvoll unterstützt, lieferten insbesondere Karen Leiber als betörende Titelheldin Sélika und als ihr bis in den Tod treu ergebener Sklave Nélusko Adam Kim grandiose Rollenporträts. Kaum weniger überzeugend Paul McNamara in der Rolle des Vasco de Gama, der in seinem Streben nach Ruhm und Unsterblichkeit alle privaten Bindungen hintanstellt (erneut ein typisch Meyerbeerscher “Held“! ) sowie Nathalie de Montmollin als bis zur Selbstaufgabe liebende Inès. Paolo Ruggiero in einer Doppelrolle als Don Diégo und als Oberpriester des Brahma sowie Johan F. Kirsten als unsympathischer Ratspräsident Don Pédro ergänzten ein wunderbar zusammengestelltes und lebendig agierendes Ensemble.
Regisseur Gregor Horres (in Zusammenarbeit mit Bühnenbildner Jan Bammes) wollte wohl einerseits eng am Libretto bleibend die drei Schauplätze der Oper - der portugiesische Hof, ein Schiff  kurz vor dem Kap der Guten Hoffnung und eine Insel im Indischen Ozean - auf die Bühne bringen, andererseits aber das auch dem Komponisten vertraute Thema “Kolonisation“ in ihrer modernen Version dem Publikum nahebringen. So besang Vasco in seinem Glanzstück zu Beginn des 4. Aktes die paradiesische Schönheit der neu entdeckten Gegend, die jedoch von einer Erdöl-Bohranlage beherrscht wird. 
Quelle: Mainfranken Theater Würzburg
In Erinnerung bleiben wird wohl eher die ungemein packende “Parlamentsdebatte“ mit Bischöfen und Großinquisitor im 1. Akt oder die auch von der Personenführung anrührende Finalszene unter den Zweigen des Manzanillobaumes.
Resümee: Es kann nicht hoch genug gelobt werden, dass zwei mittlere Opernhäuser wieder einmal Meyerbeer, diesen deutschen Komponisten, der nach Lern- und Wanderjahren in Italien in Frankreich seine musikalische Heimat fand, in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gehoben haben. Aufgrund der musikalischen Glanzpunkte sind beide Produktionen nicht nur Meyerbeer-Fans unbedingt zu empfehlen, gerade auch wegen der unterschiedlichen Regieansätze. 
Es bleibt zu hoffen, dass wir nicht bis zum Meyerbeer-Gedenkjahr 2014 warten müssen, um Robert le diable, Les Huguenots, Le prophète, Dinorah oder L’Africaine wieder einmal erleben zu können.
(Ein Videofilm zu Oper ist zurzeit auf der Startseite des Mainfrankentheaters abrufbar oder direkt auf Youtube im Kanal MFT Wuerzburg)

Walter Wiertz (Besuchte Aufführungen am 01.10 und 02.10.2011)

Im Theater Erfurt gibt es nur noch drei Aufführungstermine: 14.10.11/ 08.01.12/ 22.01.12.
Würzburg hingegen bietet “seinen“ Meyerbeer noch ein Dutzend Mal in diesem Jahr: 16./19./22./28.10. u. 04./06./22./26.11. sowie 04./07./11./16./22.12. 

9. Oktober 2011

Die "Petite Messe solennelle" szenisch in Berlin ab 16. Nov. 2011


Das Produktionsteam "Nico and the Navigators" weist auf eine szenische Produktion der "Petite Messe solennelle" hin:

"Der junge britische Dirigent Nicholas Jenkins, die Regisseurin Nicola Hümpel und der Bühnenbildner Oliver Proske haben gemeinsam mit ihrer Kompanie Nico and the Navigators eine inszenierte Fassung der "Petite Messe solennelle" erarbeitet, die mit Gesang, Tanz und Schauspiel in die Welt des religiösen Agnostikers führt."

Die Uraufführung dieses Werkes hat Anfang September im Theater Erfurt im Rahmen des Kunstfestes Weimar stattgefunden. Hierzu ein Video:



Die nächsten Aufführungen finden in Berlin am 16. November und 18. bis 20. November im Radialsystem V  statt. Weitere Aufführungsorte sind Dijon, Paris, Bregenz und Luxembourg (ausführliche Informationen zu diesem Projekt auf der Homepage von "Nico and the Navigators")

6. Oktober 2011

Theater-Videos: Übersicht auf "THEATER-TV"

Videoclips zu aktuellen Theateraufführungen sind immer häufiger auf den Internetseiten der Häuser zu finden; ein positiver Trend, der mit der Eröffnung des ersten multimedialen Theaterinformationssystems [inƒos] am Staatstheater Braunschweig schon im Jahre 1995 eingeleitet wurde.

Da die Videofilme auf den Internetseiten der Theater nicht immer leicht zu finden sind, und ein Informationsdienst über neue Videos bislang fehlt, ist die Übersichtsseite von THEATER-TV recht hilfreich. Hier ein Vorschaubild einer Seite, in der die Produktionen der Hamburgischen Staatsoper präsentiert werden, u. a. auch die aktuelle Inszenierung des "Don Giovanni"

Screenshot von THEATER-TV: Hier Übersicht Hamburgische Staatsoper
Die einzelnen Videoclips der Theater in Hamburg, Hannover, Dresden, Köln, Cottbus, Essen, Erfurt, Braunschweig, Chemnitz, Bielefeld und neuerdings auch Antwerpen/Gent (Vlaamse Opera) werden im oberen rechten Fenster gezeigt, können jedoch auch in recht guter Qualität als Vollbild-Video abgespielt werden. Nach dem Start des Videos wird ein "Share"-Button eingeblendet, der den Speicherort des Videos auf der Video-Plattform "Vimeo" anzeigt. Somit kann man die direkte Internetadresse des Videos auch Interessierten weiterleiten.
Das untere "Don Giovanni"-Video hat z.B. die Speicheradresse (URL) http://vimeo.com/29308986

Für Rossini- und Belcantofreunde sind vielleicht die folgenden Filme interessant, aber entdecken Sie selbst.....

Theater Erfurt: "Robert, Le Diable"
Hamburgische Staatsoper: "La Cenerentola" , "Lucia di Lammermoor"
Staatsoper Hannover: "Die Reise nach Reims"
Sächsische Staatsoper Dresden: "Der Barbier von Sevilla"

Während auf THEATER-TV Videos zu aktuellen Aufführungen zu sehen sind, neuerdings auch von der Vlaamse Opera in Antwerpen/Gent, zeigt der Videoserver "Vimeo" auch interessante, archivierte Filme.

Die Benutzerfreundlichkeit beider Seiten könnte zwar noch erhöht werden, aber insgesamt erleichtern sie die Suche nach aktuellen und archivierten Theatervideos.

29. September 2011

Alsterwanderweg-Konzerte mit Rossinis "Petite Messe solennelle" eröffnet

Innige Empfindung, melodischer Charme mit stilistischer Vielfalt und dramatische Akzente

Mit romantischen Klängen in barocker Vielfalt und ungewöhnlicher Instrumentierung, mit der „Petite Messe solennelle“ von Gioachino Rossini, wurden im 49. Jahr seit ihrer Gründung die Alsterwanderweg-Konzerte in der Marktkirche eröffnet. „Eine schöne und lange Tradition in Poppenbüttel“, so die Freude von Kirchenmusikdirektor Michael Kriener. Jeden Sonntag bis zum 25. September, waren Chöre und Organisten aus Preetz, St. Peter-Ording, Stade, Hannover, Berlin und Aachen zu Gast, die eine interessante Mischung aus Bekanntem und „Ungehörtem“ im Programm hatten.

Als „letzte Todsünde meines Alters“ hat der 72-jährige Rossini sein spätes Chorwerk bezeichnet. Rossini schreibt dazu in einer ironischen Widmung an den „lieben Gott“:
„Hier ist sie, die arme kleine Messe. Ist es wirklich heilige Musik (musique sacrée) oder doch vermaledeite Musik (sacrée musique)? Ich bin für die Opera buffa geboren. Du weißt es wohl! Ein bisschen Können, ein bisschen Herz, das ist alles. Sei also gepriesen und gewähre mir das Paradies.“

Der fast spitzbübische Titel „Kleine Messe“, bezieht sich wohl weniger auf die Länge des Werkes, sondern eher auf die kleine und etwas eigentümliche Besetzung, denn er hatte sie für 12 Sänger, 8 für den Chor, vier für die Soli, zwei Klaviere und Harmonium geschrieben. In seiner Widmung verweist Rossini auch auf den Symbolgehalt der für die Aufführung benötigten Sängerzahl:
„Lieber Gott verzeih mir die folgende Gedankenverbindung: 12 an der Zahl sind auch die Apostel in der berühmten Freßszene gemalt im Fresco von Leonardo, welches man das letzte Abendmahl nennt; wer würde es glauben! Es gibt unter Deinen Jüngern solche, die falsche Töne anschlagen!! Lieber Gott beruhige Dich, ich behaupte, dass kein Judas bei meinem Mahle sein wird, und dass die Meinen richtig und mit Liebe Dein Lob singen werden...“

Streicher, Bläser und Schlaginstrumente gibt es in seiner ersten Fassung nicht, aber die drei erwähntenTasteninstrumente als Chorbegleitung. Erst die zweite Fassung schrieb Rossini noch kurz vor seinem Tode für Chor und Orchester. Sie wird aber selten gespielt.
Am Flügel Eva Barta, die fast durchgehend die Kantorei Poppenbüttel begleitete
und eine solide Grundlage bot. Alle Fotos: M. Pantelmann 
Hier war die erste Fassung (mit nur einem Klavier und großem Chor) mit der spielfreudigen Pianistin Eva Barta zu hören, die allerdings in den ersten Passagen etwas zaghaft in die Tasten griff und gegen den mächtigen Chor Mühe hatte, sich durchzusetzen. Fast durchgehend, sogar mit einem konzertanten Solo komponiert, begleitete das unvermutet rhythmisch prägnante Klavier, das dazu noch an vielen Stellen von einem Harmonium, von Chihiro Hirayama, gespielt, als weihevolle Akzente unterstützt wurde. Übergegangen ist man auch dazu, die Aufführungen mit großer Chorbesetzung zu singen.
Großer Applaus kam auch von der Kantorei Poppenbüttel, die sich bei den Solisten, Instrumentalisten und ihrem Kirchenmusiker bedankte.
Neben strengen Formmodellen, zum Teil unverkennbar opernhaft und von bestechend melodischem Charme, jedoch von Ernst und inniger Empfindung durchdrungen, enthält dieses sakrale Werk nach dem Beispiel barocker Kantatenmessen einen strukturierten Zyklus von Arien und Chor. Mit allen Bestandteilen einer „Missa solemnis" für das priesterliche Hochamt wie das Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, O salutaris und am Ende das Agnus Dei (Lamm Gottes) in mitreißendem Dialog von Altstimme (Almut Orthaus) und Chor dramatisch herausgearbeitet. Auch wenn Rossinis Kompositionsverständnis vom leichten und gefälligen Genuss geprägt ist, war aber auch hier sein Hauptanliegen die sinnliche Botschaft.
Die Pianistin Eva Barta mit dem Kirchenmusikdirektor Michael Kriener.
Unter ihrem Leiter fanden Solisten und Chor, der auch in den unbegleitet gesungenen Sätzen mit dichtem Stimmengeflecht durch dieses energiegeladene Werk marschierte, bei zügigen Tempi und klanglicher Leuchtkraft zu einer fein abgestimmten Ensemble-Leistung zusammen. Besonderen Wert legte der Dirigent auf die Hervorhebung der rhythmischen Feinheiten. Durchweg gut besetzt waren die Solisten mit dem Tenor Martin Kötterle, dem Bass Kevin Gagnon, der Altistin Almut Orthaus sowie der Sopranistin Svenja Liebrecht, die mit beeindruckender Solistenleistung das „O salutaris hostia“ mit ihrer klaren, kraftvollen und absolut höhensicheren Stimme eindringlich und anrührend gestaltete.

Als Kriener zu Beginn der Messe mit Ekkehard Carbow den Solisten nach dem Credo ankündigte, ahnten die Besucher noch nicht, dass sie etwas ganz Einmaliges hören durften; denn wer die Rossini-Messe kennt, mag etwas irritiert gewesen sein: das Harmonium-Solo kam mit dem kraftvollen Klang von der großen Kirchenorgel. „Das gibt es sonst nicht weiter auf der Welt“, sagte Kriener, „nur die Orgel der Marktkirche Poppenbüttel hat Harmonium-Zungen, die wir hier einsetzen konnten“. Mit minutenlangem Beifall und Bravorufen dankten die Besucher in der nahezu ausverkauften Kirche für die gelungene Aufführung.
Die Pianistin Eva Barta mit der Sopranistin Svenja Liebrecht, der Altistin Almut Orthaus, dem Tenor Martin Kötterle, dem Bass Kevin Gagnon und Chihiro Hirayama, die das Harmonium spielte (von links).
Autorin: M. Pantelmann (Besuchte Aufführung am 21. August 2011)

23. Juli 2011

Opernfreuden mit Joyce DiDonato in Braunschweig

Im Rahmen des Festivals Alter Musik unter dem Motto "Solo Dei Gloria" werden im Winter 2011/2012 drei Händel-Opern konzertant im Staatstheater Braunschweig aufgeführt:

Am 27. November 2011 "Giulio Cesare" u.a. mit Marie-Nicole Lemieux
Am 26. Januar 2011 "Deidamia" u.a. mit Karina Gauvin
Am 11. März 2011 "Ariodante" u.a. mit Joyce DiDonato

Die Einführung zu allen drei Opern gibt die Krimi-Autorin Donna Leon.

Hier die Vorankündigung in der Braunschweiger Zeitung vom 25. Mai 2011:
(Zur Vergrößerung bitte ins Bild klicken)

Weitere Informationen unter Soli Deo Gloria

22. Juli 2011

Konzertante Belcanto-Opern in der Philharmonie im Gasteig 2011/2012

Gaetano Donizetti "Maria Stuarda"
am 2. und 5. Dezember 2011
mit Vesselina Kasarova, Krassimira Stoyanova und Stephen Costello
weitere Infos siehe Gasteig

VIVA BELCANTO
am 2. Mai 2012
Galakonzert mit Glanzstücken aus dem italienischen und französischen Belcanto-Repertoire
mit Vesselina Kasarova und Krassimira Stoyanova 

Vincenzo Bellini "La Straniera"
am 5./9./12./16. Juli 2012
mit Edita Gruberova

Näheres in der Presseinformation von VITA E VOCE

3. Juli 2011

YouTube-Kanal für "Rossini in Wildbad"

Wer schon bei den Probenarbeiten für die Premieren in Bad Wildbad zuhören möchte, hat jetzt die Gelegenheit, entsprechende Videos im neuen YouTube-Kanal "ROSSINIWILDBAD" aufzurufen.

Hier ein Bildschirmfoto vom neuen YouTube-Kanal. 
Den Videokanal "ROSSINIWILDBAD" hier starten.
oder Sie klicken in das Bildschirmfoto



2. Juli 2011

Erste Informationen aus Bad Wildbad zum Belcanto Festival

"Es wuselt im Königlichen Kurtheater"
So übertitelt der Schwarzwälder-Bote am 1. Juli 2011 einen Stimmungsbericht zu den Festival-Vorbereitungen. 


"Schatzgräber in Sachen Belcanto"
Die Badische Neueste Nachrichten berichtet am 2. Juli über den Leiter von "Rossini in Wildbad", Herrn Jochen Schönleber.

(zum Vergrößern bitte in das Bild klicken) 

"Rossini in Wildbad 2011" startet am 7. Juli


Im Zentrum des Belcanto-Festes stehen diesmal neben acht weiteren Veranstaltungen gleich drei komische Opern auf dem Programm:

Il turco in Italia (Der Türke in Italien) von Gioachino Rossini
Ser Marcantonio (Don Pasquale) von Stefano Pavesi
Il noce di Benevento (Der Hexenbaum von Benevent) von Giuseppe Balducci

Das Gesamtprogramm mit Bestellformular zum Download hier

25. Juni 2011

La Cenerentola im Theater Aachen

Nein, dieses “Aschenputtel“ hat wahrlich kein einfaches Leben: Umgeben von etwa 60 Waschmaschinen, deren Frontattrappen die gesamten Seitenwände des Bühnenraums zieren, und mit einem Turmbau an Wäschestücken im Hintergrund versucht sie an 3 Bügeltischen mit überdimensionierten Bügeleisen und entsprechenden Wäschekörben ihren Pflichten als “Hausmädchen für alles“ nachzukommen. 
Leila Pfister, Astrid Pyttlik, Rolf A. Scheider, Eva Bernard
Quelle: Theater Aachen © Wil van Lersel
Ihre Blicke wandern häufig zu einem Fernsehapparat, auf dessen Bildschirm permanent Bilder von Traum-Hochzeiten in Adelskreisen ablaufen. Die Bullaugen dieser Waschmaschinen dienen manchmal durchaus ihrem eigentlichen Zweck, wenn Dandini z.B. im 2. Akt seine fürstlichen Gewänder entsorgen muss, bieten aber auch den dann mit Ferngläsern bewaffneten 16 Herren des Theaterchors Guckfenster zur Bühne. 
Der erstmals in Aachen tätige spanische Regisseur Joan Anton Rechi, der u.a. Calixto Bieito als seinen Lehrmeister angibt und der 2007 in Freiburg Rossinis Barbiere auf die Bühne brachte, präsentiert dieses Melodramma giocoso vor allem als Burleske mit viel Schwung (auch in den Interaktionen), mit schlüssiger Personenführung und stimmig in Bewegung und Gesten umgesetzter Musik. Beispielsweise hämmern alle Solisten im berühmten Sextett “Questo è un nodo avviluppato“ pausenlos im Rhythmus der Musik auf ihre Mobiltelephone ein, um vielleicht mit fremder Hilfe – natürlich erfolglos – diesen Knoten in ihren Köpfen lösen zu können. Auch andere Einfälle beweisen des Regisseurs Liebe zu detaillierter musikkonformer Inszenierung. So wird der ersten Begegnung Angelina - Don Ramiro jegliche Steifheit genommen, wenn er ihr, nachdem sie mit dem vor Schreck fallengelassenen Kaffeegeschirr seine Hose beschmutzt hat, in Boxershorts fasziniert beim Reinigen und Bügeln seiner Hose zuschaut. 
Tansel Akzeybek,  Leila Pfister
Quelle: Theater Aachen © Wil van Lersel
Gelegentlich gibt Rechi aber auch seinem Affen zuviel Zucker: So werden “Clorindina“ und “Tisbetta“, wie ihr Vater sie in gewissen Situationen nennt, als kreischende und permanent zankende Schwestern stark überzeichnet, vor allem wenn sie (als Running Gag) in Überraschungsmomenten - an die zehn Mal! – synchron ohnmächtig zu Boden gehen. Allerdings spielen und singen Eva Bernard als Clorinda (mit etwas schriller Mittellage) und Astrid Pyttlik, deren Tisbe ebenso hübsch aussieht wie sie singt, diese weniger bösen als eher streit– und selbstsüchtigen Zicken in diesem Konzept überzeugend. Auch die übrigen Protagonisten sind mit sehr viel Spielfreude bei der Sache und singen gut, ja sogar großartig. Die Angelina der in Basel geborenen Leila Pfister beginnt etwas verhalten und wirkt in Ensembleszenen punktuell etwas leise, läuft aber in ihrem Finalrondo zu grandioser sängerischer Gestaltung auf. Ihr “principe“ Don Ramiro wird von dem u.a. in Bonn engagierten Tansel Akzeybek, einem stimmschönen und höhensicheren tenore leggiero, gesungen – Klasse! Auch bei den drei tiefen Männerstimmen war viel Erfreuliches zu hören: der vor Spiellust fast berstende Hrólfur Saemundsson als Dandini mit baritonalen Höhenflügen, Pawel Lawreszuk als der weise Drahtzieher Alidoro – er sang die von Rossini 1821 nachkomponierte Arie “Tutto cangiò per te“ - und Rolf A. Scheider, der mit wunderbar sonorer Bassstimme der Buffopartie des Don Magnifico vielleicht ein zu junges Profil gab.
Belcanto-Opern sind im Aachener Theater in den letzten Jahren ziemlich stiefmütterlich behandelt worden, und außer einem konzertanten Mosè in Egitto  und einer eher mäßigen Italiana in Algeri (beide 2006) stand Rossini nie auf dem Programm des nach Nürnberg wechselnden GMD Marcus R. Bosch. So war sinnvollerweise die musikalische Einstudierung dieses Meisterwerks dem gerade neu verpflichteten 1. Kapellmeister Péter Halász (bisher am Staatstheater Mainz) anvertraut worden. Er führte das Aachener Orchester zu einer runden Leistung mit Rossinischem Esprit, bei der allerdings das Blech insgesamt etwas grell und zu dominierend wirkte. Das Publikum im sehr gut besuchten Stadttheater – wann gab es zuletzt eine solch lange Schlange vor der Abendkasse?! - war begeistert von diesem gut dreistündigen Genuss (nur die Clorinda – Arie und der Eingangschor zum 2. Akt fehlten) und ließ sich am Ende zu Standing Ovations hinreißen.

Walter Wiertz (Besuchte Vorstellung am 23.06.11)
Weitere Vorstellungen am 1./10./17./20. Juli 2011

17. Juni 2011

Auf zu 'Les Huguenots' in Brüssel!

Quelle: BRF
Wer eine packend-emotional inszenierte, hinreißend gesungene und prächtig musizierte “Grand Opéra“ erleben will, möge sich auf den Weg nach Brüssel ins Opernhaus “La Monnaie“ machen! Dort feiert momentan Didier Pys Inszenierung von Giacomo Meyerbeers Meisterwerk Les Huguenots mit Marc Minkowski am Pult wahre Triumphe. Durch die Öffnung dramaturgisch relevanter Striche (diese Passagen fielen der Zensur zur Uraufführungszeit 1836 zum Opfer) und durch Hinzufügen der stummen Figur der Caterina de Medici, der politischen Drahtzieherin jener Ereignisse bis zur Bartholomäusnacht 1572, wird die historische Entwicklung transparenter. 

Folglich bildet die für den Plot zentrale Liebesbeziehung zwischen dem Hugenotten Raoul de Nangis und der katholischen Adligen Valentine den bewegenden menschlichen Kontrast zu dieser intriganten politischen Szenerie. Dazu werden wir Zeugen genialer Bühnenbilder (verschiebbare Häuserfassaden der einzelnen Schauplätze), epochenmäßig differenzierter doch immer passender Kostüme, unvergesslicher Details nicht nur in der Personenführung und – last but not least – grandioser Sängerleistungen: In dieser “Nacht der sieben Sterne“ erlebten wir am 14. Juni John Osborn (Raoul), Henriette Bonde-Hansen (Marguerite de Valois), Ingela Brimberg (Valentine), Blandine Staskiewicz (Urbain) und Francois Lis (Marcel). Wie man den geradezu hymnischen Premierenbesprechungen (u.a. bei DLR Kultur, Der Neue Merker, BRF, podcast.de) entnehmen kann, konnte aber auch die Alternativbesetzung  begeistern: Eric Cutler, Marlis Petersen, Mireille Delunsch, Yulia Lezhneva und Jérome Varnier.

Ein ausführlicherer Bericht folgt nach unserem Besuch einer Vorstellung mit der letztgenannten Besetzung.

Weitere Aufführungen  dieses großen Opernereignisses finden noch statt am: 19., 21., 23., 24., 26., 28. und 30. Juni. Außerdem wird diese Inszenierung im März des kommenden Jahres an der Opéra National du Rhin in Straßburg zu sehen sein.

Walter Wiertz (Besuchte Vorstellung am 14.06.11)